Optimierung für den Android Market

Vom Auffallen und Gefallen

Johannes Borchardt

Android-Anwendungen zu entwickeln ist die eine Sache; die andere ist es, sie zu vermarkten. Dieser Artikel gibt eine Einführung in die App-Store-Optimierung, die hilft, die eigene App im Android Market auffindbar zu machen und damit mehr Downloads zu generieren.

App Store Optimization (ASO) beschreibt alle Tätigkeiten, die dazu beitragen, eine Anwendung in einem App Store – im Fall einer Android-App ist dies meistens der Android Market – zu höherer Sichtbarkeit und mehr Downloads zu verhelfen [1]. Der Begriff beinhaltet also die Optimierung auf vielen Gebieten. Er schließt Android Market SEO, Nutzerkontakt, User Experience und Promotion ein. Da der Rahmen dieses Artikels nicht all diese Gebiete abdecken kann, wird er sich vor allem auf die direkte Optimierung innerhalb des Android Markets konzentrieren.

Motivation

Abbildung 1 zeigt den Downloadverlauf der App „3D-Invaders“ [2]. Am 20. Oktober, kurz vor dem sichtbaren, starken Aufwärtstrend, wurde eine Optimierung der Beschreibung der App vorgenommen. Diese Ergebnisse sind wiederholbar und lassen sich mit Apps unterschiedlichster Typen erzielen.

Abb. 1: Downloadverlauf der App „3D-Invaders“ vor und nach einer App Store Optimization
Der Teufelskreis der Android-Market-Top-Listen

Im Android Market gibt es unterschiedliche, stark exponierte Top-Listen. Darauf befinden sich z. B. die erfolgreichsten kostenpflichtigen oder freien Apps oder auch diejenigen mit dem aktuell größten Potenzial („Trends“). Hat man es einmal auf eine hohe Position auf einer dieser Listen geschafft, sind hohe Downloadzahlen garantiert. So kann eine kostenlose Anwendung, die sich im vorderen Bereich der „Trends“-Liste befindet, beispielsweise durchaus mit 40 000 Downloads am Tag rechnen. Viele Downloads wiederum führen erneut zu tendenziell besseren Positionen auf den Top-Listen, wodurch wiederum noch mehr Downloads generiert werden. So entsteht eine „Teufelskreis“ der Downloadzahlen. Diesen gilt es zu durchbrechen. Es liegt nahe, durch einen furiosen Start die erst seit Kurzem verfügbare „Trends“-Liste des Android Markets anzuvisieren und über dieses Sprungbrett auch in den anderen Top-Listen eine gute Position zu ergattern. Dies kann durch virales Marketing, das Anschreiben vieler Blogs und natürlich eine überzeugende Anwendung geschehen. Befindet sich die Anwendung bereits längere Zeit im Market, handelt es sich um eine Nischenanwendung oder stehen die entsprechenden Mittel nicht zur Verfügung, müssen andere Wege gegangen werden. Diese werden nun erläutert.

Die Nutzer – Browser und Sucher

Klassifiziert man die Nutzer einer Produktsuchmaschine, wie es der Android Market ist, unterteilt man diese klassischerweise in zwei Gruppen: die Browser und die Sucher („Searcher“).

Browser haben kein definiertes Ziel bei ihrer Suche. Sie durchsuchen die einzelnen Kategorien und entscheiden sich für die Produkte, die sie ansprechen. Sie durchsuchen dabei vor allem die Apps, die sich in der „Vorgestellt“-Sektion und den vorderen Bereichen der Top-Listen des Android Markets befinden. Auf der anderen Seite sucht der „Searcher“ nach einem bestimmten Produkt. Er wird zum Beispiel mit der Suchfunktion nach „Diktiergerät“, „Voice Recorder“ oder ähnlichem suchen, wenn er eine Anwendung für das Aufnehmen von Sprache benötigt. Er wird sich daraufhin meist das erste Ergebnis seiner Suche, sofern es kostenlos ist, ansehen und es, falls ihm die Beschreibung, das Icon, die Screenshots und eventuell das Promo-Video zusagen, installieren. Gefällt dem User nicht, was er sieht, werden die zweiten, dritten usw. Ergebnisse der Suche inspiziert und evtl. heruntergeladen.

Befindet man sich also nicht bereits weit oben in einer der Top-Listen, sind es die Sucher, die einem zu Downloads und damit zu höheren Platzierungen verhelfen. Wichtige Faktoren, um diese Zielgruppe anzusprechen, sind der passende Titel und die richtige Beschreibung einer App.

Der Titel

Die Optimierung des Titels und der Beschreibung einer Anwendung im Android Market ist einer der wichtigsten Schritte der Optimierung einer App. Die Beschreibung und der Titel einer Anwendung sind zunächst die einzigen Elemente, die dem Android-Market-Suchalgorithmus für die Zuordnung einer Anwendung zu Keywords zur Verfügung stehen. Des Weiteren sind es die einzigen Möglichkeiten, potenziellen Nutzern in schriftlicher Form näher zu bringen, welche Probleme die Anwendung löst. Der Titel hat darüber hinaus, zusammen mit dem Icon, die Aufgabe, den Nutzer anzusprechen und dazu zu bringen, sich die Detailseite einer Anwendung anzusehen. Wie sollte ein Titel also gestaltet sein? Prinzipiell gibt es drei mögliche Wege:

  1. Es wird eine Fantasiemarke mit Wiedererkennungswert und klarer Abgrenzung zu anderen Produkten etabliert. Ein gutes Beispiel für eine solche Marke ist der Name „Angry Birds“ [3]. Dieser Weg sollte möglichst mit den entsprechenden Marketingmitteln unterstützt werden, da ein gewisser Bekanntheitsgrad die Voraussetzung für den häufigen Download der App ist.
  2. Das Produkt wird allein durch seinen Namen so klar und einfach wie möglich beschrieben. Dadurch ist sich der Nutzer zum Einen darüber im Klaren, was die Anwendung bietet, zum Anderen wird dem Android Market-Suchalgorithmus ein schwer gewichteter Keyword String zur Verfügung gestellt. Ein gutes Beispiel für eine prägnant benannte App ist „Voice Recorder“ von Mamoru Tokashiki [4].
  3. Die Kombination aus 1. und 2. Hierbei wird ein Fantasietitel mit einer Eigenschaft der Anwendung kombiniert, zum Beispiel „Shaky Towers (physics game)“ [5].

Für Anwendungen, die sich auf die Auffindbarkeit für Sucher konzentrieren, sind Weg 2 oder Weg 3 also die sinnvollsten. Es sollte demnach ein Titel für die App gefunden werden, der möglichst prägnant beschreibt, wie sie sich anwenden lässt.

Wenn eine Anwendung mehrere Aufgaben erfüllt, sollte zunächst eine kurze Analyse der Keywords erfolgen. Dies kann geschehen, indem man für die unterschiedlichen Keywords Suchen im Android Market startet und die jeweils weit oben platzierten Wettbewerber und deren Downloadzahlen anhand von Metriken, wie den ungefähren Downloads pro Tag (Kasten: „Bestimmen der ungefähren Downloads pro Tag“), bewertet. Anschließend können die so erzielten Ergebnisse verglichen und die erfolgversprechendsten Keywords bestimmt werden.

Bestimmen der ungefähren Downloads pro Tag

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zur Bestimmung des Veröffentlichungsdatums einer App. Die wohl einfachste ist das Hinzuziehen von entsprechenden Websites, wie zum Beispiel appbrain.com [6]. Anhand der dort vermerkten Meilensteine in der Download-Historie lässt sich ebenfalls annehmen, über wie viele Downloads die Anwendung derzeit verfügt. Mit diesen Daten kann anschließend eine Approximation über die durchschnittlichen Downloads pro Tag errechnet werden.

Geschrieben von
Johannes Borchardt
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