Vodafone für vernetzte Autos, Head-Up Display gegen Reizüberflutung und eine Drohne für Adrenalinsüchtige [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter, Christoph Ebert
© S&S Media

ThingWorx stellt Version 5.0 seiner Plattform vor – US-Startup entwickelt minimalistisches Head-up Display – Debatte um MQTT wird hitziger – Vodafone betritt den Connected-Car-Markt – HEXO+: Drohne für Outdoor-Reportagen und mehr

ThingWorx Platform 5.0

ThingWorx und PTC schließen sich dem Industrial Internet Consortium an, wie sie in dieser Woche mitteilten. Parallel veröffentlichte ThingWorx Version 5.0 seiner Rapid Application Development Platform. Diese bietet erstmals die Option „Federated Server Deployment“, also Deployments, die gleichzeitig in Cloud-, On-Premise-, hybriden und On-Device-Umgebungen erfolgen können. Damit sollen sich Anwendungen im Handumdrehen erstellen und auf Millionen von Geräten auf einer weltweiten Infrastruktur deployen und skalieren lassen.

An Bord der neuen Version ist neben dem Sicherheitsmodell „MatrixMultitenancy“ ein proprietäres Protokoll mit dem Namen „AlwaysOn“, das eine bidirektionale, sichere Kommunikation ermöglicht und dabei besonders leichtgewichtig sein soll. Mit den ebenfalls ausgelieferten SDKs soll jeder Anwendungen in der von ihm bevorzugten Sprache schreiben können: Java, .NET, C, iOS und Android.

ThingWorx ist eine preisgekrönte Entwicklungsplattform für das Internet der Dinge mit besonderem Augenmerk auf Interoperabilität. Ende 2013 hatte PTC ThingWorx für 112 Millionen Dollar übernommen. Das vier Jahre junge Unternehmen soll dem alteingesessenen US-amerikanische Hersteller von Computer-aided Design-(CAD)-Software dabei helfen, sich eine Position auf dem IoT-Markt zu sichern. 

Minimalistisches Head-up-Display

Tragbare Video-Displays, die man heutzutage auf dem Markt findet, sind meist ebenso klobige wie schwere Apparaturen. Klar: Akku und elektronische Komponenten erfordern nun mal einen gewissen Platz. Will man solche sogenannten Head-up-Displays (HUD) in potenziell gefährlichen Einsatzszenarien verwenden, erweisen sich solche Abmessungen schnell als problematisch. Darüber hinaus kann die Vielzahl der angezeigten Informationen zu einer Reizüberflutung beim Nutzer. Das Startup Heads Up Display Inc. aus Buffalo im US-Bundesstaat New York will dies ändern. Ihr leichtgewichtiges HUD namens „Heads Up“ soll bei Bauarbeiten, im Bergbau, bei Container-Verladungen oder bei Bohrungen zum Einsatz kommen. Das HUD dient vor allem dazu, seinen Träger vor Sicherheitsrisiken zu waren, beispielsweise vor zu hohen Schallpegeln oder gefährlichen Gasen.

Die Anzeigetechnik des Heads Up beruht nicht auf einem hochauflösenden Display, sondern auf lediglich vier farbigen LEDs, die per WiFi-Verbindung und Sensoren gesteuert werden. Entsprechend vereinfacht ist die Funktionsweise: Sicherheitsrisiken werden dem Träger durch verschiedene Lichtmuster angezeigt. Clark Dever, Mitgründer von Heads Up Display Inc., empfiehlt Kunden, das HUD so zu programmieren, dass die LEDs 99 Prozent der Zeit ausgeschaltet bleiben. „Nur so verhindert man, dass es zu einem Phänomen namens ‚Veränderungsblindheit‘ kommt“, erklärt Dever. Aktiviert werden die LEDs durch Netzwerkverbindungen und Apps, die auf einem zusätzlichen Smart Device des Nutzer laufen (Smartphone oder Tablet). Denn Heads Up ist keine komplette Brille, sondern ein Zubehör, das sich an jede gängige Sicherheitsbrille anbringen lassen soll. Die Warnsignale oder Handlungsaufforderungen können lokal oder automatisch ausgelöst werden, beispielsweise durch veränderte Sensorenwerte (Puls, Lautstärke, Höhe, etc.).

Head-Up Display

Dank der Verwendung von Bluetooth Low Energy (BLE) soll der Akku zwischen 24 bis 48 Stunden durchhalten. In Zukunft könnte auch der drahtlose Kommunikationsstandard Z-Wave zum Einsatz kommen, um Nutzergruppen Ad-hoc-Verbindungen untereinander zu ermöglichen. Der verbaute Mikroprozessor ist Arduino-kompatibel und kann für spezifische Use Cases umprogrammiert werden.

Neben der Industrie verspricht sich Clark Dever Kunden bzw. Abnehmer im Verteidigungs- und Consumer-Sektor. Darüber hinaus will Heads Up in Kürze eine Crowdfunding-Kampagne starten, die sich an Maker, Hacker, Entwickler und auch Sportler richtet. Dever selbst hat das HUD während eines Marathons erfolgreich zur Performance-Kontrolle eingesetzt, um Puls, Geschwindigkeit, Kadenz und Atmung zu überwachen. Eine Version des HUD für Consumer soll in Zukunft auch mit erhältlichen Fitness-Apps zusammenarbeiten. Darüber hinaus wollen die Gründer noch ein RESTful API und iOS- bzw. Android-Apps bauen, damit sich das HUD einfacher in existierende System integrieren lässt. Die Auslieferung des Heads Up ist  laut Clark Dever für das vierte Quartal 2014 geplant. Das folgende Video zeigt die Funktionsweise der LEDs.

MQTT im Debattierklub, Teil 2

Der Schlagabtausch um das Protokoll MQTT (wir berichteten letzte Woche) geht in die zweite Runde – und wird zusehends hitziger: Nach Tim Kellogg veröffentlichte auch Peter Niblett eine Replik auf Clemens Vasters’ Kritik, und zwar, nota bene, im IBM-Blog. Obwohl Open Source und von diversen Firmen verwendet, könnte MQTT nun also doch zum Zankapfel zweier großer Konzerne werden: Microsoft und IBM. Zwar führt Vasters die Diskussion aus persönlicher Warte auf seinem privaten Blog; seine Position bei Microsoft und der Azure-Bezug lassen sich in diesem Wortgefecht allerdings schwerlich ausblenden. TLDR: Niblett unternimmt in seinem Eintrag den Versuch, drei Kritikpunkte aus Vasters’ ursprünglichem Post, der die Debatte losgetreten hatte, zu widerlegen: dass MQTT fürs IoT untauglich sei, dass einige seiner Features serverseitig schwierig bis unmöglich umzusetzen seien und dass es sich wegen unzureichender Funktionalität nicht als Messaging-Protokoll eigne.

Vasters reagierte darauf mit einem weiteren Blogeintrag. Darin beharrt er auf seinem Standpunkt. Niblett habe seine Argumente gegen MQTT nicht widerlegt, sondern lediglich weitere technische Aspekte und Erläuterungen zur Spezifikation geliefert. Diese seien kein Anlass, seine ursprünglichen Aussagen zu revidieren. Für komplexe Messaging-Infrastrukturen sei MQTT schlichtweg ungeeignet, solange die folgenden Probleme nicht gelöst seien:

The protocol needs urgent fixing in error handling, and message metadata flow, it ought to – in my view – provide a clearly delineated set of reliability and feature profiles making features like retain, Will, and QoS 1/2 optionally layered as some are very hard to implement correctly at scale or require special authorization and resource governance models, and it needs to take firm ownership of authorization and its on-wire security model, including explicitly allowing for token-based authorization of sessions.

Reden die Parteien aneinander vorbei, d. h. von völlig verschiedenen IoT-Anwendungsfällen? Sind die Schwächen MQTTs nichts weiter als Kinderkrankheiten, die sich ohne weiteres beheben lassen? Oder ist der Hype um MQTT unberechtigt? Hat sich die MQTT-Community in eine Echokammer zurückgezogen, in der man sich gegenseitig selbst bestärkt und kritische Töne gern überhört? Ein Bild davon macht man sich am besten, indem man sich die ausführlichen Blogposts selbst zu Gemüte führt. Denn auch wenn mit immer härteren Bandagen gekämpft wird, ist die Diskussion bislang konstruktiv und lehrreich. 

Cobra: Vodafones Eintrittskarte in den Connected-Car-Markt

Vodafone gab diese Woche in einer Pressemitteilung bekannt, den Connected-Car-Spezialisten Cobra kaufen zu wollen. 145 Millionen Euro bietet der Telefonnetzbetreiber für den italienischen Konzern. Mit der Übernahme wolle Vodafone seine M2M-Kompetenzen über die reine Konnektivität hinaus ausdehnen, heißt es in der Mitteilung. Cobras Connected-Car-Lösungen seien ein wichtiger Trittstein hin einem größeren Spektrum an Komplettlosungen für den Automobilbereich. Im Wettbewerb um Anteile auf dem Connected-Car-Markt geht es hoch her. Zahlreiche Partnerschaften zwischen Automobil-, Software und Telekommunikationskonzernen wurden in den vergangenen Monaten geschlossen. Vor einigen Wochen gaben Tesla und Telefónica ein Connected-Car-Bündnis bekannt

Drohne für Extremsportler: HEXO+

Höher, schneller, weiter, gefährlicher: Wen fesseln sie nicht, die spannenden Outdoor-Reportagen, in denen wagemutige Extremsportler an die Grenzen des Menschenmöglichen gehen? Und wenn man nicht gerade adrenalingeladen mitfiebert, fragt man sich: Wer filmt das Spektakel eigentlich? Wer begleitet die Kletterer, die an vertikalen Wänden kleben wie Spiderman? Oder Wingsuit-Artisten, die für den ultimativen Nervenkitzel auf die höchsten Felsen kraxeln? Seit einiger Zeit kommen neben abenteuerlustigen Kamerateams immer mehr fliegende Helferlein zum Einsatz. Bei der European Outdoor Film Tour etwa ist der Einsatz von Kamera-Drohnen, die in luftigen Höhen über den Kletterern schwirren, längst gang und gäbe. Dass es für robuste autonome Kamera-Drohnen einen Markt gibt, zeigt unser Crowdfunding-Projekt der Woche, das sich bereits 25 Tage vor Ende der Kampagne 743.785 US-Dollar an Geldzusagen gesichert hat: HEXO+ ist eine intelligente Drohne, die eine beliebige Person erkennt und ihr selbständig folgt – ob diese nun Motorrad fährt, klettert oder eine Skipiste hinuntersaust. Mittels einer intuitiven Smartphone-App lassen sich Winkel und Abstand (bis zu 50 Meter) zur gefilmten Person vorab einstellen, den Rest erledigt der Hexocopter. An Bord ist eine GoPro Hero3+-Kamera. Der Akku erlaubt bislang nur fünfzehnminütige Flüge. Für eine Notlandungsfunktion bei zu niedrigem Akkuzustand ist allerdings gesorgt. Für die Kommunikation zwischen Smartphone und Drohne ist das MAVLINK-Protokoll zuständig. Dieses wurde von der ETH Zürich entwickelt, die nicht nur in akademischen Kreisen für ihre wegweisende Drohnentechnologie bekannt ist. An Bord der Drohne kommt die quelloffene Software von 3D Robotics zum Einsatz.

 

Geschrieben von
Christoph Ebert
Christoph Ebert
Christoph Ebert stieß im Juli 2011 zum Online-Team von Software & Support Media. Als Redakteur kümmert er sich um das Portfolio von entwickler.press und ist verantwortlich für das Entwickler Magazin und entwickler.de. Davor betreute er die Portale WebMagazin.de, CreateOrDie.de und mobile360.de. Vor seiner Zeit in Frankfurt arbeitete der studierte Amerikanist und Tech-Geek als Redakteur für ein Heimkinofachmagazin im Süden Deutschlands.
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