WebSocket JSR sorgt für Lizenz-Streitigkeiten

Hartmut Schlosser

Wie erwartet hat sich der WebSocket JSR 356 im ersten JSR Review Ballot
durchgesetzt: 11 der 16 Mitglieder des JCP Exekutiv-Komitees für Java SE/EE haben für eine Aufnahme des JSRs in den Kanon der offiziellen Java-Spezifikationen gestimmt. Enthaltungen gab es von RedHat und Twitter. Nicht an der Abstimmung teilgenommen haben Credit Suisse und Goldman Sachs & Co. Gegen den JSR gestimmt hat einer: Google.

Quelle: www.jcp.org

Ganz ohne Widerspruch wurde der JSR, der sich noch in einem frühen Stadium befindet und für den die Expertengruppe noch gebildet werden muss, also nicht durchgewunken. Vor allem RedHat machte in den Kommentaren auf einen Punkt aufmerksam, der Grund für die Enthaltungen sowie für Googles Nein-Stimme war.

Red Hat merkt an, dass man mit den technischen Aspekten des JSRs vollständig zufrieden sei. Probleme sieht RedHat indes mit den verbundenen Lizenzbedingungen. In der Spezifikation ist nämlich zu lesen, dass für den Zugriff auf die Quellcodes eine jährliche Gebühr von 35.000 US-Dollar anfallen soll.

Annual Fee. 35,000 US-Dollar per year for access to the Technology in Source Code form (Part. No. J2E88-UPD1-A889), which can be obtained only if you have also ordered, or order concurrently, Part No. J2E88-TC4-A889 (to license the Java API for Web Sockets 1.0 TCK).

Diese Bedingung sieht RedHat in Konflikt mit den JCP-2.8-Richtlinien, die einen offenen Zugang zu den Quellcodes und TCK-Testergebnissen vorsehen:

TCK license terms must permit implementors to freely and publicly discuss the testing process and detailed TCK test results with all interested parties.

Allow the EC to assess the TCK quality per the guidelines in 4.2 FINAL APPROVAL BALLOT as one should not have to be a licensee to view the source code, and due to the desire for transparency to the community, non-EC members should be able to participate in assessing the TCK, and RI.

Trotz ihrer Ja-Stimmen sehen auch IBM, Intel, HP, SouJava, Fujitsu, Azul Systems, Ericsson, die London Java Community und die Eclipse Foundation Probleme mit den TCK-Lizenzen. Viele haben in dieser frühen Abstimmung lediglich mit Ja gestimmt, um die Arbeitsaufnahme der Expertengruppe nicht zu verzögern. Im Final Ballot würden sie ohne eine Lösung der Lizenz-Fragen indes ihre Zustimmung verweigern, beispielsweise Azul Systems:

We will likely not be able to vote for final approval of this JSR without open, publicly readable discussion of any technical concerns raised by us or others around the the JSR materials, as required by the JCP 2.8 process.

Ohne Kommentar mit Ja gestimmt haben lediglich Oracle und SAP. Und für Goldman Sachs & Co. und Credit Suisse war der WebSocket-JSR offenbar nicht die Mühe wert, eine Meinung zu äußern. Schade.

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Hartmut Schlosser
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