Wit – Siri als API für mobile Apps, Heimautomatisierung und Roboter

Diana Kupfer

Besuchern der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) dürfte vor allem eines auffallen: Der Softwareanteil in Fahrzeugen wird immer größer. Und nicht nur dort. Auch für Smartphones, Heimanlagen, Roboter, Google Glass entstehen täglich unzählige neue Applikationen, die den Alltag erleichtern sollen. „Software is eating the world” – Marc Andreessens Aussage ist längst ein geflügeltes Wort.

Doch all diese Anwendungen wollen auch bedient werden, und zwar jede auf ihre Art. So kann die Steuerung über eine grafische Benutzerschnittstelle während einer Autofahrt das Unfallrisiko erhöhen. Und dass eine Fitness-App, die sich nur mit ruhiger Hand bedienen lässt, sowohl für das Work-out als auch für die User Experience kontraproduktiv ist, versteht sich von selbst. Kein Wunder also, dass mit der Anzahl an Hardwareplattformen und Apps auch der Markt für Spracherkennungssoftware à la Siri wächst.

Doch Algorithmen zu entwickeln, die natürliche Sprache verarbeiten (Stichwort: Natural Language Processing, kurz NLP), ist alles andere trivial. Ein neues, Open Source verfügbares NLP-API namens Wit möchte nun den damit verbunden Aufwand reduzieren. Es stellt Entwicklern ein Sprach-Interface zur Verfügung, das ihnen lästige Arbeiten wie das Schreiben von NLP-Algorithmen oder das Konfigurieren von Daten abnimmt.

Wit verwandelt natürliche Sprache in strukturierte Daten. Dazu erkennt das Tool in den Aussagen („Expressions“) eines Nutzers dessen Absicht („Intent“). Aus den Expressions „Wake me up at 5 tomorrow“, „I’d like you to wake me up by midnight“ filtert Wit z. B. den Intent „Set Alarm“ heraus. Aus „Post the last 3 pictures I took on G+“ wird der Intent „share“ abgeleitet. Voraussetzung ist, dass der Entwickler für jeden deklarierten Intent zu Anfang einige Beispiele liefert, aus denen Wit lernen kann. Das folgende Einführungsvideo von einem kürzlich veranstalteten Webinar zeigt, wie man Expressions und Intents generiert: 

Für Android-Entwickler steht auf den Dokumentationsseiten sogar ein Tutorial bereit, das erklärt, wie man das API in die eigene Android-Anwendung integriert.

Anwendungsbeispiele für Wit sind mobile Apps, Heimautomatisierungssoftware, tragbare Devices wie Google Glass, Roboter und Fernsteuerung per SMS.

Hinter Wit steht ein Startup, das sich auf seiner Webpräsenz als Entwickler-Gruppe mit jahrelanger Erfahrung im NLP-Bereich vorstellt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man die Alpha-Version kostenlos testen, sofern man auf GitHub eingeloggt ist. Später wird Wit in unterschiedlichen Varianten verfügbar sein. Möchte man die kostenlose Community-Variante nutzen, so wird erwartet, dass man im Gegenzug anderen Entwicklern neu erstellte Expressions und Intents zur Verfügung stellt. Nach dem Crowd-Sourcing-Prinzip kann die Plattform auf diese Weise nach und nach erweitert werden. Und davon wird der Erfolg von Wit letztendlich abhängen.

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Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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