Was ist Eclipse?

  • IT-Infrastruktur
  • Entwicklung des Ökosystems
  • Entwicklungsprozess
  • Intellectual-Properties-(IP-)Management

Durch eine unabhängige Infrastruktur, beispielsweise Webseiten, SCMs und Build-Server, wird im Wesentlichen Offenheit und Transparenz erreicht. Kein einzelner Hersteller kann beispielsweise einfach Code aus dem offenen Teil von Eclipse entfernen. Auch die hier anfallenden Kosten werden über Mitgliedsbeiträge finanziert. Die Eclipse Foundation sorgt dafür, neue Mitglieder zu werben, Eclipse als Technologie bekannt zu machen und damit das Ökosystem zu entwickeln. Die Eclipse-Community trifft sich mindestens zweimal im Jahr auf der EclipseCon und der EclipseCon Europe [3]. Zusätzlich organisieren Mitglieder der Community mit Unterstützung der Eclipse Foundation lokale Democamps, bei denen die neuesten Technologien vorgestellt werden. Auch auf vielen anderen Veranstaltungen wie auf der JAX [4] hat Eclipse durch entsprechende Tracks seinen festen Platz.

Der Entwicklungsprozess legt die Regeln der Zusammenarbeit der Interessensgruppen fest. Im Eclipse-Prozess wird so beispielsweise zwischen Committern und Contributern unterschieden. Committer dürfen den Code eines Projekts direkt verändern, Änderungen von Contributern müssen von Committern reviewed werden. Unter Adoptern versteht man im Eclipse-Prozess Firmen oder Individuen, die auf Eclipse-Technolgie aufbauen, während User tatsächliche Benutzer eines der Endprodukte sind. Aktuell verzeichnet die Eclipse Foundation circa 1000 Committer und etwa zehnmal so viele Contributer. Die Anzahl der Adopter und User ist durch die offene Verteilung der Eclipse-Komponenten schwer abzuschätzen, man kann aber zumindest bei den Usern von einer hohen siebenstelligen Zahl ausgehen (Abb. 2).

Abb. 2: Abschätzung der Anzahl von Committern, Contributern, Adoptern und Usern von Eclipse

Ein weiteres Kernelement des Eclipse-Prozesses ist der Release Train, in dessen Rahmen es einmal pro Jahr ein gemeinsames Release vieler Kernkomponenten von Eclipse gibt. Nur durch den Eclipse-Prozess ist die heutige Qualität und Kompatibilität von Eclipse-Projekten bei gleichzeitigem hohen Innovationstempo möglich.

Nicht zuletzt ist die Kernaufgabe der Eclipse Foundation das Intellectual-Properties-(IP-)Management. Hierzu wurde 2004 die maßgeschneiderte Eclipse Public License (EPL) [2] eingeführt, unter der heute alle Eclipse-Komponenten stehen. Die EPL erlaubt im Gegensatz zu anderen Open-Source-Lizenzen explizit die kommerzielle Verwendung der Komponenten. Das bedeutet, ein Hersteller darf eine Eclipse-Komponente in ein Produkt einbauen und dieses kommerziell vertreiben. Als zweiten großen Teil des IP-Managements stellt die Eclipse Foundation über Review-Prozesse sicher, dass Eclipse-Projekte zur EPL kompatiblen Code erzeugen und nicht beispielsweise Drittkomponenten einsetzen, die eine kommerzielle Nutzung verbieten würden. Das bietet für Hersteller von Produkten auf Basis von Eclipse eine in der Open-Source-Welt seltene rechtliche Sicherheit. Gerade diese Sicherheit ermöglicht Investitionen ins Ökosystem, viele Hersteller stellen beispielsweise bezahlte Committer für bestimmte Projekte. Andere Firmen bieten umgekehrt Support, Training und Wartung für Eclipse-Projekte an. Das Modell des Eclipse-Ökosystems dient mittlerweile häufig als Vorbild, wie sich Offenheit und Transparenz mit kommerziellen Interessen vereinen lassen.

Fazit

Die Reise durch das Eclipse-Universum ließe sich natürlich noch weiter fortsetzen, und sicher gibt es für viele noch weitere wichtige Bedeutungen von Eclipse. Nach der technischen Definition von Eclipse in den letzten beiden Beiträgen drehte sich der dritte Teil um den organisatorischen Teil sowie um Firmen und Personen, die hinter Eclipse stehen. Eclipse hat seit seiner Geburt jedes Jahr wieder ein rasantes Wachstum erfahren und sich immer wieder neu erfunden, technisch und organisatorisch. Mit der Version 4 steht eine neue große technische Innovation an, durch so genannte Industry Working Groups organisieren sich seit kurzer Zeit Firmen mit gemeinsamen Interessen. So blieb und bleibt Eclipse nie stehen. Zuletzt, und für uns am wichtigsten, ist Eclipse aber auch eine Familie aus Gleichgesinnten. Gleichgesinnte, die neue, innovative, aber auch stabile und einsetzbare Technologien erschaffen möchten und sich dazu nächtelang mit Problemen auseinandersetzen. Gleichgesinnte, die sich wochenlang in Foren über die beste Lösung streiten, die jahrelang die oft immer wieder gleichen Fragen von Einsteigern in Newsgroups beantworten und die sich immer über eine Rückmeldung freuen, falls sie, liebe Leser, eine dieser Technologien erfolgreich einsetzen.

Jonas Helming und Maximilian Kögel sind Eclipse Consultants und Geschäftsführer der EclipseSource München GmbH. Sie leiten die Eclipse-Projekte EMFStore und EMF Client Platform.

Wayne Beaton arbeitet für die Eclipse Foundation als Leiter der Committer Community und „Evangelist“. Er ist Chefredakteur für die Eclipse Corner, PMC Lead des Technology Project, und Project Lead der Projekte Eclipse Examples und Woolsey.

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