Clash of Cultures

Warum Entwickler das Marketing hassen

Selim Baykara

(c) Shutterstock / Sergey Nivens

Entwickler und Marketingfachleute sind zwei Berufe, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die einen sitzen vor dem Bildschirm, schreiben Code und entwickeln hochkomplexe Computersoftware. Die anderen eilen von Meeting zu Meeting, kommunizieren und stellen sicher, dass das Endprodukt an den Mann gebracht wird. Problematisch wird es nur, wenn es an Verständnis für die Tätigkeit des jeweils anderen fehlt, nicht nur wegen fehlender Wertschätzung, sondern weil darunter die Produktivität des Unternehmens leidet.

In einem Blogbeitrag widmet sich die Autorin Caroline Lares genau diesem Thema und wirft die (nicht ganz ernst gemeinte, aber dennoch bedenkenswerte) Frage auf: Warum hassen sich Entwickler und Marketingfachleute eigentlich? Als hauptsächliche Ursache sieht sie dabei einen Mangel an Einfühlungsvermögen. Beide Gruppen seien so sehr ihrer eigenen Berufswelt mit je spezifischen Regeln und Anforderungen verhaftet, dass es ihnen schwer fiele, sich in die Rolle des anderen hineinzuversetzen.

Falsche Versprechen

Der Marketingfachmann macht z. B. Versprechen, um Kunden zu gewinnen. Dabei ignoriert er die Tatsache, dass ein Produkt nicht unendlich viele Features haben kann, was dazu führt, dass Versprechen gebrochen werden müssen – sehr zum Ärgernis des Entwicklers, der als Schuldiger dasteht. Dazu komme ein generelles Unwissen über den Entwicklungsprozess. Da nur die wenigsten Marketingfachleute selbst schon einmal ein Programm entwickelt hätten, verstünden sie generell nur wenig von den Eigenheiten und Feinheiten des Programmierprozesses. Das führe dann gleich zum nächsten Problem, nämlich wenn Marketingspezialisten Behauptungen über spezifische Eigenheiten des Produkts machen, die letzten Endes überhaupt nicht zutreffen.

Lästige E-Mails

Dazu kommen laut Caroline Lares generelle Unarten, denen sich Entwickler von Seiten des Marketings immer wieder ausgesetzt sehen: störende E-Mails, die immer genau  dann im Postfach eintreffen, wenn man kurz vor der Lösung eines wichtigen Problems steht, zeitraubende Anfragen zur Bewertung einzelner Features und die Bitte, nachträglich noch schnell neue Zusatzfunktionen einzufügen, ohne Rücksicht darauf, was umgesetzt werden kann und was nicht.

Leider wird die Fragestellung rein aus Entwicklerperspektive behandelt. Interessant wäre es gewesen, auch einmal die andere Seite zu befragen und zu hören, was Marketingfachleute an Entwicklern stört. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich da einiges ausmalen: unkommunikative Programmierer, fehlendes Feedback sowie das Verzetteln in technischen Details und Spitzfindigkeiten. Diese Debatte ist in jedem Fall noch lange nicht entschieden…

Aufmacherbild: One hand preventing punch attack of another hand von Shutterstock / Urheberrecht:  Sergey Nivens

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Selim Baykara
Selim Baykara
Selim Baykara studiert Anglistik, Amerikanistik und Soziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
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Genia Holsing
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Ich bin seit über 10 Jahren im Software-Marketing Umfeld unterwegs und haben dazu einige Beobachtungen. Zum einen würde ich Marketing hier um Vertrieb erweitern, zumindest im B2B Umfeld ist der Bereich stärker an der Kundenkommunikation beteiligt. Und ja, nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten deckungsgleiche Versprechungen sind Realität und sorgen für gegenseitiges Unverständnis. Die Lösung ist einfach und kompliziert zugleich. Jeder Entwickler sollte mal in konkreten Kundenprojekten geschnuppert haben, und jeder Marketer/Vertriebler mal programmiert haben. Meine Turbo-Pascal-Erfahrungen aus der Schulzeit sind für mich nach wie vor Gold wert, wenn ich versuche die gleiche Sprache zu finden, wie meine Kollegen. Zum anderen… Read more »