Warum Start-Ups Probleme bei der Anstellung von Bewerbern haben

Selim Baykara

Dass es nicht so schwer ist, ein erfolgreiches Start-Up zu gründen, dürfte zu den hartnäckigsten Mythen des Internets gehören. Neben einer guten Idee und der passenden Technik benötigt man vor allem ein äußerst gutes Know-How im Bereich Unternehmensführung. Ein Punkt, bei dem es in vielen jungen Firmen besonders hapert, ist die Anstellungspraxis. Matt Mieckiwicz, der Betreiber der Bewerbunsgsseite „Hired“, die sich auf die Belange von Entwicklern spezialisiert, hat das Problem einmal genauer unter die Lupe genommen und in einem Beitrag die gängigsten Fehler untersucht.

Eines der größten Hindernisse ist laut Mieckiwicz, dass Firmengründer bei Bewerbungsgesprächen zu oft nach ihrem eigenen Ebenbild suchen. Ein typischer „Twentysomething“ verschmähe demnach Bewerber, die die 30 oder gar die 40 bereits überschritten haben – ein Fehler, da einem so oft große Talente mit viel Erfahrung durch die Lappen gehen. Auch beim Thema Bildung sind junge Gründer oftmals zu kleinlich, da sie offenbar genau nach Kandidaten suchen, die ihrem eigenen Hintergrund entsprechen.

Das nächste Problemfeld ist das Thema Bewerbungsgespräche. Laut Mieckiwicz würden sie oft nicht zielführend genug geführt, stattdessen kämen fachfremde Fragen oder gar Intelligenztests zur Sprache, die mit dem späteren Job nichts oder nur äußerst wenig zu tun hätten. Sein Tipp: sich an Firmen orientieren, die den Bewerber direkt an praktischen Problemen arbeiten lassen, z.B. indem sie Code zur Verfügung stellen, der dann bearbeitet werden soll. Ebenfalls wichtig: Unternehmen müssten rasch auf Bewerber reagieren, und zwar nicht bloß aus Höflichkeit, sondern aus Eigeninteresse. Fähige Kandidaten sehen es nämlich nicht gerne, tage- oder wochenlang im Unklaren gelassen zu werden, und wandern dann einfach zur Konkurrenz. Insgesamt ist es realistisch, ungefähr ein Viertel der Arbeitszeit für die Bearbeitung von Bewerbungen zu veranschlagen.

Letzter Punkt: die Löhne. Mieckiwicz bemängelt, dass in Start-Ups oftmals zu nachlässig an das Thema herangegangen wird, nach dem Motto: Wir zahlen vielleicht weniger, dafür bekommt ihr aber Aktienanteile. Diesen Fehler solle man keinesfalls machen. Talentierte Leute hätten ihren Preis, und als Unternehmen solle man sich in jedem Fall an den gängigen Markt-Raten orientieren. Dabei sei es nicht unbedingt das Wichtigste, es mit Branchen-Größen wie Google und Co. aufzunehmen. Ein kleines Start-Up könne nicht deren Löhne zahlen, hätte aber die Möglichkeit, mit flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeit-Modellen oder Heimarbeit ansprechende Alternativen zu bieten.  

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Selim Baykara
Selim Baykara
Selim Baykara studiert Anglistik, Amerikanistik und Soziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
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