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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Helen Beal

Women in Tech: Du wirst nicht genommen, weil du gut bist, sondern weil du eine Frau bist

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Helen Beal, Head of DevOps bei Ranger4.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech

Helen Beal verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Tech-Industrie. Ihr Fokus liegt auf dem Software Development Lifecycle für eine Fülle an industrieübergreifenden Unternehmen in UK und international. Helen ist von DevOps begeistert und Gründerin der Ranger4 DevOps LiftOff Workshops und der Ranger4 DevOps Maturity Assessments. Sie ist außerdem Gewinnerin des IBM Beacon Awards 2015 für „Outstanding DevOps Solution“. Helen hat die Ranger4-Initiative #DevOpsFriday gestartet und ist Mitglied des Boards of Regents beim DevOps Insitute. Sie ist Romanautorin und Umweltschützerin.

Als Helen sieben Jahre alt war brachte ihr Vater einen ZX81 nach Hause, einen der frühen Heimcomputer von Sinclair. Der ZX81 war ein nettes kleines Gerät, mit seinen flachen Tasten und der eingebauten Tastatur. Er war um einiges ruhiger als das Gerät, das ihr Vater als nächstes nach Hause brachte: den Amsterdam CPC464. Dieser hatte ein Kassettenlaufwerk in die Tastatur integriert, das man dazu nutzen konnte, Spiele zu laden oder Code zu speichern. Noch heute kann sie es quietschen hören.

Meine Lieblingsbeschäftigung war es „I am cool“ zu coden und es unendlich über den Bildschirm laufen zu lassen. Der Computer hatte große, klobige Tasten in leuchtenden Primärfarben. Ich hatte Magaziner voller Code, den ich pflichtgetreu abgetippt und so meine eigenen Spiele geschrieben habe.

Helens Karriereweg

Gehen wir von meiner Kindheit ein paar Jahre in die Zukunft als ich Englisch und Englische Literatur studiert habe. Ich war frustriert, weil es einige Kurse gab, die ich nicht belegen wollte. Dann habe ich einen Kurs gefunden, der „English and Computing“ hieß und mir gefiel. Es war 1992 und wir lernten alles über Hyperlinks und wie man Texte parst, um zu beweisen, dass Shakespeare seine Stücke gar nicht geschrieben hat, sondern Bacon! Um mein Studium zu finanzieren habe ich an den Wochenenden und in den Ferien gearbeitet. Ich habe viel Zeitarbeit gemacht und landete in einigen Tech-Unternehmen.

Ich habe außerdem ein Microsoft-Access-basiertes CRM für das Katzenheim geschrieben, für das ich viel arbeitete, wenn ich Zuhause war. Ich habe in einem Sommer viel Datenerfassung auf 286ern gemacht, die nicht schneller waren als man mit den Fingern tippen konnte. Wir haben die Verkaufszahlen von Farbdosen eingetragen und von Magazinen, die an Tankstellen verkauft wurden, inklusive BBCs Gardener’s World und schlüpfrigen Titeln wie Knave und Jester. Direkt nachdem ich meinen Abschluss hatte, habe ich ein zweiwöchiges Zeitarbeitsangebot bei einer Firma angenommen, die US Robotics hieß. Ich habe Menschen angerufen, die deren Stand auf einer Konferenz besucht haben. Sie mochten mich und ich mochte sie, also war der Plan, dass ich dort fest angestellt werde. Nach 18 Monaten, jeweils sechs im Support, im Sales und im Marketing, würden wir entscheiden, was mir am besten gefällt. Während sie dann dabei waren die Zusage aus den US zu bekommen, habe ich einen zweiwöchigen Vertretungs-Job als Administrator bei Lotus angenommen, direkt nachdem sie von IBM gekauft wurden. Ich habe beschlossen, das Lotus Notes viel interessanter ist als Modems in einem Schrank und blieb dort einige Jahre.

Lesen Sie auch: Alle Teile der Women-in-Tech-Reihe

Vorbilder

Ich denke, ich habe bereits meinen Vater voll und ganz dafür die Schuld gegeben mir Computer näher gebracht zu haben. Ich hätte erwähnen sollen, dass ich einen Bruder habe, der ein Jahr über mir in der Schule war. Wir hatten viele gemeinsame Interessen und ich bin mir sicher, dass Computerzeit eine der Gründe für Streit war. Ich glaube, ich erinnere mich daran, dass wir beide auch zusammen auf dem Computer gespielt haben und gelernt haben zu teilen.

Ich habe ein paar Vorbilder, aber nicht wirklich welche in der Tech-Welt. Es sind Leute wie Gerald Durrell und David Attenborough. Ich glaube, das sind Menschen, die Leitbilder brechen und das Teilen von Gedanken fördern.

Wenn du beim ersten Mal keinen Erfolg hast, versuche es wieder und wieder.

Ich erinnere mich, dass die erste Person, die ich nach einem Job bei IBM gefragt habe, Nein gesagt hat. Um fair zu sein, ich war erst einige Wochen dort und nur auf Zeit. Als ich es das nächste Mal versucht habe, war dort der tolle Kerl Terry Burt und die brillante Sales Director Shelagh Ashley, die Terrys Plan mich vom Administrator zum Account Manager zu befördern von ganzem Herzen unterstützte. Hurra!

Ich habe mich riesig gefreut. Raus aus der Universität und direkt ein Job bei IBM. Wenn man in Betracht zieht, dass ich nicht wirklich wusste, was ich mit meinem Abschluss in Englisch anfangen sollte – ich wollte nicht Journalistin werden, nur Schriftstellerin – hat mein Plan auf Zeit zu arbeiten und zu schauen, was passiert, wunderbar funktioniert.

Ein Tag in Helens Leben

Zurzeit bin ich DevOpsologist bei Ranger4. Den Jobtitel habe ich mir ausgedacht. Es ist mehr eine Beschreibung für das, was ich mache: Ich erforsche den ganzen Tag DevOps. Mir gehört auch ein Teil des Unternehmens und weil wir recht klein sind, hat jeder mehrere Verantwortlichkeiten. Die meiste Zeit bin ich mit Kunden beschäftigt: Ich berate (Assessment, Coaching, Wertstromanalyse, Implementierung von Tools) und gebe Trainings. Ich spreche außerdem auf vielen Events und mache Web- und Podcasts. Ich schreibe Blogposts, helfe dem Marketing und ich administriere ein paar der Systeme im Unternehmen wie Salesforce, E-Mails und HubSpot. Ich bin viel in London aber reise auch viel in in den letzten Jahren, in die USA, nach Deutschland, Dänemark, in die Schweiz, die Ukraine. Es ist irre.

Wenn es um die Diskussion rund um Frauen in der Tech-Branche geht, glaubt Helen…

Als ich 1995 bei IBM angefangen habe, waren dort viel mehr Männer als Frauen. Aber das hat mich nicht sonderlich gekümmert, weil ich immer schon viele männliche Freunde hatte und denke, dass Männer allgemein ziemlich cool sind. Außerdem dachte ich, dass sich das ändern würde. Aber das tat es nicht.

Ich glaube, dass bei meinem Job tatsächlich sogar weniger Frauen um mich herum sind als vor 20 Jahren. Es gibt viele Gruppen und Bewegungen, die versuchen, das zu ändern. Ich würde sagen, es geht um die Wahrnehmung und Stereotypen und dass sich Menschen unwohl fühlen, wenn sie in der Minderheit sind. Ich glaube nicht, dass irgendjemand bestreitet, dass mehr Frauen im MINT-Bereich eine gute Sache wäre.

Haben es Frauen einfacher als Männer?

Als ich im Verkauf gearbeitet habe, haben ein paar meine Kollegen gesagt, dass es einfacher für Frauen ist als für Männer, weil die meisten Kunden männlich waren und lieber mit den Frauen gesprochen haben. Ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich zu dieser Behauptung stehe. Objektiviert es uns? Was sagt es über die Meinung von Männern untereinander aus?

Es gab mir das Gefühl, dass ich meine Anstrengungen verdoppeln musste, um respektiert zu werden und es wurde impliziert, dass sie einfach nur eine gut aussehende Frau um sich haben wollten. Es ist seit den neuen Anti-Korruptions-Gesetzen nicht mehr so verbreitet, aber es ist schwer Mehrwert zu generieren, wenn die Unterhaltung von Kunden vor allem auf dem Golfplatz, Sportveranstaltungen oder sogar Strip Clubs stattfindet. Momentan denken Menschen, dass ich eher einen Speaker Slot auf einer Konferenz bekomme, weil ich weiblich bin und es so wenige Frauen gibt. Das ist hart. Die Folgerung ist: „Es geht nicht darum, dass du gut bist, sondern dass du weiblich bist.“

Mich bringt es dazu mich noch mehr anzustrengen und die beste Sprecherin zu sein, die ich sein kann. Ich sage also nichts Neues: Es ist härter für Frauen, und wir müssen härter arbeiten, um zu bleiben, während uns einige Männer sagen, es wäre einfacher. Aber ich muss relativieren, dass die meisten Männer, mit denen ich zusammenarbeite, mir dieses Gefühl niemals geben.

Die Kultur, in der wir leben, fördert die Geschlechterproblematik.

Jedoch muss ich auch sagen, dass die Kultur, in der wir leben, dieses Geschlechterproblematik fördert. Neulich war Internationaler Weltfrauentag und obwohl ich das Konzept unterstütze, möchte ihn ein Teil von mir ignorieren und so tun als wäre alles OK. Aber ich habe einen Blogbeitrag mit dem Bild eines Cocktails gesehen, der direkt zu den Probleme mit Kinderbetreuung sprang. Ich muss zugeben, ich bin in der „Luxussituation“ keine Kinder zu haben. Aber wenn ein Mann einen Blogbeitrag mit dem Bild eines Martinis beginnt und einem Kommentar zu Babysittern endet? Das ist ein Teufelskreis, der Stereotypen fördert.

Ich habe mich zu Zeiten unwohl gefühlt, mich als Feministin zu identifizieren und bevorzuge Begriffe wie Egalitaristin. Es gibt viele brillante Frauen, die tolle Arbeit machen und weiter um Gleichstellung kämpfen, was alles ist was Feminimus meiner Ansicht nach fordert. Ich ziehe den Hut vor Catlin Moran für ihr brillantes Buch How to Be a Woman, oder der grandiosen Emma Watson mit ihrer HeForShe-Kampagne. Ein Freund machte mich auf einen TED Talk der unglaublichen Sandi Toksvig aufmerksam. Meine Lieblingsstelle ist, wenn sie darauf hinweist, dass sieben der top 100 Unternehmen in den UK von Frauen geführt werden – und 17 von Männern namens John.

Die Tech-Branche ist unglaublich bereichernd, voller schlauer Menschen. Man hat keine Ausrede gelangweilt zu sein. Lass dich von den fehlenden Frauen nicht demotivieren. Tu einfach dein Bestes und vertraue auf die Kraft deines Gehirns.

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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