Der Weg in die Cloud für ganze IT-Unternehmenslandschaften

Wolkig mit Aussicht auf Einsparungen

Rainer Koppenhofer, Bernd Rederlechner und Detlev Uhlenbrock

Nicht nur aufgrund von Sicherheitsbedenken zögern viele CIOs damit, ihre IT auf Cloud-Technologien umzustellen. Sie müssen befürchten, ihren IT-Betriebsausgaben einen weiteren Kostentreiber hinzuzufügen. Versteht man Cloud Computing jedoch als Werkzeugkasten für die Modernisierung von Anwendungslandschaften, so lichten sich die dunklen Wolken und geben die Aussicht frei auf eine moderne, verständliche und sichere IT mit mehr finanziellem Spielraum für Geschäftsverbesserungen.

Obwohl sich die Unternehmen nach und nach von der Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 erholen, bleiben die IT-Budgets nahezu konstant oder wachsen bestenfalls nur geringfügig [1]. Trotz der Krise und den damit verbundenen Kürzungen bleiben die jährlichen IT-Kosten hoch, und immer noch sind rund 50 Prozent des jährlich zur Verfügung stehenden Geldes fest verplant, um den Betrieb der existierenden IT-Landschaft sicherzustellen. Dieses Geld fehlt für neue Projekte und Initiativen, die Verbesserungen mit einem nachhaltigen Effekt auf die Geschäftsprozesse treiben und deutlich wahrnehmbare Effekte auf die Einnahmen eines Unternehmens haben. Tatsächlich bleiben den CIOs nur 30 Prozent ihrer diesjährigen Budgets, um durch Erweiterung der IT-Unterstützung zu einer positiven Geschäftsentwicklung beizutragen [2].

Viele Trendthemen haben versucht, mit Effizienzsteigerungen über Technologie (z. B. SOA) und über Kostensenkungen in der IT-Entwicklung (z. B. Offshoring) mehr aus dem 30-prozentigen Projektbudget herauszuholen. Mit Cloud Computing ist erstmals eine Bewegung entstanden, die Auswege für die 50 Prozent Betriebskostenanteil anbietet und eine Reduzierung dieses Anteils anstrebt. Primär versprechen folgende Cloud-Charakteristika (nach NIST) [3] eine Verbesserung:

  • Verfügbarkeit von Ressourcen: Klienten haben Zugriff auf einen großen Ressourcenpool (Rechenpower, Storage etc.), den sie je nach Bedarf nutzen können. Die Nutzung einheitlicher Hard- und Software schafft zusätzliche Flexibilität im Betrieb.
  • Elastizität: Wenn zusätzliche Computing-Ressourcen benötigt werden, so stehen diese zeitnah zur Verfügung. Das Geschäft leidet nicht mehr unter Ressourcenengpässen der IT. Genauso können Ressourcen bei niedrigerem Bedarf auch wieder freigegeben werden. Selbst Fragestellungen wie Abschreibungszeiträume spielen keine Rolle mehr.
  • Messbare Nutzung: Die tatsächlich genutzten Ressourcen werden konsequent gemessen, der Verbrauch ist für Nutzer und Anbieter transparent. Abrechnung und Service Level Agreements lassen sich an diesen Messungen verankern.

Die aufgezählten Verbesserungen benötigen eine „kritische Masse“ an Applikationen, die in der Cloud laufen. Am offensichtlichsten ist dieser Effekt beim Thema Mandantenfähigkeit zu erkennen: Die Einsparungen sind umso höher, je mehr Mandanten auf einem einzigen System laufen. Setzt man Cloud-Technologien nur für neue Projekte und Initiativen ein, so fügt man schlimmstenfalls der bereits existierenden Betriebskomplexität weitere Technologie hinzu und verursacht zusätzliche Betriebskosten. Beschränkt man die Cloud-Initiativen auf einige Fachbereiche, so erneuern die nicht beteiligten Fachbereiche ihrer Lieblingssoftware unabhängig von der Cloud-Initiative und kaufen dabei unbewusst Cloud-Technologie mit ein, die nicht zur strategisch ausgewählten Cloud-Landschaft passt und teuer zu integrieren ist. Es macht deshalb durchaus Sinn, Cloud Computing als ganzheitlichen Weg für die Modernisierung der gesamten IT-Unternehmenslandschaft zu verstehen und eine umfassende Initiative zu starten.

Abb. 1: Stufen auf dem Weg zu einer Cloud-basierten IT-Unternehmenslandschaft

Abbildung 1 zeigt einen schon seit einigen Jahren erprobten Ansatz, um die Anwendungen einer ganzen IT-Unternehmenslandschaft geordnet und iterativ auf eine einheitliche Plattform mit dynamischem Ressourcenmanagement zu heben. Nach einer sorgfältigen, strategischen Planung im Cloud Readiness Assessment wird jede Anwendung zügig auf einen standarisierten Ressourcenpool migriert und wieder in den Betrieb integriert. Um diese Umstellung wirklich kurz zu halten und danach eine zufriedenstellende Betriebsqualität sicherzustellen, beschränkt der Bereich IT-Unternehmensarchitektur die funktionalen Änderungen und Umstellungen bei der Schnittstellentechnologie auf das absolut notwendige Minimum. Ziel ist es, Kosteneinsparungen durch die Abschaffung teurer Legacy-Hardware, den Wegfall von Wartungsverträgen und die nicht mehr benötigter Lizenzen zu realisieren. Dieses Geld kann der Kunde nutzen, um in folgenden Cloud-Optimierungsiterationen die funktionale Modernisierung und „Cloudifizierung“ der Anwendungslandschaft zu finanzieren. Im Folgenden sind die drei Bausteine näher beschrieben.

Geschrieben von
Rainer Koppenhofer, Bernd Rederlechner und Detlev Uhlenbrock
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