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Technology Radar von ThoughtWorks: Flutter und Micro-Frontends im Trend

Katharina Degenmann

© Shutterstock / your

Die neueste Ausgabe des halbjährlich erscheinenden Technology Radar des IT-Unternehmens ThoughtWorks nimmt erneut eine Einschätzung der wichtigsten Trends bei der Softwareentwicklung vor. Wir haben uns die Tops & Flops der Bereiche Tools, Plattformen, Technologien sowie Frameworks und Sprachen einmal genauer angesehen.

Das Analysten-Unternehmen ThoughtWorks baut den Technology Radar auf den Erfahrungen der hauseigenen Teams auf. Es handelt sich also nicht um einen Bericht auf Basis eines offenen Surveys, sondern um die subjektive Einschätzung des Unternehmens bzw. eines 20-köpfigen Expertenteams. Die Expertise sowie die langjährigen Marktbeobachtung des Teams ist es zu verdanken, dass sich die halbjährlich durchgeführte Studie trotz fehlender (umfassender) Marktanalyse ein gewisses Renommee in der Szene erarbeiten konnte. Der Technology Radar erscheint in halbjährlichen Abständen.

Der ThoughtWorks Technology Radar teilt die behandelten Plattformen, Frameworks, (Verfahrens)-Techniken, Tools und Sprachen in eine von vier Kategorien ein: Die Kategorie „Hold“ ist sozusagen das Abstellgleis für fraglich gewordene Konzepte. Die Kategorie „Adopt“ entspricht hingegen einer starken Empfehlung, die Technologie zu übernehmen. Unter die beiden Zwischenkategorien „Assess“ und „Trial“ fallen Technologien, die einer genaueren Evaluierung unterzogen werden sollten, bzw. die für einen Probeeinsatz im Unternehmensbereich geeignet sind.

Plattformen

Geht es um Plattformen, überrascht der Survey vor allem in den Bereichen „Hold“ und „Adopt“, denn scheinbar gibt es keine Plattform, die ThoughtWorks für empfehlenswert hält. Doch auch in der entgegengesetzten Richtung, also Plattformen, die mit Vorsichtig zu genießen sind, sind im Radar nicht gelistet. Im Bereich „Trial“ und „Assess“ finden sich allerdings zahlreiche Plattformen wieder.

Den Status „Trial“ tragen etwa Apache Flink und Apollo Auto. Apache Flink habe seit seiner ersten Bewertung im Jahr 2016 zunehmend mehr Akzeptanz erfahren. Flink hat sich als führende Streamprocessing Engine durchgesetzt und sich auch in den Bereichen Batch Processing und Machine Learning allmählich entwickelt, so die Begründung der Experten. Eines der Hauptunterscheidungsmerkmale von Flink gegenüber anderen Streamprocessing Engines sei die Verwendung von konsistenten Checkpoints für den Zustand einer Anwendung.

AWS Cloud Development Kit, GraalVM und Azure DevOps wurden hingegen der Kategorie „Assess“ zugeordnet. Gerade die Einstufung der GraalVM ist kritisch zu hinterfragen. Die Virtual Machine hat in der Java-Community für viel Aufsehen gesorgt – eine Vielzahl von Java-Frameworks (darunter Micronaut, Quarkus und Helidon) nutzen es bereits, so auch die Experten. Wieso GraalVM, trotz dieser positiven Einschätzung, allerdings in der Kategorie „Assess“ gelistet ist, wird an dieser Stelle nicht begründet.

Technologien

Mehr Bewegung ist beim aktuellen Technology Radar im Bereich der Technologien zu sehen. Ganze sechs Technologien zählen hierbei zu den Aufsteigern, darunter Container Security Scanning, Micro Frontends und Pipelines for Infrastructure as Code.

Auf der „roten Liste“ stehen dagegen 10x Engineers, Front-end Integration via Artifact, Lambda Pinball und Legacy Migration Feature Parity („Hold“).

Sprachen und Frameworks

In der Kategorie Sprachen und Frameworks wird lediglich vor Enzyme („Hold“) gewarnt. Bei Enzyme handelt es sich um ein JavaScript-Testprogramm für React-UI-Komponenten. Grund für diese Einstufung seien brüchige, nicht wartbare Tests, beim Einsatz von Enzyme.

Doch auch in diesem untersuchten Trend-Bereich hat wohl weder eine Sprache noch ein Framework besonders herausgestochen, weshalb die Kategorie „Adopt“ unbesetzt bleibt. Arrow, Flutter und Micronaut belegen hingegen die oberen Positionen im Bereich „Trial“ und scheinen damit immerhin etwas von Interesse zu sein. Quarkuss, GraphQL und Swift UI sind im Technologie Radar im Bereich „Asses“ zu finden.

Tools

Drei Werkzeuge, die im aktuellen Bericht das Prädikat „Adopt“ erhalten haben, sind Commitizen, ESLint und React Styleguide. Commitizen ist ein einfaches Werkzeug, um den Commit-Prozess bei der Nutzung von Git zu optimieren. Seine gute Bewertung ist auf Zeiteinsparung und das Vermeiden späterer Rejections eines Commit-Hooks zurückzuführen, so die Begründung.

Ein wenig kritischer wird hingegen Azure Fata Factory for Orchestration eingestuft, nämlich unter „Hold“. Azure Data Factory (ADF) dient zur Orchestrierung von Data-Processing Pipelines. Die bisherigen Erfahrungen der Experten waren aufgrund mehrerer Faktoren eher negativ, darunter die begrenzte Anzahl von Funktionen, die zuerst durch Codierung implementiert werden müssen, da ADF offenbar zuerst die Aktivierung von Low-Code-Plattformfunktionen priorisiert. Aber auch schlechte Debugging-Fähigkeit und mangelnde Fehlerberichterstattung werden im Zusammenhang mit dem Orchestrierungs-Tool genannt. Aus diesem Grund rät das Expertenteam dazu, auf andere Open-Source-Orchestrierungswerkzeuge zurückzugreifen.

Wie immer steht der Technology Radar auf den ThoughWorks-Seiten kostenlos zum Download bereit.

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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