Interview mit Steve Goldsmith

Atlassian und Trello wollen die Silos einreißen

Gabriela Motroc

Steve Goldsmith

Das neue Power-Paar Atlassian-Trello hat angekündigt, JIRA, Confluence, HipChat und Bitbucket einen Boost in Form von Power-ups zu spendieren. Diese Erweiterungen versprechen, Office-Silos den Kampf anzusagen und den Wettbewerb am Markt der kollaborativen Software anzuheizen. Wir haben mit Steve Goldsmith, General Manager von HipChat, über Atlassians Pläne gesprochen wie das Unternehmen die Probleme bei der Zusammenarbeit in Teams lösen will.

Brian Cervino, Product Marketing Manager bei Trello, hat angekündigt, dass eine Reihe von Atlassian-Produkten einen Boost via Trello bekommen sollen. Cervino erläutert die Vorteile der so genannten Power-ups: „Issues, Seiten, Branches, Commits und Pull Requests können künftig direkt zu einer Trello-Karte hinzugefügt werden.“ Die Trello-Integration von HipChat ermöglicht es Teams außerdem, die Arbeiten in Trello im Blick zu behalten, ohne dafür den Chatroom in HipChat zu verlassen. Wir haben mit Steve Goldsmith, General Manager von HipChat, über den Wechsel von Arbeitsumgebungen, Atlassians Ass im Ärmel und die Herausforderungen gesprochen, die Hand in Hand mit der wachsenden Beliebtheit von Collaboration Tools einhergehen.

JAXenter: Sowohl eine effektive Kommunikation als auch kollaboratives Arbeiten sind wichtiger als jemals zuvor. Vor zwei Jahren hast du gegenüber Fast Company gesagt, dass eure gemeinsame Branche kein Kuchen mit begrenzter Größe sei, den Slack und HipChat unter sich aufteilen. Hat sich daran etwas geändert? Wie stark ist die Branche inzwischen vom Wettbewerb geprägt?

Die Zahl der Unternehmen, die an Lösungen für die Kollaboration in Teams arbeiten, ist explodiert.

Steve Goldsmith: Wir befinden uns auf einem massiv umkämpften Gebiet, zu dem immer wieder neue Teilnehmer hinzukommen, die auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Einige der Trends, deren Entstehung wir vor zwei Jahren beobachtet haben, sind inzwischen zu Triebfedern für das exponenzielle Wachstum der Branche geworden. Zunehmend mobile und verteilte Teams, Automatisierung und die Anforderung an Teams, komplexe Probleme zu lösen, haben alle zur Explosion der Zahl an Unternehmen beigetragen, die an Lösungen für die Kollaboration in Teams arbeiten.

JAXenter: Es ist allerdings auch so, dass die kleine Auseinandersetzung zwischen Microsoft Teams und Slack bei vielen Menschen den Eindruck hinterlassen hat, dass es eben doch nur eine begrenzte Menge Kuchen zu verteilen gibt. Was hat HipChat geplant, um weiterhin relevant zu bleiben?

Steve Goldsmith: Man muss sich nur mal vorstellen, diese Anzeige wäre zwei Jahre früher in der New York Times erschienen. Keiner der Leser hätte gewusst, worum es darin geht! In den letzten paar Jahren hat sich für kollaborative Software viel verändert: von einer Ausrichtung ausschließlich auf Technologie-Teams hin zu einem überlebenswichtigen Tool für alle Teams im Unternehmen. Und wenn der Zielmarkt groß ist, ist es kein Wunder, dass viele Tech-Riesen in diesem Raum mitwirken wollen.

In den letzten paar Jahren hat sich für kollaborative Software viel verändert.

HipChat hat konstant an innovativen Neuerungen gearbeitet und ist seiner Konkurrenz dadurch voraus. Dazu gehört, dass HipChat die erste Lösung für Gruppen-Videochats auf den Markt gebracht hat und ebenfalls als erstes eingebettet Apps via HipChat Connect unterstützen konnte. HipChat wird auch weiterhin neue und interessante Features auf den Markt bringen, beispielsweise eine Integration für Amazon Alexa.

Atlassian betrachtet den Markt allerdings ganzheitlich und nicht nur als Chat-Sparte. Darum stellen wir Teams ein vollständiges Produktivitätspaket zur Verfügung, das ihnen dabei helfen soll, Dinge schneller und effizienter zu erledigen.

JAXenter: Atlassian hat Anfang dieses Jahres Trello gekauft. Warum Trello, was ist das Endziel?

Steve Goldsmith: Der Erwerb von Trello war eine strategische Entscheidung von uns, weil Trello eine unser Produktpaket ergänzt und die Führungsposition von Atlassian in Sachen Team-Kollaboration ausbaut. Trello ist eine herausragende Collaboration-Plattform mit über 19 Millionen Nutzern. Das Wachstum der Plattform hat sich fast verdoppelt. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Trello noch 10 Millionen Nutzer. Das wird uns dabei helfen, unsere Reichweite bei Teams jenseits der IT zu erweitern. Die Power-ups sind ein erster Schritt dazu, unser mächtiges Werkzeugpaket an die Endnutzer zu bringen.

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JAXenter: Was ist der größte Vorteil gegenüber Asana Boards, um ein Beispiel herauszugreifen?

Steve Goldsmith: Trello war Vorreiter auf dem Gebiet der intuitiven visuellen Systeme, die sich der kniffeligen Herausforderung annehmen, fließende, sich schnell verändernde Arbeit für Teams zu erfassen und zu strukturieren. Es hebt sich von anderen Anbietern auf diesem Gebiet durch seine große Vielzahl an Funktionen ab, sodass Teams ihre Projekte individuell anpassen und sich auf einen Blick einen Übersicht über die Arbeit verschaffen können, die das Team gerade leistet. Alles an einem Platz.

JAXenter: Was bedeutet die verbesserte Trello-Integration für HipChat?

Steve Goldsmith: Eines der größten Probleme, das unsere integrierten Produkte lösen, ist der Wechsel von Kontexten. Vor allem beim Chatten versuchen Teams, ihre Kommunikation um die Arbeit herum zu organisieren. Wenn die Tools, die sie dabei verwenden, aber nicht mit einander integriert sind, müssen sie ständig zwischen Apps hin und her springen, um der Konversation folgen und etwas machen zu können.

Umso mehr Silos es gibt, desto schwerer fällt es Teams Höchstleistungen zu erbringen.

Mit der Trello-Integration für HipChat ist es möglich, dass Teams ihre Arbeit auf Trello unmittelbar aus dem HipChat-Chatroom heraus im Blick behalten. Sie können jetzt über Karten diskutieren und ganz leicht auf Trello springen, um einen Eindruck vom Gesamtbild zu bekommen. Oder, noch besser: Man kann das ganze Hin und Her einer Brainstorming-Session direkt in umsetzbare Items auf Trello überführen, indem man Karten aus HipChat-Nachrichten erstellt.

JAXenter: Tech-Unternehmen versuchen aktiv, Silos abzubauen. Wie geht Atlassian mit diesem Trend um? Gibt es langfristige Pläne?

Steve Goldsmith: Einer der fünf Unternehmenswerte von Atlassian lautet: Open Company, No Bullshit. Wir glauben, dass Transparenz, Offenheit, und Teilhabe entscheidend für den Erfolg von Teams sind. Teams verändern sich heute sehr schnell, sie lösen sich auf und entstehen neu und jeder Mitarbeiter arbeitet zu gleich mit verschiedenen Teams zusammen.

Je mehr Silos es gibt, desto schwerer fällt es Teams, Höchstleistungen zu vollbringen. Wir haben unsere Produkte darauf ausgerichtet, schnell, offen und selbstorganisierend zu sein, um den Bedürfnisse an die fließende, multidisziplinäre Arbeit gerecht zu werden, die von modernen Teams gefordert wird und werden genau so weitermachen.

JAXenter: Vielen Dank!

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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