Suche

Was wird aus Grails? – Interview mit Projektleiter Graeme Rocher

Redaktion JAXenter

Grails Logo (Quelle: grails.org)

Im Zuge von Pivotals Rückzug aus der Finanzierung von Groovy und Grails sprach Graeme Rocher, Chef der Grails-Entwicklung bei SpringSource, mit uns über die Zukunft des Web-Entwicklungsframeworks.

JAXenter: Was bedeutet Pivotals Entscheidung für Grails? Wie sieht die Zukunft seiner Finanzierung aus? Sollten die Grails-Fans jetzt alle verzweifeln?

Graeme Rocher: Wir erörtern verschiedene Finanzierungsmodelle für die Entwicklung der Sprache und des Frameworks. Das Groovy- und Grails-Team besteht aus sechs Ingenieuren. Da die Beschäftigung von sechs Ingenieuren für jedes Unternehmen eine erhebliche Investition darstellt, verstehen wir die Probleme, die sich daraus ergeben, besonders jetzt, da viele Firmen das vierte Quartal des Geschäftsjahres beendet haben. Nichtsdestotrotz sind wir optimistisch und glauben an die Community. Und wir glauben an das Potential der Projekte. Groovy- und Grails-Fans sollten auf keinen Fall verzweifeln: Beide Projekte sind Open Source, und ihre Entwicklung wird ungeachtet des Stands der Finanzierung weiter voranschreiten.

JAXenter: Pivotals Entschluss, die Finanzierung von Groovy und Grails einzustellen, rührt angeblich daher, dass sie wussten, dass die Projekte definitiv auch ohne sie weiter existieren würden. Ergibt Pivotals Entscheidung für dich Sinn?

Graeme Rocher: In mancherlei Hinsicht kann ich Pivotals Bestreben, sich auf Cloud Foundry zu konzentrieren, durchaus verstehen. Andererseits ist es schade, denn ich glaube die Groovy- und Grails-Communities hätten dem Wachstum der Cloud Foundry-Plattform einen deutlichen Anschub geben können.

Letztendlich glaube ich, dass man ein Entwicklerpublikum benötigt, um eine PaaS erfolgreich zu fördern. Ich vermute jedoch, dass Pivotal den Eindruck hatte, auch ohne die Communities auszukommen. Auch das ist sehr schade.

JAXenter: Manch einer reagierte damit, in Frage zu stellen, ob Groovy und Grails überhaupt finanziert werden müssen. Ist das eine berechtigte Fragestellung? Sollten sie auch selbständig überleben können?

Graeme Rocher: Das ist eine berechtigte Frage. In einer perfekten Welt würden alle Open-Source-Projekte von der Community geführt werden und wir alle würden glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende leben. In der Realität gibt es allerdings nur einige wenige große und wirklich erfolgreiche Open-Source-Projekte, die während ihrer Entwicklung keinerlei Investitionen von Unternehmensseite erhielten.

Ich würde sagen, die Frage ist nicht, ob Groovy und Grails auf sich selbst gestellt überleben können, sondern vielmehr: Wie sähe ihr Potential aus, wenn sie mehr Ressourcen zur Verfügung hätten?

JAXenter: Besteht irgendwie die Möglichkeit, dass Grails sein Nutzungspotential erweiteren kann, um mehr Unterstützung zu erlangen? Kannst du uns etwas darüber etzählen, welche neuen Features für Grails geplant sind vorausgesetzt, es sind welche geplant?

Allerdings, sowohl Groovy als auch Grails haben großes Zukunftspotential. Die neueste Version von Groovy bietet Android-Unterstützung, seine Nutzerbasis erstreckt sich nun also auch auf die User mobiler Geräte. Wenn man bedenkt, dass Groovy zusammen mit Gradle bereits jetzt als Build-System für Android genutzt wird, kann man sich leicht vorstellen, welch großes Potential in der Nutzung einer einzigen Sprache für die gesamte Android-Entwicklung schlummert, vom Build-System über mobile Anwendungen bis hin zu einem Grails- oder Ratpack-Backend.

Mit Grails 3.0 und der Einführung von Profilen kann man jetzt komplett neue RAD-Frameworks auf Grundlage von Grails bauen, die z. B. die Entwicklung eines Grails-artigen Frameworks für Android-Anwendungen ermöglichen und damit den Client vereinfachen würden.

Alternativ könnte man Profile für Microservices, Hadoop usw. erstellen. Es bieten sich viele Möglichkeiten an.

Das Originalinterview erschien auf Jaxenter.com. Übersetzung: Michael Thomas.

Geschrieben von
Redaktion JAXenter
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: