Was wird aus Virgo? Führungswechsel beim Eclipse-RT-Projekt – oder auch nicht…

Diana Kupfer

Eclipse-Projekte stehen und fallen mit dem Engagement der Personen, die dahinterstehen. Nichts macht dies deutlicher als das Schicksal des Eclipse-Runtime-Projekts Virgo: 2012 noch schloss sich das Projekt erstmals einem Eclipse-Simultanrealease an und brachte bemerkenswerte Neuerungen auf den Weg: Erstmalig war Virgo im Juno-Release mit einem Mikro-Kernel namens „Nano“ ausgestattet, der das Entwickeln leichtgewichtiger OSGi-Anwendungen ermöglicht. SAP wurde auf das innovative Projekt aufmerksam und integrierte einige Virgo-Technologiekomponenten in seine Cloud-Plattform HANA. Innerhalb von Eclipse bildeten Virgo, die Gemini Web Runtime und Virgo Tooling sogar ein kleines Sub-Ökosystem mit eigenen Simultaneous Releases.

Eclipse Virgo ging 2007 aus der Codebasis des SpringSource dm Servers hervor und ist auf die Entwicklung OSGi-basierter Enterprise-Java- und Spring-Anwendungen spezialisiert. Man muss kein Spring-Entwickler sein, um Virgo zu nutzen oder Committer zu werden – im Gegenteil, wie der ehemalige Projektleiter Glyn Normington 2012 im Interview mit dem Eclipse Magazin sagte: „Das Eclipse-basierte Tooling hat sich mittlerweile völlig von seinen Spring-Ursprüngen entfernt. Meiner Ansicht nach haben wir haben jetzt das Beste aus beiden Welten: Es besteht gute Spring-Unterstützung für die vielen Entwickler, die mit Spring vertraut sind. Aber auch Entwickler, die OSGi-Standards wie Blueprint oder Declarative Services bevorzugen, kommen auf ihre Kosten.“

Not am Mann

Hinter all diesen Errungenschaften stand in erster Linie Glyn Normington als treibende Kraft. Seit der SpringSource-Entwickler allerdings seine gesamte Zeit und Energie in die neue PaaS-Plattform Pivotal steckt, bleibt wenig Zeit für Virgo übrig: „Pivotal is operating a bit like a startup and so I can’t afford the time to keep working on Virgo“, sagte Normington im Gespräch mit infoQ. So gab er vergangenen Juli über die Eclipse-Mailing-Liste seinen Rücktritt als Virgo-Chef bekannt. Vom Simultanrelease Kepler hatte sich Virgo in diesem Jahr bereits gemeinsam mit Jetty und dem Runtime Packaging Project abgekoppelt, was man im Nachhinein als erstes Vorzeichen für Normingtons Rückzug deuten kann.

Der Andrang auf die Normington-Nachfolge hielt sich in Grenzen. Die Suche nach einem neuen Leiter zog sich sogar derart in die Länge, dass das Projekt um ein Haar archiviert worden wäre. Anfang Oktober erklärte sich der Virgo-Committer Florian Waibel zögerlich bereit, als neuer Projektleiter einzuspringen. Eine Kampfkandidatur blieb – wie nicht anders zu erwarten war – aus. Am 14. Oktober schlug Normington schließlich Waibel als neuen Lead vor, der Ende Oktober in dieser Funktion bestätigt wurde.

„Still fond of Virgo“

Dass die Identifikation eines Projektleiter mit seinem Projekt oft weit über dessen offiziellen Tätigkeitsrahmen hinausreicht, zeigt der neueste Blogpost von Normington. „I’m no longer leading the Virgo project, but I am still fond of Virgo“, beginnt dieser etwas apologetisch. Er habe in seiner Freizeit das Virgo-Buildpack aktualisiert, um es auf das aktuelle Java-Buildpack abzustimmen. Es scheint, als könne sich der ehemalige Virgo-Leiter noch nicht so ganz von seinem Projekt trennen. Meldet er sich mit diesem erneuten Engagement zurück? Oder war dies nun wirklich sein letzter Beitrag?

Soviel ist sicher: Sein unerschütterlicher Einsatz für das Projekt sucht seinesgleichen.

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Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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