Was Apaches JCP-Rücktitt für Scala bedeutet - JAXenter

Was Apaches JCP-Rücktitt für Scala bedeutet

Hartmut Schlosser

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, es zuzulassen, dass der JCP sich selbst demontiert. Diese Meinung äußert David Pollak, Autor des Scala-Frameworks Lift, in einer Diskussion um die Frage, was der Rücktritt der Apache Software Foundation vom Exekutiv-Komitee des JCP für Scala bedeutet.

Für Pollak ist die Arbeit des JCP schon in den letzten Jahren ein Misserfolg gewesen. Der JCP habe sich zu einem Ort entwickelt, an dem immer dieselben Leute dieselben schlechten Entscheidungen getroffen hätten (als Beispiel nennt Pallak den JSR 299 „Contexts and Dependency Injection for the Java EE platform“, in dem die selben verfehlten Muster wie bei Corba und Enterprise Java Beans umgesetzt worden seien).

In der aktuellen Situation lege es Oracle möglicherweise darauf an, den JCP aufzulösen. Für Scala sei dies indes nicht sonderlich relevant. Viel wichtiger sei die erklärte Position Oracles, langfristig alternative Sprachen auf der JVM zu unterstützen.

Pollak berichtet von Oracle-Entwicklungsleiter Adam Messingers Auftritt auf dem JVM Languages Summit, der dort die Meinung vertreten haben soll, dass Java als Sprache an seinem logischen Ende angelangt sei. Messinger soll dort gesagt haben, Oracle halte Ausschau nach einer „higher level language“, in welche man signifikante Investitionen tätigen wolle.

Adam Messinger [.] was pretty blunt at the JVM Languages Summit this year about Java the language reaching it’s logical end and how Oracle is looking for a „higher level“ language to „put significant investment into.“

Wichtig für Scala sei die Tatsache, dass die JVM für Oracle von strategischer Bedeutung sei, wenn es um die Konkurrenz zu .NET und Windows-Betriebssystemen gehe. Im Wettbewerb mit der Common Language Runtime (CLR) von .NET sei die Sprachvielfalt auf der JVM ein wichtiger Faktor. Solange Oracle also Geld mit der JVM verdienen könne, liege die Unterstützung für alternative JVM-Sprachen in Oracles Interesse.

Zum Rücktritt der Apache Foundation meint Pollak, dass die besten Apache-Projekte in den ersten vier Jahren ihrer Existenz entstanden seien – zu einer Zeit, als die Apachen nicht Mitglied des JCP waren. Auch Scala-Erfinder Martin Odersky habe sich mit JVM-Software und Sprachen beschäftigt, ohne Mitglied irgendeines Sun/Java-Komitees zu sein.

Zwei Fragen

Folgt man Pollaks Argumentationslinie, stößt man auf die Frage: Wozu brauchen wir den JCP, wenn die Entscheidungsgewalt über Java ganz in den Händen Oracles liegt und die meisten JSR-Open-Source-Implementierungen auch ohne eine JCP-EC-Mitgliedschaft realisiert werden?

Zweitens lässt die Bemerkung aufhorchen, man halte Java bei Oracle für am Ende seiner logischen Entwicklung angelangt und wolle in eine neue „Higher Level Language“ investieren. Was wird passieren, wenn Oracle Scala für sich entdeckt?

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Hartmut Schlosser
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