Wie YouTube, nur für Programmierer: Java, Dart und andere Sprachen auf Runnable

Redaktion JAXenter

Code-Komponist oder Code-DJ, das ist hier die Frage. Mit anderen Worten: Wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit dem Schreiben neuer Codezeilen – und wie viel damit, von anderen geschriebene Codeschnipsel zu ergoogeln und zusammenzustückeln? Yash Kumar glaubt: Das Recyceln von Code-Fundstücken ist im heutigen Programmieralltag die weitaus gängigere Praxis. 200 Millionen Code-bezogene Suchen, so schätzt er, werden pro Monat getätigt.

Kumar hat vor wenigen Monaten mit Partnern die Code-Plattform Runnable gegründet, mit dem ehrgeizigen Ziel, daraus ein „YouTube für Code“ zu machen, eine Art Hosting- und Such-Service für Code-Schnipsel. „Unser Ziel ist es, allen Code der Welt ausführbar zu machen und an einen zentralen Ort zu bringen, genau das, was YouTube für die diffuse Online-Videowelt erreicht hat“, erläuterte er gegenüber Forbes dieses Vorhaben. Auf Runnable, das auf eine  Amazon EC2-Infrastruktur aufsetzt, kann man also nicht nur nach den passenden Codeschnipseln suchen. Wie der Name und die Analogie mit YouTube vermuten lassen, ist der Code auch testweise dort ausführbar.

Code am Fließband

Den revolutionären Produktivitätsanstieg, die er mit dieser Idee zu bewirken hofft, erwähnt Kumar in einem Atemzug mit der Erfindung des Fließbandes – auch in Fabriken werde dank griffbereiter vorgefertigter Teile schneller und billiger produziert. Nicht mit jeder Codezeile das Rad neu zu erfinden sei zudem die Grundidee jeder Open-Source-Bewegung, erinnert der Gründer.

Apropos: Auch das Team hinter dem Open-Source-Projekt Eclipse Code Recommenders alias „IDE 2.0“ schöpft aus wiederkehrenden Code-Anteilen und Programmierpatterns Potential. Allerdings wird hier, etwas bescheidener, das gesammelte Wissen der Entwickler-Community in Form von Codevorschlägen zugänglich gemacht, statt alle Snippets an einer zentralen Stelle im Internet zu sammeln.

Mit Java, C/C++, Python, PHP, .NET und Frameworks wie Node.js, Rails oder Django tummelt sich bereits einiges an Prominenz aus der Programmierwelt auf Runnable. Seit gestern gibt sich Googles JavaScript-Alternative Dart ebenfalls die Ehre. Einem Bericht von TechCrunch zufolge erhielt das Startup zum offiziellen Launch eine Seed-Finanzierung von zwei Millionen US-Dollar. Unter den frühen Investoren sind Resolute VC, 500 Startups und AngelPad, ein Mentorenprogramm des ehemaligen Google-Mitarbeiters Thomas Korte. Langfristig plant das achtköpfige Runnable-Team auch die Unternehmen aus den jeweiligen Technologie-Ökosystemen einzubeziehen (wirbt man mit Dart etwa um Googles Gunst?). Auf entsprechende Geschäftsmodelle und die Resonanz in der Entwickler-Community darf man gespannt sein. Denn wie bei Eclipse Code Recommenders kann die Idee nur fruchten, wenn viele mitmischen.

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