Suche

Unter Googles Fuchtel: Ist Android noch Open Source?

Selim Baykara

Eigentlich ist Android ja Open Source. Das Betriebssystem wurde zwar ursprünglich von Google entwickelt und als Alternative zu Apples iOS auf den Markt gebracht. Aber jeder kann Android weiterentwickeln, eigene Apps dafür schreiben und diese anschließend auch monetarisieren. So sieht zumindest die Theorie aus. Realität ist, dass Android inzwischen Marktführer unter den mobilen Betriebssystemen ist und Google von diesem Erfolg auch profitieren möchte.

Der Journalist Ron Amadeo zeigt in einem Beitrag auf Ars Technica, welche Methoden das Unternehmen dabei genau anwendet. Der Weg führt vor allem über eine zunehmende Kontrolle des App-Marktes. Damit entzieht das Unternehmen Entwicklern die Verfügungsgewalt über die von ihnen entwickelten Anwendungen und macht sich selbst schrittweise zum unverzichtbaren Mittelpunkt des Android-Ökosystems.

Bewährtes Miteinander von „open“ und „closed“

Grundsätzlich, so Amadeo, habe es bei Android schon immer ein Miteinander von „open“ und „closed“ gegeben: auf der einen Seite das offene Android Open Source Project als Grundgerüst des Betriebssystems, auf der anderen Seite die von Google entwickelten geschlossenen Apps, wie Maps oder G-Mail. Googles Methode bestünde nun darin, immer mehr Anwendungen von Drittanbietern mit den eigenen Apps und Services zu verzahnen oder einfach zu ersetzen.

Für Google bieten sich dabei mehrere Wege an. Eine Methode ist beispielsweise das gezielte Umwandeln von ursprünglich offenen Apps in proprietäre Anwendungen. So geschehen bei der Google Search App. Die offene Anwendung besteht dann immer noch weiter und kann theoretisch auch in Zukunft benutzt werden, aber es gibt keine Updates mehr, und die App verwaist zunehmend, während das geschlossene, von Google betreute Pendant mit immer neuen Features und Zusatzfunktionen ergänzt wird.

Zugute kommt dem Unternehmen dabei die Plattform Google Play, mit der Entwicklern bestimmte Google-eigene APIs wie Kartendaten, Clouddienstleistungen oder Messaging Services zur Verfügung gestellt werden. Möchten Entwickler diese in ihre Apps integrieren, können sie entweder die Google APIs nutzen und sich damit von dem Unternehmen abhängig machen – oder müssen mit eigenen, kostspieligen Alternativen aufwarten, sofern das überhaupt tragbar ist.

Anschauen ja, anfassen nein

Dazu kommt, dass Hersteller von Android Smartphones oder Tablets Google-Apps nicht automatisch benutzen dürfen, sondern erst lizenzieren müssen. Und diese Lizenz gibt es nicht umsonst. Google legt potentiellen Partnern nahe, der Open Handset Alliance (OHA) beizutreten, eine Vereinigung von Firmen, die Android unterstützen. Ist man einmal Mitglied in dieser Allianz, so ist man vertraglich an Googles Unterstützung bei der Freigabe von Geräten gebunden. Eine unschöne Erfahrung musste hier z. B. Acer machen: Das Unternehmen wollte Android-Geräte vertreiben, die mit dem alternativen Betriebssystem Aliyun laufen. Aufgrund der Mitgliedschaft in der OHA wurde es von Google aber aufgefordert, den Verkauf zu unterlassen, wenn es den Zugang zu Googles Apps nicht riskieren wolle.

Insgesamt stimmt Romeos Schlussfolgerung nicht gerade optimistisch: Android sei zwar schon noch zu einem gewissen Grade offen, aber eher im Sinne von „Anschauen erlaubt, Anfassen verboten“. Entwickler, die tragbare Alternativen zu den Google-Dienstleistungen anbieten wollten, hätten es zunehmend schwer, da ihnen der Internetkonzern immer neue Hürden in den Weg stelle und alles daran setze, ein Ausbrechen aus den engen Vorgaben des Unternehmens zu verhindern.

 

Geschrieben von
Selim Baykara
Selim Baykara
Selim Baykara studiert Anglistik, Amerikanistik und Soziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.