W-JAX 2010 startet mit neuem Besucherrekord

Hartmut Schlosser

In München startete heute die W-JAX 2010, die Fachkonferenz für Java, Architektur, Agile und Cloud. Fünf Tage lang können sich Entwickler, Architekten und Entscheider über aktuelle Themen aus dem Java-Bereich informieren und sich mit nationalen und internationalen Szenengrößen austauschen. 130 Sprecher, 35 Aussteller und insgesamt über 170 Vorträge, Workshops und Diskussionspanels bilden das Line-Up der W-JAX, die zum neunten Mal in der Weißwurst-Metropole stattfindet. Insgesamt werden sich rund 1100 Teilnehmer auf der W-JAX versammeln – was in der W-JAX-Geschichte wieder einmal ein neuer Besucherrekord darstellt.

Der heutige Montag stand ganz im Zeichen der verschiedenen Technologie-Workshops – von Java EE 6 über lose gekoppelte Services, Scala, Apache Wicket bis zu Spring 3.0 – und bot mit dem Agile Day einen zusammenhängenden Thementag, der sich ganz der agilen Softwareentwicklung widmete.

Unter der Moderation von Agile-Coach Jutta Eckstein ging es um Scrum, XP, Lean und agile Vorgehensweisen, wobei sich die Sprecher keine Theoriebeschreibungen sondern Praxisberichte und die Vermittlung von Erfahrungswissen auf die Fahnen geschrieben haben.

So zeigte Matthias Lübken gleich zu Beginn „agile Techniken ungeschminkt“ und wies auf die Diskrepanz zwischen „reiner Lehre“ und erfahrungserprobten Techniken hin. In kurzen Pecha-Kucha-Sessions präsentierten Johannes Link, Dierk König, Martin Heider und Bernd Schiffer ihre Reisetipps aus dem agilen Koffer, wobei jeder Sprecher nur 20 Folien à 20 Sekunden Zeit hatte, seine Botschaft an den Mann zu bringen.

Pecha Kucha mit Bernd Schiffer, Martin Heider, Dierk König und Johannes Link

Einen Praxisbericht aus dem Bankenumfeld bot Markus Sprunck von der UniCredit-Gruppe. Seiner Erfahrung nach wird Agilität oft mit einer größeren Freiheit und Leichtigkeit beim Entwickeln verwechselt, ohne dabei wirklich die unterstützenden Methoden zu praktizieren. Agilität erfordere im Gegenteil ein hohes Maß an Disziplin und die Bereitschaft zu Transparenz und ständiger Selbstkontrolle.

Dass dies auch mit Risiken und Versagensängsten verbunden ist, wurde im abschließenden Panel vertieft, in dem sich alle Speaker des Tages den kritischen Fragen aus dem Publikum stellten. Agilität, so wurde dort diskutiert, könne falsch verstanden den Entwickler in eine Art „Selbstversklavung“ treiben, in der durch ein Über-Committment die Grenze zwischen einem positiven „Flow“ und einem Burn-Out überschritten werde. Menschlichkeit, Rückhalt für den Einzelnen und ein positiver Umgang mit Fehlern seien deshalb ebenso wichtig wie das Einhalten von Sprints und Wochenplanzielen.

Auch wurde die provokante Publikumsfrage erörtert, ob Agilität nicht nur etwas für Entwickler sei, die nicht vernünftig spezifizieren könnten. Spruncks überraschende Antwort: In der Tat, diese Aussage könnte sich durchaus als korrekt erweisen. Wenn die Projektanforderungen von vorneherein klar umrissen und unwiderruflich feststünden, sei eine Spezifizierung mit anschließender Ausführung wahrscheinlich die effizientere Lösung.

Allerdings sei die Realität oft die, dass weder Projektmanager noch Kunde genau wüssten, wie genau ihr bestelltes Software-Produkt auszusehen habe. Komme es dann zu Anforderungsverschiebungen oder Kommunikationsproblemen mit dem Kunden, könne eine agile Methodik mit ihren Grundsätzen: „Customer Collaboration over Contract Negotiation“, „Working Software over Comprehensive Documentation“, „Individuals and Interactions over Processes and Tools“ die nötige Flexibilität gewährleisten, um das Projekt an die veränderte Situation anzupassen und zu einem befriedigenden Ergebnis zu führen.

Die W-JAX-Hauptkonferenz wird am morgigen Dienstag mit der Eröffnungskeynote von Conference Chair Sebastian Meyen eingeleitet. In der Folge stehen den Besuchern neben dem Hauptprogramm 16 Thementage in 9 parallel verlaufenden Tracks offen. Ausklingen wird der morgige Dienstag mit dem Ballroom, wo die Diskussionen echt bayrisch bei Weißbier und Brezn bis in die Nacht fortgeführt werden können.

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Hartmut Schlosser
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