oder: Wofür steht eigentlich das W?

W-JAX, die Wissensvorsprungs-JAX [W-JAX Blog]

Marc Teufel

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die kleinere Schwester der JAX eigentlich W-JAX heißt? Im Prinzip sind es doch genau die gleichen Konferenzen, mit gleichem Themenspektrum. Der einzige Unterschied ist, dass die W-JAX im Vergleich zu ihrer großen Schwester in der Vergangenheit immer etwas „kleiner“ ausfiel. Wobei man, betrachtet man die diesjährige W-JAX, schon feststellen muss, dass auch hier ein deutliches Teilnehmerwachstum erkennbar ist und bedingt durch die Räumlichkeiten im Grand Westin Hotel der Kuschelfaktor zwangsläufig zunimmt. Aber zurück zur eigentlichen Frage. Früher gab es tatsächlich einen feinen Unterschied zwischen den beiden JAXen, nämlich der, dass die W-JAX traditionell verstärkten Bezug auf Web-Technologien allgemein und Web Services im Besonderen nahm. Später ist man dann dazu übergegangen, das W einfach zu Winter zu deklarieren. Winter-JAX passt aber auch nicht so recht ins Bild, denn die W-JAX findet doch gar nicht im Winter sondern im Spätherbst statt.

Betrachtet man das Themenspektrum der W-JAX, könnte man auch von einer Weitblick-JAX sprechen, denn viele Inhalte beschäftigen sich nicht mehr nur mit aktuellen Problemen, sondern zunehmend mit neuen Entwicklungen, Trends und Bewegungen im Java-Umfeld aber – und das ist wichtig – auch darüber hinaus. Der New School Web Day am Mittwoch zum Beispiel ist so ein Special Day, der genau in diese Kerbe schlägt und dem ursprünglichen Begriff W-JAX mit seinem Bezug auf das Web vielleicht am Nächsten kommt. Im Rahmen des New School Web Days ging es darum, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und darzustellen, wie und warum moderne Web-Anwendungen vor neuen Herausforderungen stehen. Neben der zunehmenden Zahl an mobilen Clients (Stichwort Smartphone) gibt es neue Protokolle und APIs wie WebSocket und SPDY, auch JavaScript nimmt eine immer wichtigere Rolle in dem Themenkomplex Web-Anwendungen ein. Gleich der erste Vortrag beschäftigte sich dann auch mit WebSockets, wo sehr schon aufgezeigt wurde, wo der Standard (1) gerade steht und was man heute schon alles damit machen kann. Ein weiterer interessanter Vortrag beschäftigte sich etwas später mit Netty. Bei Netty handelt es sich um ein Framework, mit dem man Event-gesteuerte offensichtlich sehr performante asynchrone Netzwerkanwendungen schreiben kann. Netty scheint damit eine gute Alternative zu Apache MINA zu sein, außerdem kommt Netty (2) bei Größen wie Red Hat und Twitter zum Einsatz. Aktuell wird die vierte Generation von Netty entwickelt, welche umfangreiche Änderungen auch am API mit sich bringt, worauf der Speaker ausführlich und gut eingegangen ist. Die meisten seiner Ausführungen lassen sich übrigens auch hier (3) nachlesen. Wer Anwendungen schreibt, die mit Netzwerk zu tun haben, dem sei in jedem Falle angeraten, sich Netty mal etwas näher anzuschauen – es war jedenfalls großes Interesse zu erkennen, denn der Raum war gut gefüllt oder, anders ausgedrückt: Es wurde auch hier recht kuschelig.

Der Mittwoch hat mit seinen vielen Sessions wieder einmal bewiesen, dass die W-JAX auch als Was/Wie/Warum-JAX bezeichnet werden kann. So startete der Spring Day mit der Session „Spring 3.2: Themen und Trends“ und hat zunächst geklärt, dass es Funktionalitäten aus Java EE 7 und JDK 8 wohl nicht mehr ins Release 3.2 schaffen werden. Der Grund ist ganz einfach: Java EE 7 und JDK 8 sind einfach noch nicht fertig. Man hat sich bei Spring jedoch dazu entschlossen, ab sofort im Jahres-Rhythmus zu veröffentlichen. Die neuen Versionen von JEE und JDK werden demnach also erst in Release 3.3 Ende nächsten Jahres im Spring Framework angekommen sein. Im Rahmen dieser Session, aber auch einiger anderer Sessions, wurde immer wieder auch das Date and Time API von Java kritisiert und darauf hingewiesen, dass man dieses am besten nicht mehr verwenden sollte, stattdessen lieber Joda-Time (4) einsetzen sollte. Das neue Date and Time API in JDK 8 wird übrigens vom gleichen Entwickler wie Joda-Time vorangetrieben. Ferner kann man davon ausgehen, dass dieses mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eines der ersten neuen APIs ist, das in der Iteration 3.3 von Spring umgesetzt werden wird. Sehr interessant waren auch die Neuigkeiten rund um Servlet 3.0 und Spring. So gibt es mit dem bereits in Spring 3.1 hinzugekommenen WebApplicationInitializer die Möglichkeit, im Prinzip komplett auf die web.xml zu verzichten. So lässt sich komplett programmgesteuert der ApplicationContext initialisieren und laden und Servlets beziehungsweise Listener manuell registieren. Mehr Information und Beispiele zum WebApplicationInitializer findet man hier (5).

Damit gehen für mich zwei ereignisreiche Konferenztage zu Ende, bei denen es viele neue Informationen, aber wieder viele nette Gespräche mit alten Bekannten und neuen Gesichtern gab. Alles in allem komme ich für mich zu dem Schluss, dass W-JAX für Wow, das war cool!-JAX stehen müsste!

Marc Teufel arbeitet als Software-Architekt bei der hama GmbH & Co und ist dort für die Entwicklung großer Java-Anwendungen im Logistikzentrum zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Java und .NET, hat drei Bücher zu Web Services publiziert und spricht regelmäßig auf Fachkonferenzen.
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Marc Teufel
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