Zen-Coder oder Ablenkungs-Junkie – welcher Entwickler-Typ sind Sie? Und: Wer arbeitet effizienter?

Judith Lungstraß

Sie kennen das: Nachdem Sie als Programmierer den soeben geschriebenen Code vertrauensvoll dem Compiler überantwortet haben, begeben Sie sich erst einmal in die Warteschleife: Bis zum Abschluss des Kompiliervorgangs ist schon einmal die eine oder andere Kaffepause einzulegen – oder endlich mal Zeit, das eigene Facebook-Profil zu checken. Doch wer hätte es gedacht: Wie Sie diese Zeit des relativen Leerlaufs verbringen, sagt nicht nur viel über Ihre persönliche Arbeitsweise aus, sondern hat auch einen nicht zu verachtenden Einfluss auf Ihre Produktivität!

Jiri Novotny identifiziert in einem Blogpost zwei verschiedene Arbeitstypen: den „Zen-Coder“ und den „Ablenkungs-Junkie“. Welcher Gruppe gehören Sie an? Und welcher der beiden Typen arbeitet eigentlich effizienter?

Zen-Coder versus Ablenkungs-Junkie

Wenn der Ablenkungs-Junkie während des Kompilierens Zeit zu überbrücken hat, fällt ihm vieles ein, was er tun könnte: Er checkt seine E-Mails, durchsucht seinen Feedreader sowie diverse News-Sites nach Neuigkeiten und tauscht sich kurz mit Freunden und Familie per Facebook, Twitter etc. aus. Das Problem hierbei ist, dass ihn all diese Ablenkungen gedanklich vom Kodieren entfernen. Kann er nach dem Kompilieren seine Arbeit wieder aufnehmen, spuken ihm die Gespenster aus Mail, Facebook und Co. weiterhin im Kopf herum, und es fällt ihm deutlich schwerer, sich auf seine anstehenden Aufgaben zu konzentrieren.

Der Zen-Coder hingegen arbeitet völlig anders: Entweder er arbeitet oder er ruht sich aus – ein Mittelding gibt es für ihn nicht. Er kodiert mit einhundertprozentiger Konzentration und ohne jegliche Ablenkung ein bis zwei Stunden lang, bis es schließlich an der Zeit ist, den Compiler anzuwerfen. Während des Kompilierens ruht der Zen-Coder sich aus und sammelt neue Energie für seine nächste Kodierphase.

Warum ihm nie langweilig wird und er nie den Drang verspürt, seine E-Mails abzurufen oder einmal kurz die Facebook-Profile seiner Freunde zu besuchen? Eine Anekdote aus den Kommentaren zu Novotnys Artikel klärt diese Frage auf anschauliche Art und Weise:

Der Zen-Meister erklärte seinem Schüler, der sich über die Langeweile während der Meditation beschwerte: „Du liegst, aber du sitzt schon. Du sitzt, aber du stehst schon. Du stehst, aber du läufst schon. Wenn ich liege, liege ich. Wenn ich sitze, sitze ich. Wenn ich stehe, stehe ich und wenn ich laufe, laufe ich.“

Wenn der Zen-Coder arbeitet, arbeitet er. Wenn der Ablenkungs-Junkie hingegen arbeitet, liest er, schaut er Videos, chattet er und beschäftigt sich bereits mit seiner nächsten Aufgabe.

Warum der Zen-Coder effizienter arbeitet

Warum der Zen-Coder effizienter arbeitet, versucht Novotny mit einem Vergleich zu veranschaulichen: Stellen wir uns das menschliche Gehirn einmal als eine Art Computer vor. Genau wie ein Rechner verfügt es nämlich nur über einen begrenzten Arbeitsspeicher, dessen Nutzungskapazitäten früher oder später an ihre Grenzen stoßen müssen. Betrachtet man den verfügbaren Speicher als Ganzes, so folgt daraus: Man kann seine Ressourcen entweder voll auf eine Sache richten oder eben jeweils nur halb auf zwei und so weiter. Der Ablenkungs-Junkie richtet einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf seine Arbeit, den anderen Teil verschwendet er für Ablenkungen aus seinem Umfeld – aus diesem Grund arbeitet er weniger effizient und zielgerichtet als der Zen-Coder.

Dieses Argument unterstützt Novotny durch eine weitere Metapher: Hierzu betrachtet er das menschliche Gehirn als einen Schrank mit mehreren Schubladen – manche davon sind offen, andere geschlossen. Dabei stehen die offenen Schubladen für all die Gedanken, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kopf des Entwicklers herumspuken. Öffnen lassen sich Schubladen sehr einfach – sie wieder zu schließen, dauert jedoch bedeutend länger und kostet deutlich mehr Aufwand und Mühe. Je mehr Schubladen man geöffnet hat, desto weniger Bereiche des Gehirns lassen sich für wichtige Dinge wie den eigenen Code nutzen und desto ineffizienter arbeitet man letztendlich. Denken Sie an diese Metapher, wenn Sie das nächste Mal beispielsweise durch Ihren Login bei Facebook eine weitere Schublade öffnen.

Wie Sie zum Zen-Coder werden

Dass der Zen-Coder effizienter arbeitet als der Ablenkungs-Junkie, steht für Novotny außer Frage. Seiner Meinung nach gibt es so einiges, was man tun könnte, um sich selbst in einen Zen-Coder zu verwandeln.

Zuerst einmal gilt es, niemals die Konzentration zu verlieren. Genauso wichtig sind aber die kurzen Pausen, die man einlegen sollte, während der geschriebene Code kompiliert. Für diese Pause empfiehlt er, das Gehirn entweder komplett abzuschalten oder weiter an den soeben verfassten Code zu denken, sich aber auf keinen Fall von irgendwelchen anderen Gedankengängen ablenken zu lassen. Ideal sind deshalb alle Aktivitäten, die nur den Körper und nicht den Kopf ansprechen: Strecken Sie sich, holen Sie sich ein Glas Wasser oder massieren Sie Ihren verspannten Nacken. Checken Sie jedoch auf keinen Fall ihr E-Mail-Postfach, Ihren Social Media Account oder jegliche News-Seiten und schauen Sie sich niemals Videos an!

Und glauben Sie bloß nicht, die Pausen seien optional – Ihr Körper braucht sie, um danach wieder mit voller Kraft weiterarbeiten zu können.

…oder doch nicht?

Selbstverständlich gibt es auch eine Menge Theorien und Meinungen, die sich gegen die Idee des optimal arbeitenden Zen Coders richten. Ein Kommentator des Artikels Novotnys meint beispielsweise, der Zen Coder sei in seiner Box gefangen und könne nicht über den Tellerrand hinaus blicken. Außergewöhnliche, neue und unbekannte Sichtweisen täten allerdings jeglicher Arbeit gut und förderten die Effizienz eines Entwicklers.

Ein anderer Kommentator argumentierte, dass jede Person unterschiedlich arbeite. Während manche mit Multitasking besser fahren, kämen andere besser damit klar, sich wie der Zen-Coder stur auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Auch Einstein hatte schließlich die besten seiner Ideen nebenbei während seiner monotonen, alltäglichen Arbeit in eine Postfiliale.

Zu welchem der beiden Arbeitstypen gehören Sie? Sind Sie ein Zen-Coder oder ein Ablenkungs-Junkie? Und sind Sie zufrieden mit Ihrem Profil, oder würden Sie lieber doch der anderen Gruppe angehören?

Geschrieben von
Judith Lungstraß
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.