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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Monika Schnizer

Women in Tech – „Frauen verbinden mit Tech nichts Kommunikatives“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Monika Schnizer, Senior Software Developer bei Fujitsu.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

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Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

Unsere Woman in Tech: Monika Schnizer

Heute erzählt uns Monika Schnizer, Senior Software Developer bei Fujitsu und Leiterin des Open Source Clearing House, ihre Geschichte. Monika leitete neun Jahre ein Software-Entwicklungsteam im Bereich Server- und Datenzentrumsüberwachung und hat 30 Jahre Erfahrung als Software-Entwicklerin bei Siemens, Fujitsu-Siemens und Fujitsu. Sie hat einen Abschluss in Mathematik mit Schwerpunkt Informations- und Datenverarbeitung von der Technischen Universität Graz. Seit Juli 2015 leitet Monika den Bitkom Arbeitskreis Open Source.

Bereits in der Schulzeit entstand Monikas Interesse für Tech:

Zu Beginn des Gymnasiums habe ich mich sehr für Naturwissenschaften und Technik interessiert. In der Mittel- und Oberstufe wurde mein anfängliches Interesse mehr und mehr durch die Leidenschaft für Musik überdeckt. Ausschlaggebend dafür, mich wieder intensiver der Technik zuzuwenden, war ein Gespräch mit meinem Vater über die Informatik, die in den 70er-Jahren gerade an den Hochschulen aufkam.

Meine Eltern haben ihr eigenes Technikinteresse ganz selbstverständlich an mich und meine Geschwister weitergegeben, indem sie uns z. B. erklärt haben, wie technische Geräte wie etwa Kamera, Lichtschalter und Wetterstationen funktionieren.

Gerade dieses Vorleben bestärkte Monika dann in ihrer Studien- und Berufswahl:

Nach dem Gymnasium entschied ich mich für ein Studium der technischen Mathematik mit Schwerpunkt Informatik, das ich mit verkürzter Studienzeit erfolgreich abschloss. Danach ging ich für einen zweijährigen Studienaufenthalt nach Japan, während dem ich auch Grundkenntnisse der japanischen Sprache erwarb.

Nach dem Studium fand ich in meinem Heimatland Österreich einen Job als Software-Entwicklerin bei Siemens. Diese Tätigkeit füllte mein Berufsleben 30 Jahre lang aus, einschließlich eines Wechsels ins Nachbarland Deutschland – zuerst bei Siemens, danach bei den Rechtsnachfolgerfirmen Fujitsu Siemens Computers und Fujitsu. Seit drei Jahren berate ich nun die Software-Entwicklung zum korrekten Umgang mit Open-Source-Lizenzen.

Ihr Arbeitsalltag hat mittlerweile wenig mit dem zur Zeit der Software-Entwicklung gemein. In den letzten drei Jahren sieht er vielmehr wie folgt aus:IMG_4517

Zusammen mit der Rechtsabteilung interpretiere ich die Lizenzen von Open-Source-Software und stelle Empfehlungen für die Umsetzung der Verpflichtungen auf. Die Kollegen im Clearing House vertreten jeweils einen Entwicklungsbereich und prüfen für ihren Bereich, ob eine Open-Source-Komponente eingesetzt werden darf. Ich berichte dem Management der Entwicklungsbereiche.

Bei der Analyse der konkreten Nutzung von Open-Source-Software ist meine jahrzehntelange eigene Entwicklungserfahrung unabdinglich, da in die Interpretation der Lizenz im konkreten Einsatzfall nicht nur rechtliche, sondern auch technische Aspekte einfließen. Zum Thema Open Source und Open Source Compliance wurde mir von der Firma die Möglichkeit zur Teilnahme an externen Arbeitsgruppen eingeräumt. Das brachte mir sehr viele neue Erkenntnisse. Seit Juni 2015 leite ich die Bitkom Arbeitsgruppe Open Source, eine gänzlich neue Erfahrung und einmalige Chance.

Selbstverständlich hat Monika in 30 Jahren Software-Entwicklung aber auch sehr viel und gerne entwickelt, sowohl im Unix-/Linux-Umfeld als auch auf Windows.

Mein Lieblingsprojekt war ein Download-Manager, mit dem automatisch die aktuellen Stände von Treibern, Firmware, Management-Software vom Firmenserver auf dem Kundenserver bereitgestellt werden können. Die Entscheidung zur Installation verbleibt jedoch beim Kunden.

Das Design und die Entwicklung des Herzstückes, des sogenannten Daemons, habe ich umgesetzt. Für die Ermittlung der bereits installierten Treiber sowie die zeitliche Steuerung und das graphische Benutzerinterface habe ich auf Komponenten der Serverüberwachungs-Software zurückgegriffen, von der der Download-Manager als Bestandteil implementiert ist.

Das Projekt erforderte eine gründliche Einarbeitung in die zugrunde liegenden Protokolle, viele Überlegungen zur Wiederaufsetzbarkeit, wenn eine Aktion nicht vollständig abgeschlossen werden kann. Der Download-Manager wurde von den Kunden sehr positiv aufgenommen.

Monika kann also auf eine ziemlich geradlinige Karriere im Tech-Bereich zurückblicken; sie hat sich in der Männerdomäne Tech durchgesetzt. Eine wirkliche Erklärung dafür, warum so wenige Frauen in der Branche arbeiten, hat sie dann auch nicht:

Ich kann nur mutmaßen: Mädchen und Frauen lassen sich von der angenommenen technischen Überlegenheit der Jungen und Männer verunsichern, sodass sie erst gar kein technisches Studium beginnen. Dieser Umstand wird dadurch erschwert, dass Mädchen in ihrer praktischen Auseinandersetzung mit Tech den Jungen meist hinterherhinken.

Und nicht zuletzt verbinden nur wenige Frauen mit Tech soziales oder kommunikatives Engagement. Genau darin sehe ich einerseits einen Irrtum und andererseits für Frauen besondere Chancen, ihre Fähigkeiten zu bündeln.

Auch heute traut man Frauen für eine verantwortungsvolle Position in der Tech-Industrie immer noch wenig zu. Insbesondere in den frühen Berufsjahren benötigen Frauen Chancen, einerseits ihre fachlichen Fähigkeiten zu vertiefen und andererseits eine Karriere einschließlich Managementverantwortung aufzubauen.

Allerdings ändert sich langsam, aber sicher etwas:

Ich denke, dass viele Männer heute auch Frauen technische Fähigkeiten zutrauen. Dennoch finden sich immer wieder Exemplare, die zuerst einmal einer Frau diese Fähigkeiten nicht zugestehen. Das wirkt sich in Überlegenheits- und Machtspielen aus, schadet den gemeinsamen Arbeitsergebnissen und wirkt wie Sand im Getriebe.

Die Bedeutung von Tech steigt weiterhin an – insbesondere wenn wir an die Digitalisierung denken – und gestaltet unsere Gesellschaft, unsere Interaktionen, unser Arbeitsleben um. Wir Frauen sollten hier mitgestalten. Tech-Kenntnisse werden mitentscheiden, welchen Anteil Frauen an den Wirtschaftsgewinnen haben werden.

Um sich als Frau in der Tech-Branche zu etablieren, bedarf es einiger Durchsetzungskraft:

Man darf sich nicht irritieren lassen, wenn männliche Kollegen ihre eigene Arbeit anpreisen. Sie lassen die ganz natürlichen Holprigkeiten zuerst einmal aus, nicht wie Frauen, die oft sogar mit diesen beginnen.

Zudem selbst-bewusst und selbst-reflexiv sein, das eigene Schicksal mitgestalten. Außerdem muss man von Anfang an darauf achten, dass die Bedürfnisse nach sozialen Kontakten und Hobbies nicht zu kurz kommen, also die heute so viel beschworene Work-Life-Balance stimmt.

Die Arbeit in der Tech-Branche ist aufregend, spannend, und erlaubt Kombinationen mit anderen Interessen, von Musik über Lehre bis zu Medizin. Ich denke, dass Frauen mit Gestaltungswillen und Eigeninitiative in dieser Branche sehr erfolgreich sein können. Auf Konferenzen werde ich bereits von Mitarbeitern von Tech-Firmen angesprochen, ob ich vielleicht Frauen kenne, die an einem Tech-Job interessiert wären. Die Chancen für Frauen stehen gut!

Der Diversity Check

Wir freuen uns, wenn Sie sich an der folgenden Umfrage beteiligen, die sich an Frauen und Männer richtet. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen zum Thema Diversität in IT-Unternehmen mit!

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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