When agile turns to fragile – Stephen Burton auf der JAX 2012

Judith Lungstraß

Wohin man auch sieht, wird Agilität gepredigt. Man fährt ständig auf der Überholspur, ist flexibel und kann auf Veränderungen in Windeseile reagieren. Das klingt alles sehr positiv, doch kann man eigentlich auch zu agil sein? Stephen Burton, Tech Evangelist bei AppDynamics, meint: ja! In seiner JAX-Keynote mit dem Titel „2 Fast 2 Furious: When Organizations become too agile“ legte er dar, warum aus Agilität schnell Fragilität wird – und was man dagegen tun kann.

Too much change can kill you.

Wenn die Dinge zu schnell werden und sich zu rasant verändern, kann das auf Kosten der jeweiligen Projekte gehen. Genauso wie ein Rennwagen, der zu viel Geschwindigkeit aufnimmt und die Kurve nicht mehr kriegt, scheitern auch viele Projekte an ihren selbst gesteckten Zielen. Das Projekt fährt gegen die Wand, wird dadurch beschädigt und kommt letztendlich langsamer voran als ohne die übereifrigen Agilitäts-Bestrebungen. Dass es sich dabei keineswegs um Einzelfälle handelt, weiß Burton aus Erfahrung, war er doch einmal in einem Unternehmen tätig, dessen Projekte nach eigenen Angaben zu 80 Prozent scheiterten.

Eine Strategie, um die Agilität ein wenig herunterzuschrauben und dadurch sicherer in der Spur zu bleiben, ist das Testen von Anwendungen in der Produktionsphase. Diese Taktik gilt zwar allgemein als gefährlich, aber das ist sie genau genommen nur dann, wenn man die damit verbundenen Risiken nicht richtig zu managen weiß. Burton rät seinen Zuhörern zum Beobachten, Optimieren und Patchen – all das live in Production. In der Entwicklung hingegen sollte man es mit der Agilität nicht zu weit treiben, ansonsten wird agil zu fragil.

Stephen Burton auf der JAX 2012

Will eine Anwendung so agil sein wie ein Porsche, muss sie auch gebaut sein wie ein Porsche. Immerhin machen sich nur die wenigsten Porsche-Fahrer wirklich Gedanken über die Technik ihres fahrbaren Untersatzes. Sie fahren ihn einfach und erfreuen sich an seiner Funktionstüchtigkeit. „People buy cars because of the way it makes you feel“, meinte Stephen Burton. Genauso gehe es auch bei einer Anwendung viel mehr um das Gefühl, das sie vermittelt, als um ihre zugrundeliegende Technik. Auch die perfekte Software werde den Durchbruch auf dem Markt nicht schaffen, wenn die User Experience mangelhaft sei. User Interface als Mittel zum Erfolg.

Trotz aller Gefahren, die eine agile Software-Entwicklung mit sich bringen kann, rät Burton dennoch dazu, weiter an agilen Methoden festzuhalten. So verabschiedete er sich von der Menge mit einem freundlichen:

Thank you and stay agile.

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Judith Lungstraß
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