Diversität in der IT-Branche

Women in Tech – Zwei Umfragen, Ergebnisse und Rückschlüsse

Marcel Richters

© Shutterstock.com / Rawpixel.com

 

Auch wenn Frauen in der IT-Branche noch immer selten sind, ändert sich langsam aber sicher etwas. Allerdings nur in kleinen Schritten, wie jetzt eine Umfrage der Jobbörse HackeRank erneut verdeutlicht. Um zu verstehen, warum das so ist, hilft ein Blick in unsere „Women in Tech“-Umfrage von 2017.

HackerRank 2018 Women in Tech

Frauen sind immer noch ein seltener Anblick in der Tech-Branche. Doch langsam aber sicher ändert sich etwas, wie auch unsere beliebte Serie „Women in Tech“ immer wieder anschaulich macht. Das Jobportal HackerRank hat jetzt eine Umfrage durchgeführt, um einige Zahlen dazu zu bekommen, wie es mit Frauen im IT-Bereich steht.

Durchgeführt wurde die Umfrage vom 16. Oktober bis 1. November 2017. Teilgenommen haben 14.616 professionelle Entwicklerinnen (1.981) und Entwickler (12.635), die von HackerRank per E-Mail aus den rund 3,2 Millionen registrierten Nutzern ausgewählt wurden, außerdem wurde die Umfrage auf Social-Media-Seiten beworben.

Auch wenn noch immer ein großer Teil der programmierenden Menschen männlich ist, kommen langsam aber sicher immer mehr Frauen dazu. Das liegt wohl auch daran, dass sich immer mehr Frauen bewusst für einen Abschluss im Bereich Computerwissenschaften entscheiden. Die Altersklasse 35+ hat zu 55,9 Prozent ein Computer-spezifisches Fach belegte, zu 30,3 Prozent Naturwissenschaften und zu 13,8 Prozent sogar etwas ganz anderes gelernt. In der Kohorte der 18-24-jährigen haben schon 74,5 Prozent einen Computer-Schwerpunkt.

Viel deutlicher wird der schrumpfende Abstand zwischen männlichen und weiblichen Codern bei der Frage, wann Teilnehmerinnen und Teilnehmer angefangen haben zu programmieren. Im Alter von 35+ waren es 42 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen, die vor dem Alter von 16 angefangen haben, im Alter von 18 bis 24 sind es 13,9 Prozent der Frauen und 20,9 Prozent der Männer. Zwar fangen junge Menschen offenbar später an, sich mit dem Programmieren auseinander zu setzen, aber der Abstand zwischen den Geschlechtern ist von rund 20 Punkten auf nur noch sieben geschrumpft. Es gelten also immerhin ähnliche „Startbedingungen“.

Die größten Differenzen gibt es noch immer, wenn es um Jobs geht. So ist jede fünfte Frau über 35 noch immer Junioren-Entwicklerin, aber weniger als jeder zehnte Mann. Frauen sind in dieser Gruppe 3,5mal so wahrscheinlich noch Junioren. In den Altersklassen darunter sind die Unterschiede ähnlich groß. So sind 46,1 Prozent der Frauen zwischen 25 und 34 noch Junioren, aber nur 25,9 Prozent der Männer, die 1,8mal so wahrscheinlich schon Senior sind. Im Alter zwischen 18 und 24 ist die Verteilung in etwa gleich.

Wie haben uns auch schon mal umgehört – JAXenter „Women in Tech“-Umfrage 2017

Um einen besseren Einblick in das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der IT-Branche zu bekommen, hilft ein Blick auf unsere „Women in Tech“-Umfrage von 2017. Während in vielen Firmen die Hälfte der Belegschaft aus Frauen besteht, in manchen sogar ein noch größerer Teil, ist der Anteil der Unternehmen, die auch viele Frauen in der IT beschäftigen, ungleich geringer (siehe Grafik). Natürlich lässt sich das darauf zurück führen, dass die Zahl der weiblichen Programmiererinnen noch gering ist, aber man muss sich die Frage stellen, woran das wiederum liegt.

Charlie Gerard hat es im Interview mit JAXenter so ausgedrückt: „Ich hörte schon „Frauen sind nicht so gut in Technik, weil sie das nicht so sehr mögen“, während der Arbeit mit einem Kunden. Es kann entmutigend sein, sich selbst, seine Fähigkeiten oder seine Leidenschaft für Technologie beweisen zu müssen, aber man darf sich davon nicht abhalten lassen.“

Noch immer scheint es also das Klischee zu geben, dass Frauen in der IT-Branche nichts zu suchen hätten. Hier muss noch früher angesetzt werden, um Frauen zu verdeutlichen, dass sie dieselben Fähigkeiten und Möglichkeiten haben, wie Jungs. Geneva Lake hat es so zusammengefasst: „Dieses Phänomen hat seinen Ursprung historisch gesehen nicht erst beim Eintritt ins Berufsleben, sondern bereits in den Familien und Schulen. Klassischerweise wurden eher Jungen als Mädchen gefördert, MINT-Fächer zu studieren.“ Gleichzeitig sieht sie aber eine positive Entwicklung, wie sie betont: „Aber ich glaube, dass das Problem Erziehern und Eltern heutzutage eher bewusst ist. Sie bemühen sich daher, MINT auf der gesamten Bandbreite zu fördern.“

Wie dringend das zu sein scheint, verdeutlicht auch unsere WiT-Umfrage. Denn für fast ein Drittel der befragten Frauen war klar, dass ihr Geschlecht auf der Arbeit mindestens einmal Thema war (siehe Grafik). Was für Frauen aus dieser Gesamtlage folgt, zeigt die nächste Frage. Denn über 65 Prozent stimmen der Aussage, dass Frauen sich in der IT öfter beweisen müssen, zu.

Frauen gibt es in Unternehmen wie überall. Aber in IT-Abteilungen sind sie noch selten. Quelle: JAXenter „Women in Tech“-Umfrage.

Und weiter?

Der Graben zwischen den Geschlechtern ist noch immer groß, aber er wird kleiner. Ob es jetzt am persönlichen Mindset der Kollegen liegt, den Strukturen in Unternehmen oder vielleicht der Gesellschaft als Ganzes? Schwierig zu sagen, wohlmöglich ist es ein bisschen von allem. Aber das Gute daran: Es lässt sich auch überall ein bisschen was ändern. Beispielsweise, wenn Männer den Kolleginnen genauso viel zutrauen wie den Kollegen. Oder wenn Frauen auch nur nach ihren Leistungen, aber nicht nach ihrem Aussehen beurteilt werden. Oder, oder, oder… Geschlechtergleichheit ist ein gesamtgesellschaftliches Thema – sollte nicht gerade die IT-Branche, die schon so viele wichtige und grundlegenden Neuerungen in die Welt gebracht hat, auch hier voran gehen?

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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