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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Claudine Oldengott

Women in Tech – „Frauen müssen selbstbewusster werden“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Claudine Oldengott, Geschäftsführerin der Smart Urban Solutions GmbH.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

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Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

Unsere Woman in Tech: Claudine Oldengott

Heute erzählt uns Claudine Oldengott, Geschäftsführerin der Smart Urban Solutions GmbH, ihre Geschichte. Nach einem Studium der europäischen Betriebswirtschaft an der Technischen Hochschule Regensburg und der Ecole Supérieure de Commerce La Rochelle, machte sie ihren Master in International Business an der Hult in London. Währenddessen absolvierte sie verschiedene Praktika und entschied sich schließlich, ein IoT-Startup zu gründen.

claudine oldengott

Dass Claudine einmal selbst in der Tech-Branche arbeiten würde, war nicht von vorneherein klar. Doch manchmal kommt es eben anders als man denkt:

Meine Mutter ist mit 18 Jahren aus dem Iran nach Berlin zum Studieren gekommen und hat Elektrotechnik studiert – mit einem Männeranteil von 95 Prozent. Sie ist für mich ein großes Vorbild und hat mir stets Mut gemacht, meinen Weg zu gehen. Auch mein Vater hat mich sehr unterstützt, da er selbst Unternehmer ist und eine Firma mit 30 Mitarbeitern führt.

Während meines Masters in International Business habe ich dann zwei Monate in San Francisco studiert und bin dort intensiv mit Tech-Startups in Kontakt gekommen. Zuvor habe ich schon viel im Ausland studiert und Praktika gemacht, z. B. bei der Commerzbank im Corporate Banking in Hong Kong. Der ursprüngliche Plan war allerdings, dass ich nach meinem Abschluss erstmal Erfahrungen in Unternehmen sammle.

Es kam jedoch alles anders: Bei einem Spaziergang mit meinem Nachbarn (erfahrener Unternehmer) berichtete ich ihm von der Idee der Fahrradboxen (velo easy). Er hat ein großes Netzwerk in der Berliner Tech-Szene und konnte mir viele Kontakte vermitteln. Spätestens zu dem Zeitpunkt wurde klar: Wir gründen ein Startup im IoT-Bereich.

Nur knapp vier Monate nach ihrem Master-Abschluss wurde Claudine so zur IoT-Gründerin.

Ich bin jetzt Geschäftsführerin der Smart Urban Solutions GmbH und bin für den Vertrieb, Marketing, Kommunikation und Partnerschaften verantwortlich. Allerdings bin ich keine Entwicklerin: Die Software hat die Softwareagentur bytepark entwickelt. Das Herzstück ist u. a. auch die Technologie – es gibt viele Anwendungsfälle, wie unser zweites großes Projekt easy locker. Dabei handelt es sich um smarte Schließfächer, die als Austauschpunkt für Schlüssel, Pakete etc. dienen. In Kooperation mit der Deutschen Bahn digitalisieren wir die Schließfächer an den Bahnhöfen. Das erste Pilotprojekt starten wir im Februar an Berliner Bahnhöfen.

Dass sich Mut zur Lücke durchaus lohnen kann, beweist Claudine so. Auch wenn das eigene technologische Know-how auf den ersten Blick nicht ausreichen mag, hilft eine Leidenschaft für das, was man tut:

Wenn man im digitalen Bereich gründet, braucht man eine Art technisches Verständnis oder eine Leidenschaft für digitale Themen. Es ist jedoch nicht notwendig ist, alles selbst zu können. Das kann man als Gründer eh nicht. Man braucht immer Mitarbeiter oder Experten in seinem Team. Die Gewissheit, dass man nicht unbedingt das technische Verständnis braucht, um zu gründen, ist wichtig dafür, dass mehr Frauen im Tech-Bereich gründen. Denn die Hälfte aller Internetnutzer ist weiblich. Wer nicht weiß, wie Frauen denken, leben, online gehen, versteht also die Hälfte des globalen Marktes nicht.

Mehr Frauen sollten im Tech-Bereich gründen, so Claudine. Warum das so wichtig ist?

Der Frauenanteil in der eigenen Firma ist eine essentielle Strategie an die unvorhersehbare Zukunft und deshalb nicht weniger als eine Überlebenstaktik. Frauen haben die Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten wahrzunehmen und adäquat zu reagieren. Das ist sehr wichtig, wenn man ein größeres Team leitet. Ich glaube, Frauen versuchen eher in der Gruppe eine Lösung zu finden. Also im Dialog. Männer neigen dazu, sich mit einem Kollegen hinzusetzen und ihm zu erklären, was sie für richtig halten und dann machen sie es. Gerade im Abwägen von unterschiedlichen Perspektiven/Sichtweisen sehe ich da bei Frauen mehr Potential.

Sicherlich wollen sie mit ihrem Produkt auch Geld verdienen, aber was Frauen tendenziell weniger machen, ist zu gucken: „Wie sieht der Markt aus?“, „Wo gibt es die Lücke?“ und „Wie kann ich damit Geld verdienen?“ Ich selbst hätte nie gegründet, nur um zu gründen. Für mich war es wahnsinnig wichtig, dass es ein Thema ist, auf das ich Lust habe. Und dann hat das Thema eher dazu geführt, dass ich gegründet habe – und nicht andersrum.

Dementsprechend ist es für Claudine besonders wichtig, Mädchen möglichst früh zu fördern:

Von selbst ändert sich wenig. Dafür müssen Frauen selbst etwas tun und fordernder, mutiger und selbstbewusster werden – ich bin z. B. nicht für eine Frauenquote. In der Schule sollte den Mädchen früh die Vielzahl der Möglichkeiten veranschaulicht werden, wenn man eine Karriere in der MINT-Branche einschlägt.

Ich zum Beispiel tausche mich bis heute mit sehr vielen Gründerinnen und Gründern aus. Da war mir das Geschlecht meist relativ egal. Mir hat es geholfen – unabhängig vom Geschlecht – und es hat mich immer stark inspiriert. Ich würde jedem raten, der in der Tech Branche arbeiten will, sich mit Leuten auszutauschen, die den Weg schon gegangen sind.

Der Diversity Check

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Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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