Interview mit Natalia Dorozala, Leiterin HR Communications bei Wire

Women in Tech: „Startups bringen ständig neue inspirierende Themen, durch die wir die Zukunft mitgestalten können“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Natalia Dorozala, Leiterin HR Communications bei Wire.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Natalia Dorozala


Natalia Dorozala leitet das Recruiting und den Bereich HR Communications bei Wire, der sicheren Plattform für private und berufliche Kommunikation. Bei Wire unterstützt sie zudem den DACH Marketing- und PR-Bereich und organisiert diverse IT Meetups und Events. Das Beste an ihrem Job ist für sie „der Moment, einem Bewerber zu verkünden, dass ich einen Job in unserem tollen Team für sie/ihn habe!“

 

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich habe während meines Studiums vier Jahre in Folge für die IFA gejobbt. Da kam ich viel in Berührung mit den angesagten technischen Innovationen und Visionen und lernte viele begeisterte und interessante Personen aus dem Umfeld kennen – die Begeisterung steckte offensichtlich an. 🙂

Mein Karriereweg drehte sich stets um den Bereich der Kommunikation. Während meiner Studiengänge (Bachelor in Medienwirtschaft mit Schwerpunkt auf PR und Kommunikation und Master in Internationalem Marketing und Brand Management) habe ich bereits sieben Praktika absolviert – von Radio bis TV, von KMU bis hin zum Konzern und Agenturnetzwerken. Ich habe während meiner Semesterferien Praktika in verschiedenen Bereichen absolviert, um zu schauen, was mir gefällt und liegt. Nach mehreren Jahren im frauenlastigen Lifestyle- und Beautymarketing, bin ich nun seit vier Jahren in der Tech-Personalkommunikation tätig.

Vorbilder und Antagonisten

Die Zeit mit positiven und inspirierenden Menschen zu verbringen, bringt viel mehr, als sich mit Stolpersteinen zu befassen.

Selbstverständlich hatte ich auch Vorbilder, besser gesagt ein ganz besonderes: In jeglicher Hinsicht immer meine Mama. 🙂

Ab und an wurden mir leider auch Steine in den Weg gelegt. Darunter waren unvorhergesehene Holpersteinchen, wie Umstrukturierungen, die mich zu neuen Wegen gezwungen haben, aber leider auch zwischenmenschliche Steinbrocken, die mich viel nachdenken ließen. Mein Erkenntnis war, meine Energie und Kraft nicht zu stark auf diese Steine zu lenken, sondern meine Zeit mit positiven und inspirierenden Kollegen und Menschen zu verbringen. Das bringt kurz- und langfristig so viel mehr, sowohl für einen selbst, als auch für die Teamarbeit und das Unternehmen.

Ein Tag in Natalias Leben

Ich bin seit vier Jahren bei Wire, der Plattform für private und berufliche Kommunikation, tätig. Bei Wire leite ich den Bereich Recruiting (80 Prozent Engineering) und kümmere mich um Themen wie Personalmarketing, Employer Branding, Universitätsmarketing, Tech/HR Events und helfe dem Marketing/PR Team, wenn deutschsprachige Unterstützung benötigt wird. Eine schöne und sehr menschliche Mischung aus Tätigkeiten in einem hochqualifizierten, internationalen Umfeld.

Meine Kenntnisse was das Programmieren selbst angeht, sind (bis auf die Pflege der Wire Jobseite über GitHub leider eher theoretisch. Ich lerne jedoch mit jeder neuen Bewerberin und jedem neuen Bewerber in meinen Interviews ein bisschen mehr dazu. Und wer weiß, vielleicht versuche mich in Zukunft ja doch nochmal an einer Programmiersprache aus… 😉

Herausforderungen und Hindernisse

Der mir am häufigsten begegnete Kritikpunkt ist die Kommunikation.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich zum Glück meistens eher Personen mit offenen Armen begegne, wenn es um „Women in Tech“ geht. Das ist vielversprechend und motivierend für Frauen, wenn sie wissen, dass nicht nur die Personaler, sondern gerade auch die Entwicklerteams sehr glücklich über weiblichen Teamzuwachs sind. Der mir am häufigsten begegnete Kritikpunkt ist die Kommunikation. Wir fördern hierbei sehr den ehrlichen Austausch miteinander: Wenn man sich missverstanden fühlt oder wenn einem jemand ins Wort gefallen ist oder einen nicht ausreden lässt, kommt das zur Sprache. Es ist nicht gut, wenn sich Unbehagen aufstaut. Ein offenes Ohr, regelmäßige, ehrliche und konstruktive Gespräche sind genauso wichtig wie Selbstreflexion – ob kurz beim Kaffee oder ausführlich beim Lunch oder Feierabendbier, dafür sollte immer Zeit bleiben.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der IT?

Ich habe auf Recruitingebene durchaus im Gegenteil das Gefühl, dass es immer mehr Frauen in Richtung Tech zieht. Allerdings sind viele meiner Bewerberinnen noch „Juniorinnen“. Ich rekrutiere derzeit jedoch viele Mid-Level und Senior Developer für Wire. In dem Bereich wird es dann hoffentlich in Zukunft – wenn die Juniorinnen weiterhin so interessiert sind und am Ball bleiben – mehr Frauen geben. Als Firma lohnt es sich aber durchaus auch, mehr Zeit in die Einarbeitung einer besonders motivierten Juniorin zu investieren – zugunsten der Diversity und Mitarbeiterbindung.

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Auch hier hat meine Erfahrung gezeigt, das Kommunikation der Knackpunkt ist. Denn Kommunikation und gegenseitiger Austausch sind in einem gemischten Team vielseitiger und effizienter.

Es wäre schön, wenn die Diversity-Debatte bald kein Thema mehr sein müsste. Aber ich glaube hier gibt es noch einige Herausforderungen, die immer mal wieder auftauchen und für neue Ansätze, Ideen und Emotionen sorgen werden. Wir entwickeln uns persönlich und im Bereich Tech stetig weiter. Somit werden auch immer wieder neue Debatten und Diskussionen aufkommen. Das muss nicht negativ sein – nur wenn wir Dinge stets hinterfragen, können wir uns auch verbessern.

Tipps & Tricks

Startups bringen ständig neue inspirierende Themen, durch die wir die Zukunft mitgestalten können.

Einfach ausprobieren! Es gibt so viele hilfreiche, regelmäßige Meetups, Lerngruppen, Foren und Netzwerke. Besonders die Energie, die einem die Startups der Tech-Szene liefern, verleihen nie das Gefühl der Langeweile. Viel eher bringen diese Startups ständig neue inspirierende Themen, mit denen wir die Zukunft mitgestalten können! Und es gibt so viele wunderbare und hilfsbereite Kollegen, die sich freuen, wenn wir Frauen ehrliches Interesse für Tech zeigen. Mit so einem motivierenden Mentor oder eine Mentorin an der Seite, gibt man auch nicht so schnell auf, egal ob Tech-Neuanfang oder -Quereinstieg.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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