Das Entwickler-Nähkästchen: Teil 3

Gute Vorsätze für Entwickler: Mit welchen Technologien muss man sich 2021 beschäftigen?

Redaktion JAXenter

© Shutterstock / Andrew Krasovitckii

Ob neue Programmiersprache oder anderes Tool: Lebenslanges Lernen gehört in der IT dazu! Wir haben unsere Autor*innen für das große Entwickler-Nähkästchen gefragt, welche Technologie sie sich 2021 genauer ansehen möchten. Hier sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr.

Wer kennt sie nicht, die guten Vorsätze. Endlich mehr Sport machen und weniger Zeit vor dem Fernseher verbringen, oder Ordnung in den Papierkram bringen. Solche Vorsätze hatten wohl die Meisten schon. Aber wie steht es mit Technologien? Es gibt immer etwas dazu zu lernen und das neue Jahr ist ein guter Zeitpunkt, um über die eigenen Pläne nachzudenken. Hier sind die Tech-Vorsätze unserer Autor*innen:

Gute Vorsätze: Womit möchtest du dich im Jahr 2021 genauer auseinandersetzen?

Daniel Mies: Neugierig bin ich auf Snowpack, da die in Entwicklung befindliche Version 3 sehr spannend aussieht (bye bye npm install). Auffrischen werde ich auch meine Kenntnisse rund um das Thema Accessibility: hier werden in den nächsten Jahren die Maßstäbe sicher höhergesteckt. Eng damit verbunden ist für mich auch das Thema Progressive Enhancement.

Michael Vitz: Wer mich kennt, weiß das Vorsätze und ich keine Freunde sind. Deshalb plane ich hier nichts Spezielles, sondern lasse das nächste Jahr auf mich zukommen und kümmere mich spontan um neue spannende Dinge. Projektbedingt werde ich mich mit Sicherheit weiterhin mit Java und dessen Ökosystem auseinandersetzen. Abseits davon bin ich gespannt, wie sich die Themen Blockchain, Virtual Reality und Machine Learning weiterentwickeln.

Tim Zöller: 2021 wird für mich das Jahr, in dem ich mich noch mehr mit Clojure befassen möchte, auch im professionellen Rahmen. Das ist zwar keine Neuerung, welche in diesem oder nächsten Jahr erst stattfindet, aber gerade dieses „zeitlose” lockt mich ungemein

Wolfgang Weigend: Neben den kontinuierlichen technischen Innovationen der GraalVM, werde ich mich mit dem Foreign Linker API (JEP 389) und dem Foreign-Memory Access API (JEP 393) beschäftigen. Damit sollen native Bibliotheken sicher und fehlerfrei verwendet werden können.

Sandra Parsick: Da lasse ich mich überraschen. Sowas lässt sich schwer planen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es jedes Jahr was Neues zu lernen gibt und ich bin gespannt, was 2021 für mich bereit hält.

Marc Teufel: Eigentlich bin ich ein Verfechter des Mottos „Weniger ist mehr“ und ich habe mich bis jetzt erfolgreich vor TypeScript gedrückt! Warum auch, bisher konnte ich ja auch alles mit JavaScript machen. Und es funktionierte sogar! Meine Mitarbeiter haben es jetzt aber geschafft: In einer gemeinsamen Aktion haben sie mich ganz behutsam in die Welt von TypeScript eingeführt, vermutlich nicht ganz uneigennützig aber in jedem Fall vorrausschauend und vernünftig. Darum habe ich mir für das nächste Jahr jetzt fest vorgenommen, mich mehr mit TypeScript zu beschäftigen und die Entscheidung meines Teams zu akzeptieren. Und sie haben ja Recht! Ich bin gespannt, wie sich funktionale Programmierung mit TypeScript anfühlt und natürlich freue ich mich darauf, die Decorator-Implementierung zu analysieren und sie mit dem TC39-Proposal zu vergleichen. Und wer weiß, vielleicht berichte im Entwickler Magazin über meine Erkenntnisse.

Stephan Rauh: Da gibt es vieles: Vue.js, AWS und Microsoft Azure. Ob ein einziges Jahr dafür reicht? Fest gesetzt ist PDF. Dafür sorgen allein schon die vielen Verbesserungsvorschläge, Bugtickets und Pull Request in meinem Open-Source-Projekt (einem PDF-Viewer für Angular). Ein klassisches Beispiel, dass auch scheinbar alte Technologien spannend und aktuell sein können.

Michael Hofmann: Java in der Cloud zu betreiben ist immer noch mit einem Nachteil verbunden: die Startzeiten und der Ressourcen-Verbrauch der Java VM sind relativ hoch. Dies schlägt sich in der Regel direkt auf die Kosten für den Cloud-Betrieb nieder. Die Community schraubt schon seit längerem an mehreren Stellen: Startzeiten des App-Servers bzw. Servlet-Engine, verbesserte App-Server, Optimierungen der Java VM, AOT Compiling der Anwendung. Jeder dieser Ansätze hat sein für und wider. Es bleibt spannend, welche dieser Alternativen den besten Trade-Off bieten wird.

Sebastian Springer: Spannende Themen gibt es glücklicherweise genügend, angefangen bei einer Vertiefung bei den neuen Features der großen Bibliotheken über das Ausprobieren neuer Bibliotheken bis hin zu komplett neuen Themen. Allen voran finde ich hier das Thema Immersive Web sehr spannend. Dieser, vor allem von Google geprägte Begriff bezieht sich auf WebXR, also Augmented- und Virtual Reality im Web. Das beginnt für mich mit der Darstellung von einfachen 3D-Modellen und geht bis hin zur Implementierung umfangreicher Applikationen, die mithilfe von VR-Hardware bedient werden können. Ein spannender Themenkomplex, der sehr viel Potenzial bietet.

Falk Sippach: Für mich ist das tatsächlich der gesamte Cloud-native Bereich. Das ist schon beeindruckend, was da in den letzten Jahren alles entstanden ist. Leider wird man bei der riesigen Menge an Plattformen, Tools und Frameworks ziemlich erschlagen. Die interaktive Landkarte der Cloud Native Computing Foundation (https://landscape.cncf.io/) ist trotzdem ein guter Startpunkt. Wer es etwas übersichtlicher mag, sollte sich die Trail-Map (https://github.com/cncf/trailmap) anschauen.

Christian Kaltepoth: Für mich stand, wie vermutlich für viele, das Jahr 2020 ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Im Vergleich zu vielen anderen Branchen ist die IT-Industrie hier deutlich weniger stark getroffen worden. Trotzdem hat die Pandemie natürlich auch großen Einfluss auf unseren Berufsalltag. Während in vielen Unternehmen Homeoffice noch die Ausnahme war, hat sich dies schlagartig geändert. Plötzlich waren alle gezwungen von Zuhause zu arbeiten, was viele Vorteile, aber auch einige Nachteile mit sich bringt. Die Gespräche an der Kaffeemaschine fallen plötzlich weg und es ist teilweise nicht mehr so leicht, sich mal kurz mit den Kollegen auszutauschen. Ich denke, dass viele Teams hier noch dazu lernen müssen, um auch Remote genauso effizient arbeiten zu können, wie zuvor. Das ist aus meiner Sicht besonders deshalb wichtig, weil die Pandemie uns sicherlich noch einige Zeit begleiten wird. Besonders im Bereich Tools gibt es hier einiges zu entdecken. So hat JetBrains mit „Code With Me“ vor kurzem eine erste Vorabversion eines Plugins für IntelliJ veröffentlicht, welches es mehreren Entwicklern erlaubt, zusammen in einer IDE zu arbeiten. Besonders, wenn sich die Entwickler nicht im selben Raum befinden, eröffnet diese neue Art des Pair Programmings mittels „Collaborative Editing“ ganz neue Möglichkeiten. Für Visual Studio Code gab es hier schon länger entsprechende Möglichkeiten. Aber besonders bei den klassischen Java IDEs gibt es hier noch einiges aufzuholen. Ich denke, dass es im kommenden Jahr im Bereich des Toolings für verteilte Teams noch einiges neues zu entdecken geben wird, um die Arbeit von verteilten Teams zu erleichtern.

Thorben Janssen: Mein Hauptaugenmerk wird in 2021 auf Hibernate 6 und Hibernate Reactive liegen. Hibernate Reactive wurde gerade released und macht auf den 1. Blick einen sehr interessanten Eindruck. Ich werde die Weihnachtspause und den häufig etwas ruhigeren Jahresbeginn dafür nutzen, mich darin einzuarbeiten. Ich hoffe Hibernate Reactive im Laufe des Jahres in ersten Projekten einsetzen zu können.

Mit Hibernate 6 steht die nächste Weiterentwicklung des beliebten ORM-Frameworks vor der Tür. Ich beobachte die Entwicklung bereits seit einer Weile sehr genau und erwarte einige meiner Kunden in 2021 beim Versionsupdate zu unterstützen zu können.

Zu beidem werde ich nächstes Jahr dann natürlich auch wieder Artikel und Kurse auf thorben-janssen.com anbieten.

Dr. Holger Schwichtenberg: Ich will mich intensiver mit Uno Platform (https://platform.uno) beschäftigen, zur Entwicklung von Cross-Platform-Apps. Uno unterstützt seit August 2020 neben Windows 7 und 10, Android, macOS, iOS und Browser (via WebAssembly) nun auch Linux (https://platform.uno/blog/announncing-uno-platform-3-0-linux-support-fluent-material-and-more/).

Die Fragen stellten Dominik Mohilo, Hartmut Schlosser, Maika Möbus und Ann-Cathrin Klose.

Die Expert*innen
Sandra Parsick ist als freiberufliche Softwareentwicklerin und Consultant im Java-Umfeld tätig. Seit 2008 beschäftigt sie sich mit agiler Softwareentwicklung in verschiedenen Rollen. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Java-Enterprise-Anwendungen, agile Methoden, Software Craftsmanship und der Automatisierung von Softwareentwicklungsprozessen. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Softwerkskammer Ruhrgebiet.


Wolfgang Weigend arbeitet als Master Principal Solution Engineer bei der Oracle Global Services Germany GmbH im weltweiten Java Team. Er beschäftigt sich mit Java-Technologie, GraalVM und Architektur für unternehmensweite Anwendungsentwicklung.


Stephan Rauh arbeitet als Solution Architect bei der OPITZ CONSULTING und führt dort – neben vielen anderen Aufgaben – Workshops und Trainings für Angular, Spring und Microservices durch. In seiner Freizeit kümmert er sich um die Open-Source-Frameworks ngx-extended-pdf-viewer, BootsFaces und natürlich seinen Blog, der – noblesse oblige! – eine Angular-Anwendung ist.


Michael Vitz ist Senior Consultant bei innoQ und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Entwicklung und im Betrieb von JVM-basierten Systemen. Zur Zeit beschäftigt er sich vor allem mit den Themen Microservices, Cloud-Architekturen, DevOps, Spring-Framework sowie Clojure.


Falk Sippach ist bei der embarc Software Consulting GmbH als Softwarearchitekt, Berater und Trainer stets auf der Suche nach dem Funken Leidenschaft, den er bei seinen Teilnehmern, Kunden und Kollegen entfachen kann. Bereits seit über 15 Jahren unterstützt er in meist agilen Softwareentwicklungsprojekten im Java-Umfeld. Als aktiver Bestandteil der Community (Mitorganisator der JUG Darmstadt) teilt er zudem sein Wissen gern in Artikeln, Blog-Beiträgen, sowie bei Vorträgen auf Konferenzen oder User Group Treffen und unterstützt bei der Organisation diverser Fachveranstaltungen.


Christian Kaltepoth ([email protected]) arbeitet als Senior Developer bei ingenit GmbH & Co. KG in Dortmund. Sein Schwerpunkt ist die Entwicklung von webbasierten Anwendungen auf Basis von JSF, JPA und CDI/Spring. Twitter: @chkal


Thorben Janssen ist als freiberuflicher Trainer und Autor tätig und entwickelt seit mehr als zehn Jahren Anwendungen auf Basis von Java EE. Er arbeitet zurzeit als Senior Developer und Architekt bei der Qualitype GmbH, ist Mitglied der JSR 365 (Contexts and Dependency Injection for JavaTM 2.0) Expert Group und schreibt auf seinem Blog über Java und Java EE.


Michael Hofmann ist freiberuflich als Berater, Coach, Referent und Autor tätig. Seine langjährigen Projekterfahrungen in den Bereichen Softwarearchitektur, Java Enterprise und DevOps hat er im deutschen und internationalen Umfeld gesammelt.


Tim Zöller arbeitet als IT Consultant bei ilum:e informatik ag in Mainz und entwickelt seit zehn Jahren Software. Er hilft Unternehmen dabei, ihre Prozesse mit Java zu digitalisieren und beschäftigt sich privat mit Blockchains und Clojure.


Dr. Holger Schwichtenberg (MVP) – alias „Der DOTNET-DOKTOR“ – gehört zu den bekanntesten .NET- und Webexperten in Deutschland. Er ist Chief Technology Expert bei der Softwaremanufaktur MAXIMAGO. Mit dem Expertenteam bei www.IT-Visions.de bietet er zudem Beratung und Schulungen für andere Unternehmen an. Seit 1998 ist er ununterbrochen Sprecher auf jeder BASTA!-Konferenz und Autor von mehr als 70 Fachbüchern.


Sebastian Springer ist JavaScript-Entwickler bei MaibornWolff in München und beschäftigt sich vor allem mit der Architektur von client- und serverseitigem JavaScript. Sebastian ist Berater und Dozent für JavaScript und vermittelt sein Wissen regelmäßig auf nationalen und internationalen Konferenzen.


Daniel Mies arbeitet als Senior IT Consultant bei der codecentric AG. Seine Leidenschaft gilt der modernen Frontend-Entwicklung und Webstandards. In seiner Freizeit podcastet er unter https://mies.me.


Marc Teufel arbeitet als Softwarearchitekt und Projektleiter bei der Hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Umfeld von Eclipse und Web Services. Außerdem war er an den erfolgreichen Büchern „Java Web Services mit Apache Axis2“ und „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“, alle erschienen bei entwickler.press, beteiligt.

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