Buchtipp

Vorgehensmuster für Softwarearchitektur

Michael Müller

In agilen Zeiten wird die Rolle des Architekten manchmal verneint. Dennoch, auch wenn es in einigen Vorgehensweisen keine explizite Architektenrolle gibt, so ist in agilen Projekten, wie in jedem anderen Softwareprojekt, Architekturarbeit erforderlich. Sie wird vom Team, häufiger jedoch von wenigen besonders erfahrenen Personen, durchgeführt. Und so mag sich die Arbeitsweise von der eines klassischen Architekten in bestimmten Aspekten unterscheiden, insbesondere darin, dass solche Architekten dies nicht als Vollzeitjob, sondern neben ihrer Entwicklerarbeit erledigen.

Autor(en)

Stefan Toth

Titel

Vorgehensmuster für Softwarearchitektur

Untertitel

Kombinierbare Praktiken in Zeiten von Agile und Lean

Seiten

249

Preis

34,99 Euro

Verlag

Carl Hanser Verlag

Jahr

2013

ISBN

978-3-446-43615-2

Und so beschreibt Stefan Toth auch nicht die Softwarearchitektur als großes Ganzes, sondern teilt sie in einzelne Praktiken ein, die je nach Intensität der Architekturarbeit einzeln oder kombiniert eingesetzt werden können. Damit spricht das Buch sowohl Teilzeit- als auch Vollzeit-Softwarearchitekten an.

Softwarearchitektur – was ist das?

Der Autor behauptet, wenn man diese Frage zehn Softwareentwicklern stelle, erhalte man zehn unterschiedliche Antworten. Und so definiert er, was er im Buch darunter versteht, wobei er auf eine Definition von Martin Fowler zurückgreift. Zudem erläutert er sein Vorhaben, typische Vorgehensweisen einzeln in Form von Architekturmustern zu beschreiben. Dies ist nicht mit den bekannten Software-Design-Mustern zu verwechseln, die wiederkehrende Problemstellungen lösen. Und auch nicht mit Architekturmustern, die sich mit Softwaremodellierung auf einem höheren Abstraktionsniveau beschäftigen.

In diesem Buch geht es vielmehr darum, wie Architekturarbeit durchzuführen ist, wie man erkennt, wann grundsätzliche Entscheidungen zu treffen sind, wie die Zusammenarbeit im bzw. mit dem Team und anderen Stakeholdern zu gestalten ist und mehr. Die Muster, die Stefan Toth in seinem Buch vorstellt, sind alle relativ kurz gehalten und decken teilweise überlappende Aspekte ab. Diese Kürze erlaubt es dem Leser, sich genau die Ratschläge und Vorgehensweisen herauszupicken, die für die eigene Arbeit gerade sinnvoll sind, und diese je nach Bedarf zu kombinieren.

Aufteilung in Muster

Nach Einleitung und Erläuterung seines Vorhabens gruppiert der Autor seine Muster in vier Bereiche, die durch jeweils eigene Kapitel abgedeckt werden. Zunächst geht es um die Basis der Arbeit, z. B. das Erarbeiten und Pflegen von Anforderungen und deren Abbildung in Szenarien. Weiter wird der Frage nachgegangen, ob Architekturanforderungen immer sofort entschieden werden müssen, oder ob sie als technische Schulden in die Zukunft geschoben werden sollten. Das Kapitel „Richtig entscheiden“ befasst sich mit der Trennung der Architekturarbeit vom Rest – ohne einen Elfenbeinturm zu schaffen – und den Fragen, wann Entscheidungen zu treffen sind, und wie viel im Vorfeld oder im Laufe des Projektes zu entscheiden ist. Dazu gehören auch die vernünftige Abwägung von Risiken oder Ad-hoc-Architektursitzungen. Auch ob eine Zusammenarbeit mit Stakeholdern oder im Team vorzuziehen ist, wird abgewogen, sowie die Frage, ob und wann eher eine einsame oder gemeinsame Entscheidung gefällt werden sollte. Und schließlich der Abgleich mit der Realität: Hier stellt Toth einige Muster vor, beispielsweise dazu, wie Qualität erreicht wird und wie Architekturziele laufend mit dem Zustand der Software abgeglichen werden können.

Fazit

Es handelt sich also nicht um ein klassisches Buch, das Architekturarbeit oder mehr oder weniger sinnvolle Softwarearchitekturen en bloc beschreibt. Durch die Aufteilung in Muster erhält der Leser eher leichtgewichtige Häppchen, die er je nach Bedarf kombinieren kann. Und jedes dieser Muster leitet der Autor mit einem Dialog der Protagonisten – Mitarbeiter eines fiktiven Unternehmens – ein. Dies zeigt den Praxiskontext auf und hilft dem Leser, die Muster entsprechen einzuordnen. Sodann wird die Problemstellung aufgeführt und das empfohlene Vorgehen beschrieben. Durchgängig gibt es außerdem Tipps zum Scheitern, nach dem Motto: So lieber nicht.

Insgesamt ergibt sich so ein Buch, das vom Leser auch als Nachschlagewerk für bestimmte Situationen genutzt werden kann, als Anregung zum Gestalten guter Architekturarbeit.

Geschrieben von
Michael Müller
Michael Müller
Michael Müller verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung, Training und Consulting, davon rund 25 Jahre im Gesundheitswesen. Er leitet den Bereich Softwareentwicklung bei der InEK GmbH. Daneben betätigt er sich als freier Autor und Blogger. Er ist Mitglied der JSF Expert-Group, des NetBeans Dream Team sowie der JUG Cologne.
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