Wie Open Source ist Java wirklich? JCP-Reform geht in die dritte Runde

Hartmut Schlosser

Nach den beiden ersten JSRs zur Reform des Java Community Process (JSR 348: Towards a new version of the Java Community Process und JSR 355: JCP Executive Committee Merge) wurde jetzt der dritte Java Specification Request eingereicht, der den JCP verbessern soll. Und wie der Name JSR 358: A major revision of the Java Community Process schon sagt, sollen nun die wirklich gewichtigen Angelegenheiten angegangen werden, die auch die oft kontrovers diskutierten Lizenzbedingungen im JSPA (Java Specification Participation Agreement) umfassen.

Nachdem in JSR 348 (auch JCP.next.1 genannt) neue Regelungen zur transparenten Durchführung von JSRs eingeführt wurden und derzeit mit JSR 355 (auch JCP.next.2 genannt) die Verschmelzung der Java-ME- und Java-SE-Expertengruppen verhandelt wird, soll der JSR 358 (sinnigerweise mit JCP.next.3 abgekürzt) das JSPA-, das Prozess-Dokument und die Standing Rules des Exekutiv-Komitees auf einen neuen Stand bringen.

JCP Program Chair Patrick Curran (Oracle) nennt in einem aktuellen Blogeintrag die folgenden Themen, die neu ausdebattiert werden sollen:

  • die Rolle alternativer Implementierungen, die nicht von der Referenzimplementierung abgeleitet sind
  • Lizenz-Bedingungen
  • Open-Source-Konditionen
  • Kompatibilitätskriterien und Technology Compatibility Kits (TCK)
  • die Rolle individueller Mitarbeiter
  • Patent-Richtlinien
  • IP Flow

Ziel ist es laut JSR-Beschreibung, die Prozesse weiter zu verbessern, Probleme zu beseitigen, die über die letzten Jahre sichtbar geworden sind, sowie zu einer klareren Sprache zu finden, um Zweideutigkeiten zu vermeiden.

Die Experten-Gruppe soll aus allen Mitgliedern der Exekutiv-Komitees bestehen. Alle Diskussionen sollen offen geführt werden – einerseits über das öffentlich zugängliche java.net-Projekt, über das man sich auch aktiv beteiligen kann, andererseits über eine Observer-Mailing-Liste und einen öffentlichen Issue Tracker. Alle Dokumente wie Agenden, Meetingprotokolle und Entwurfspapiere sollen zudem in einem Dokumenten-Archiv zugänglich gemacht werden.

Die Diskussionen um JCP.next.3 werden mit Spannung erwartet, betreffen sie doch Punkte, die in der Vergangenheit zu hitzigen Auseinandersetzungen geführt haben. So hatte die Apache Software Foundation mit ihrem Harmony-Projekt eine alternative Java-Implementierung vorgelegt, der Sun indes das Technology Compatibility Kit verweigert hatte, ohne das sich Harmony nicht als Java positionieren konnte. Apache warf zunächst Sun, dann auch Oracle vor, mit dieser Haltung die eigenen JSPA-Richtlinien zu verletzen – ein Streit, der so weit führte, dass Apache aus Protest das JCP-Exekutiv-Komitee verlassen hatte. Für Harmony bedeutete die TCK-Verweigerung letztlich das Ende – im November 2011 wurde das Projekt in den Apache Attic verlegt, dem Ort für stillgelegt Projekte.

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Hartmut Schlosser
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