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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Paulina Landes

Women in Tech – „Diversität im Team ist immer von Vorteil“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Paulina Landes, Kommunikations- und PR-Beraterin sowie Inhaberin von Mocial Sedia, Parketing & MR.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

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Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

Unsere Woman in Tech: Paula Landes

Heute erzählt uns Paula Landes,Kommunikations- und PR-Beraterin sowie Inhaberin von Mocial Sedia, Parketing & MR, ihre Geschichte. Die gelernte Außenhandelskauffrau für Medizintechnik studierte Literatur, Kunst, Medien und Wirtschaft (BA), sowie Kulturwissenschaft (MA) mit einem Schwerpunkt auf Medien und Film in Konstanz und Delhi, Indien. Die Referentin für PR und Social Media, schreibt auch für den Südkurier und leitet seit 2012 das Quartier Rhein-Main der Digital Media Women e.V. 2013 hat sich Paula selbstständig gemacht und bietet ihren Kunden seitdem Support in Sachen Social Media, Marketing und PR. Kein klassischer Techie-Beruf, aber lesen Sie selbst.

Für Paula definiert sich Tech aus allem, was netzbasiert ist. Bereits 2004 hatte sie ihr erstes Blog. Allerdings war der Weg zu ihrem heutigen Job dann doch nicht so geradlinig:

Vermutlich habe ich mir selber gelegentlich Steine in den Weg gelegt, aber Fehler zu machen halte ich für extrem wichtig. Denn nur aus eigenen Fehlern lernt man – wenn man nur auf Ratschläge hört und keine eigenen Strategien zur Problemlösung hat, steht man früher oder später dumm da. Daher lieber früher viele Fehler machen, Dinge ausprobieren, mutig sein. Wie man im Design Thinking sagt: “Fail early and often”.

Für mich gab es diverse Situationen, in denen ich einfach nur konstatieren konnte, dass ich jetzt eben noch etwas kenne, das ich nicht tun möchte. Also fand eine fortlaufende Reduktion meiner Möglichkeiten statt – rückblickend könnte man vielleicht sagen, dass die Selbstständigkeit eindeutig der Weg für mich ist und man das auch schon ablesen konnte – aber hey, Captain Hindsight.

Das Berufsbild, in dem ich heute aktiv bin, gab es zur Zeit meines Abiturs noch gar nicht. Hätte ich gewusst, was die Zukunft bringt, hätte ich mir vielleicht einige Umwege sparen können – aber andersrum habe ich so eine Vielfalt von Erfahrungen machen und meine Grenzen austesten können. Der Weg ist das Ziel!

Genau dieses Motto spiegelt sich auch in Paulas gesamter Einstellung zum Leben und zur Arbeit wider:

Ich bin meine Religion, ich glaube nur an mich und an sonst nichts. Es gibt viele Frauen, die ich bewundernswert finde und die tolle Dinge leisten – viele davon sind wie ich bei den Digital Media Women e.V. engagiert, arbeiten, haben eine Familie und sind nicht schüchtern sich und ihr Wirken auch publik zu machen.

Mein offizieller Titel ist Galactic President Superstar McAwesomeville bei Mocial Sedia, Parketing & MR – und genauso sieht mein Arbeitsalltag auch aus. Ich mache einen Haufen Dinge, die mir Freude machen: Texte schreiben, Grafiken und Logos erstellen, Content-Entwicklung, Community Management, Webseitenadministration, Strategien formulieren, Seminare halten. Dabei teile ich meine Zeit frei ein und mache meine Kunden sehr glücklich: für Startups, kleine und mittelständische Unternehmen liefere ich genau den Support in Sachen Social Media, Marketing und PR, der gerade gebraucht wird.

Allerdings ist nicht jeder so selbstbewusst wie Paula, weshalb es vielen Frauen oft schwerfällt, sich gerade in der Tech-Branche durchzubeißen. Vor allem gezielte Förderung fehlt viel zu oft.

Aus meiner Sicht fängt das Diversity-Problem schon in der Schule an, wenn nicht noch früher. Vielleicht ist das auch heute besser, aber die Informatik-AG an meiner Schule war keine Option – und dass es einen Zusammenhang zwischen Mathe und Informatik gibt, habe ich auch erst viel später gemerkt. Den Großteil meiner Tech-Kenntnisse habe ich mir irgendwie selber beigebracht, durch Ausprobieren und Tüfteln – aber es wäre auch ok gewesen, wenn ich Ansprechpartner gehabt hätte. Vielleicht wäre meine Studienwahl dann in eine andere Richtung gegangen und ich hätte zumindest im Nebenfach Informatik dazu genommen.

© Angelina Schweers, Das Fotoartelier

© Angelina Schweers, Das Fotoartelier

Oft merke ich auch heute noch auf Konferenzen, dass Frauen in bestimmten Themenfeldern unterrepräsentiert sind – aus verschiedensten Gründen: Sie werden nicht eingeladen, sie trauen sich nicht auf die Bühne oder es gibt „scheinbar“ keine Frau, die zu diesem Thema was sagen könnte. Initiativen wie speakerinnen.org oder die Speakerinnen-Datenbank der Digital Media Women e.V. helfen hier gerne.

Aber warum ist es denn überhaupt so wichtig, dass mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten? Paula hat eine klare Meinung dazu:

Generell ist Heterogenität bzw. Diversität innerhalb eines jeden Teams von Vorteil, da sich so der Grad der Kreativität und der Standpunkte erhöht. Es gibt Berge von Studien, die belegen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind als einheitliche. Der Bereich Tech/IT/Data ist eine zukunftsgerichtete Branche, in der immer noch ein immenses Potential liegt – und durch moderne Arbeits- und Familienmodelle stehen uns allen Möglichkeiten offen, Vorteile aus dem digitalen Wandel zu ziehen.

Laut einer aktuellen Studie dauert es noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung – und ich dachte eigentlich, dass meine Mutter diesen Kampf schon ausreichend bestritten hätte. Ich wuchs in dem naiven Glauben auf, dass das Engagement meiner Eltern für Gleichberechtigung, Frieden, Umweltschutz, etc. eigentlich schon genug war. Immerhin ist die Mauer gefallen, wir hatten mal einen grünen Außenminister und sowohl meine Mutter als auch meine Großmutter waren berufstätig, mein Vater hat Elternzeit genommen.

Aber die Dinge ändern sich nur sehr langsam, viel zu langsam. Warum muss ich als Mutter verheiratet sein, um Steuervorteile zu haben? Warum nimmt kaum ein Mann mehr als die zwei Standardmonate Elternzeit? Warum nehmen so viele Frauen gerne die Rolle der Mutter ein und hören auf zu arbeiten, auch wenn sie vorher extrem ehrgeizig und karriereorientiert waren?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen und auch keine Patentlösungen – aber ich versuche Vorbild für meine Tochter zu sein und vielleicht auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, auf Bühnen zu stehen und Frauen bei der Entscheidungsfindung zu helfen und ihnen Mut zu machen. Aber es geht nicht alleine – Männer und Frauen müssen gemeinsam eine Welt wollen, in der auf Augenhöhe ein Dialog stattfindet, der nicht nach dem Panel endet, sondern auch aktiv gelebt wird.

Damit das möglichst schnell Wirklichkeit und die Diversity-Debatte noch schneller Geschichte wird, hat Paula ein paar Tipps auf Lager:

Das Leben ist kein Ponyhof – es macht Sinn, sich zu informieren und Dinge auszuprobieren. Aus jedem Fehler kann man lernen – über die Sache, über sich selbst, über die Welt.

Geht los und macht euer Ding, lasst euch nicht reinreden, seid mutig, netzwerkt, wo ihr nur könnt, verbündet euch, kriegt Kinder, lest Bücher, hinterfragt die Dinge, macht einen Plan, werft ihn über den Haufen, seid neugierig, geht ins Ausland, lernt Sprachen, macht eine Ausbildung, geht zur Uni, gründet ein Startup, fahrt es an die Wand oder verkauft es, lernt Kulturen kennen, lernt programmieren, seid offen, folgt mir auf Twitter!

Der Diversity Check

Wir freuen uns, wenn Sie sich an der folgenden Umfrage beteiligen, die sich an Frauen und Männer richtet. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen zum Thema Diversität in IT-Unternehmen mit!

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
Kommentare
  1. Eduard2017-03-27 19:14:11

    "Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. "
    Wenn man alle Berufe, der hier vorgestellten Frauen miteinbezieht, kann man sicher nicht von dominiert sprechen. Erst wird suggeriert es gehe um Entwicklerinnen, Ingenieurinen oder Mathematikerinnen... , nur um dann Frauen vorzustellen, deren Positionen schon heute überwiegend von Frauen besetzt sind.

    Es war jetzt eine einzige Frau dabei, die wirklich direkt mit Technologie arbeitet. Alle anderen findet man sehr häufig in solchen Positionen in so gut wie jedem Internet Startup. Aber man ist eben auch kein Maschinenbauer, wenn man die Buchhaltung in einem Maschinenbau-Unternehmen macht.

    Wenn man mit solchen Artikeln junge Frauen dafür begeistert MINT zu studieren endet das eher in Frustration, weil das Bild der "Women in Tech" überhaupt nicht mit dem wirklichen Berufsbild nach einem MINT Studium übereinstimmt. Einfach mal an eine deutsche Universität gehen und bei Medieninformatik reinschauen. Die meisten Frauen, die sich darin verirren sind nach kurzer Zeit weg, weil man ihnen etwas vorgegaukelt hat, was nicht der Realität entspricht.

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