Heute im Interview: Gemma Allen, Consulting Systems Engineer bei Barracuda Networks

Women in Tech: „Jede neue Ausbildungsgeneration in technischen Berufen oder Studiengängen sollte einen höheren Frauenanteil haben“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Gemma Allen, Consulting Systems Engineer bei Barracuda Networks

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Gemma Allen

Gemma Allen ist Consulting Systems Engineer bei Barracuda Networks.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Im Gymnasium wurde uns das Arbeiten am Computer beigebracht. Das fand ich so interessant, dass ich meine Eltern bat, mir einen PC zu kaufen. Später bezahlte ich die Kosten für den Internetzugang und lernte, wie man Soft- und Hardware aufrüstet, denn niemand sonst in meiner Familie hatte Erfahrung mit Computern.

Ich hatte Glück. Als ich noch auf dem College war, wurde mir von einem Freund meiner Familie, der einen Desktop-Supporttechniker brauchte und der wusste, dass ich Computer liebe, ein Job angeboten. Ich habe wohl viel Glück gehabt, denn ich schaffte es, meine Informatikkenntnisse zu erweitern und die nächste IT-Tätigkeit problemlos zu finden, sodass ich meine Fähigkeiten weiterentwickeln konnte. Klingt erfreulich langweilig, aber ich kann mich nicht erinnern, irgendwelche Hindernisse auf meinem Weg gehabt zu haben. Ich habe mich darauf konzentriert, mit allen meinen Fähigkeiten zu arbeiten und geschaut, wohin mich das führt.

Die Herausforderungen liegen eher darin, wie Frauen es künftig wahrnehmen werden, in einer von Männern dominierten Umgebung zu arbeiten.

Ein Tag in Gemmas Leben

Meine Arbeit bei Barracuda ist äußerst abwechslungsreich: Von Webinaren über Proof of Concepts sowie die Entwicklung kundenspezifischer Lösungen und entsprechende Trainings ist so ziemlich alles dabei. Ich genieße die direkte Zusammenarbeit mit unseren Kunden, da gibt es immer etwas Neues zu lernen. Die passende, funktionierende Lösung für die Anforderungen der Kunden zu finden, motiviert mich am meisten.

Vorbilder und Förderer

Meine Familie hat mich immer unterstützt – vom Kauf meines ersten Computers, bis hin zur Ermutigung, das zu tun, was ich für richtig hielt. Mir wurde immer gesagt, ich könne tun, was immer ich wollte, also nahm ich mir das zu Herzen.

Hindernisse auf dem Weg

Als ich auf der Suche nach meinem zweiten Job war, erinnere ich mich an eine Bewerbung als Server Engineer. Zwar bekam ich den Job. Allerdings meinte man, dass man sich nicht wohl dabei fühle, mir diese Stelle, die viel reisen erfordere, anzubieten. Ich war eine junge Frau und man traute mir die Aufgabe nicht wirklich zu, also bot man mir eine Bürotätigkeit im technischen Support an. Das war wirklich die einzige Situation, in der ich das Gefühl hatte, ich hätte meine Fähigkeiten nicht ausschöpfen können. Ich habe mich schließlich dagegen entschieden und meine andere Stelle gefunden. Dort konnte ich schließlich meine Fähigkeiten mit den geforderten Aufgaben in Einklang bringen.

Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen Revue passieren lasse, hatte ich relativ wenige Situationen, die ein Mann nicht bewältigen musste. Aber vielleicht habe ich auch nur ein dickeres Fell und habe sie nicht bemerkt. Gelegentlich trifft man schon mal auf jemanden, der sich nicht vorstellen kann, dass ich eine technische Aufgabe innehabe oder der lieber mit einem Mann sprechen möchte, aber das ist in meinem Umfeld tatsächlich selten. Ich denke, die Herausforderungen liegen eher darin, wie Frauen es künftig wahrnehmen werden, in einer von Männern dominierten Umgebung zu arbeiten. Ich kann nicht behaupten, dass ich jemals eine Ungleichbehandlung zu männlichen Kollegen erfahren habe. Wir müssen unsere jeweiligen Fähigkeiten in unserer Positionen verstehen.

Worauf bist Du besonders stolz?

Tatsächlich auf meine bisherige Karriere. Ich habe meine berufliche Entwicklung vom Junior- zum Senior-Level aufgrund meiner Fähigkeiten gemacht. Und meine derzeitige Aufgabe sowie das gesamte Arbeitsumfeld macht mir einen riesigen Spaß.

Während meiner Ausbildung gab nur sehr wenige Mädchen in den Klassen, in denen ich war

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

„Tech“ als Karrierelaufbahn gibt es noch nicht wirklich lange und in gewisser Weise ist der Fortgang parallel zur Gleichstellung der Geschlechter in den Tätigkeitsfeldern. Sicherlich wurden Mädchen während meiner Ausbildung nicht von den Technikfächern abgeschreckt, aber es gab nur sehr wenige Mädchen in den Klassen, in denen ich war. Ich denke, dass ein fehlendes Selbstvertrauen der Frauen sie teilweise abgehalten hat. Es erfordert schon in der Schule ein Maß an Selbstbewusstsein, seine Freunde zu verlassen und in einer Klasse als einzige Frau zu sitzen. Seit einigen Jahren gibt es erfreulicherweise mehr positive Anreize, sich mit Technik zu beschäftigen. Ich denke, dies wird diejenigen Frauen dabei helfen, die wohl das technische Talent besitzen, aber nicht ausreichend Vertrauen haben, sich in dieses Umfeld zu begeben.

Die Zukunft im Blick

Sicherlich gebe es längere Warteschlangen an der Damentoilette, dass dies momentan nicht der Fall ist, genieße ich schon. 😉 Aber ernsthaft, ich denke, dass eher Veränderungen, wie beispielsweise das Arbeiten von jedem beliebigen Ort aus, mehr Einfluss haben werden. Vielleicht werden diese Veränderungen dazu beitragen, Frauen zu ermutigen, mehr in technische Berufe zu drängen, da sie flexibler sein können, beispielsweise, wenn Kinder da sind. Was aber nicht heißen soll, dass Männer diesbezüglich ebenso engagiert sein sollten. Arbeiten außerhalb des klassischen Büros mit mehrheitlich Männern kann ebenso helfen, Frauen zu ermutigen, mehr technische Berufe zu wählen…

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Im Idealfall sollte jede neue Ausbildungsgeneration in technischen Berufen oder Studiengängen einen höheren Frauenanteil haben. Ich glaube jedoch nicht, dass spürbare Ergebnisse sofort sichtbar sein werden. In der Gesellschaft braucht jeder Wandel Zeit und muss auf den Einfluss der vorangegangenen Generation aufbauen. Wenn ich meine berufliche Zeit heranziehe, gibt es mittlerweile deutlich mehr Frauen in den Technikbereichen – es geschieht also etwas und die Situation verbessert sich Jahr für Jahr.

Tipps & Tricks

Vielleicht ist das etwas naiv, aber mein Rat an Frauen, die eine Karriere in technischen Berufen anstreben, ist, das zu tun, was immer sie wollen. Sei gut in dem was du tust. Habe Vertrauen in Dein Wissen und die meisten Menschen werden dich unabhängig vom Geschlecht respektieren. Nicht alle Männer in der Technik sind gegen Frauen. Und die Tätigkeit in einer Männer dominierten Abteilung ist nicht grundsätzlich eine schlechte Sache. Jede berufliche Laufbahn hat ihre Herausforderungen und Hindernisse. Warte nicht ab, sondern stell Dich ihnen und überwinde sie.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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