Warum es sinnlos ist, Entwickler zu Ingenieuren machen zu wollen - JAXenter

Warum es sinnlos ist, Entwickler zu Ingenieuren machen zu wollen

Mirijam Lorenz

Entwickler arbeiten nicht wie Ingenieure und werden es auch nie tun. De facto wird das Entwickeln von Software niemals konform sein mit den starren Prinzipien von Ingenieuren. So sieht das zumindest John Sonmez. In seinem viel beachteten Blogeintrag „Why Software Development Will Never be Engineering“ will er zeigen, warum der Unterschied so groß ist.

Zum Vergleich zieht er den Brückenbau heran, seiner Meinung nach eine unbestreitbar „ausgewachsene“ Ingenieurs-Disziplin. Menschen bauen Brücken seit hunderten von Jahren nach festen Regeln. Ganz anders verhält es sich mit Software, meint Sonmez:

Bridge building has a fixed set of requirements that are pretty close to the same for each bridge you build, but software development is a big open void of whims and ambiguously contradictory statements.

Natürlich ist es nicht damit getan, eine Brücke einfach nur zu bauen, auch sie müsse ab und an gewartet werden. Die Hauptaufgabe sei aber erledigt. Software bedürfe hingegen weitaus mehr an Pflege. Nach der ersten Entwicklung gehe es erst richtig los, Software muss verbessert, debuggt, erweitert, angepasst, etc. werden. So kommt Sonmez zu dem Schluss: Software ist nicht starr, sie ist mehr wie eine lebende Kreatur.

Software is living, bridges aren’t. When you are done building a bridge, you are done building the bridge.

Ein Ingenieur wird ein Entwickler deshalb seiner Meinung nach niemals sein. Ein Entwickler sei mehr wie ein Arzt, der Eingriffe am lebenden Objekt vornimmt.

Software development is about operating on a living breathing thing and all the while keeping it alive. The truth is, we software developers have more in common with surgeons than with other engineers.

Ein weiterer Unterschied zwischen Ingenieurswesen und Softwarebau sieht Sonmez in der Entwicklungsgeschwindigkeit beider Disziplinen. Während sich die Ingenieurskunst über tausende von Jahren entwickeln konnte, sei der Softwarebau eine recht junge Disziplin, die sich allerdings in ihrer kurzen Lebensspanne aufgrund der schieren Anzahl an Projekten weiter fortentwickelt habe als beispielsweise der Brückenbau.

Software development has become so common place and easy to do from any location due to the high availability of computers and technology that the field has evolved at a very fast pace.

My point is that we have had a such a surge in software development that advances that should have taken place would have taken place, and it did not push software development any closer to engineering. It actually pushed it father away.

Wozu nun aber diese auf den ersten Blick etwas selbstverliebt anmutenden Vergleichsspielchen?

Die eigentliche Stoßrichtung des Blogeintrags wird in einer Antwort Sonmez auf einen seiner Kommentatoren klar: Allen doch recht häufig anzutreffenden Bemühungen, die Software-Entwicklung endlich zu einer „reifen Ingenieursdisziplin“ zu machen, sagt Sonmez: Das ist ein sinnloses Unterfangen:

  • Erstens sind Ingenieurskunst und Softwareentwicklung grundverschieden
  • Zweitens hat sich die Software-Entwicklung bereits weit über den Reifegrad der Ingenieruskunst hinaus weiterentwickelt

Software development has already advanced further than most people think in terms of evolution. If we are waiting for software development to „mature“ and look more like other „mature“ disciplines, it is not going to happen.

Wir sollten laut Sonmez also aufhören, der Software-Entwicklung einen niedrigen Reifegrad zu unterstellen. Warum sind wir Entwickler nicht selbstbewusster?

Geschrieben von
Mirijam Lorenz
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.