TomEE: Java EE und Tomcat unter einem Hut

JAXenter: Wer steht hinter der Entwicklung von TomEE?

David Blevins: Das „Wer“ gehört zu den interessantesten Aspekten bei TomEE. Ich selbst habe über zehn Jahre lang an dem Vaterprojekt OpenEJB gearbeitet. Doch das ist nicht das Interessante. Wenn ich alleine über das verfügen würde, was nötig ist, so etwas wie TomEE zu entwickeln, wäre es bereits zehn Jahre früher entstanden. Die wirklichen Stars von TomEE sind die zahlreichen Leute, die daran arbeiten. Das TomEE-Projekt ist voller Entwickler, die um 5 Uhr abends von der Arbeit nach Hause kommen und bis Mitternacht an TomEE herumbasteln. Falls diese Leute auf mich als Quelle der Inspiration blicken, kann ich nur sagen: Es ist genau umgekehrt. Diese Leute inspirieren mich! Wie kann man bei einer solchen großartigen Community aufgeben? Unmöglich! Keiner von uns arbeitet Vollzeit an TomEE, aber das kann uns nicht stoppen.

Bei TomEE gibt es auch eine Open Door Policy. Wir heißen jeden willkommen, der dem Projekt weiterhelfen möchte. Kommt einfach mit Eurem Editor zu uns, und wir finden garantiert etwas für euch zu tun. Aber seid gewarnt, nicht alle Arbeiten an einem Open-Source-Projekt sind wirklich glamourös.

JAXenter: Gibt es bereits kommerziellen Support für TomEE?

David Blevins: Die Ankündigung von TomEE kam für die Java-Welt erst einmal überraschend, sodass noch niemand darauf vorbereit ist, kommerziellen Support für TomEE anzubieten. Das Projekt-Team selbst war so unglaublich darauf fokussiert, diesen rießigen Schritt der Zertifizierung zu machen, dass niemand von uns viel Zeit hatte, an andere Dinge zu denken. Manchmal muss man einfach losmarschieren, über die anderen Dinge kann man sich dann später Gedanken machen. Ich hoffe natürlich, dass Unternehmen damit beginnen werden, Support für TomEE anzubieten, und ich hoffe auch, daran beteiligt zu sein, wenn dies passiert. Es arbeiten einige großartige Leute an dem Projekt, die es wirklich verdienen, von ihrer Arbeit zu profitieren.

JAXenter: Welche nächsten Schritte stehen bei TomEE nun an?

David Blevins: Mehrere Dinge. Wir sind mit TomEE nun voll funktionsfähig und zertifiziert, befinden uns aber noch im Beta-Release, um den Anwendern die Chance zu geben, Einfluss auf das finale TomEE-Release zu nehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt dreht sich also alles um die Anwender und was sie wollen. Dokumentation ist ein großer Bestandteil dieses Prozesses. Nachdem wir all das Feedback umgesetzt, die Feinabstimmung abgeschlossen und das finale Release von TomEE verabschiedet haben, bleibt immer noch eine Menge an TomEE Plus zu tun.

Wir haben nämlich bereits verschiedene Features umgesetzt, die über das Web Profile hinaus gehen und noch nicht voll kompatibel sind, beispielsweise JAX-RS, JMS und JAX-WS. Aus Gründen der Zertifizierung mussten wir diese Komponenten auslagern und in einem anderen Download zugänglich machen. Dies war die Geburtsstunde von TomEE Plus. Es wird also in den kommenden Monaten weitere Zertifizierungsarbeit an TomEE Plus fällig werden. Wenn es jemanden gibt, der daran interessiert ist, sich an der Zertifizierung von so etwas wie TomEE Plus zu beteiligen – jetzt habt Ihr die Chance dazu!

Abgesehen davon erhält die einbettbare Variante von TomEE bereits eine recht große Aufmerksamkeit und verbessert sich schnell. Es sind zahlreiche Optimierungen geplant, um den 2-3 Sekunden langen Zeitraum zwischen Start-Deploy-Test-Undeploy-Stop noch weiter zu reduzieren. Idealerweise soll diese Zeit auf eine glatte Sekunde schrumpfen, die Zeit, die wir bei OpenEJB 4.0.0-beta-1 erreicht haben. OpenEJB verfügt allgemein gesprochen über alles, was TomEE hat, außer Servlets, JSP und JSF. Wir versuchen, die TomEE-Performanz so zu optimieren, dass niemand in Versuchung gerät, einfach nur OpenEJB zu benutzen. Alle TomEE-Komponenten sollen genauso einfach, leichtgewichtig und performant zu nutzen sein.

Noch weiter vorauszuschauen, ist schwierig, aber wir haben jede Menge spannender Konzepte im Hinterkopf, die wir gerne in TomEE umsetzen würden, zum Beispiel Meta-Annotations, weiteres CDI und EJB Alignment, „proxy“ Beans und so weiter und so fort. Ideal wäre es, wenn TomEE als Plattform fungieren würde, um Veränderungen in Java EE 7 voranzutreiben, genauso wie es OpenEJB mit EJB 3.1 gemacht hat.

Und natürlich: Wachstum. Das Projekt könnte sich im Laufe des Jahres locker verdoppeln – und das zu beobachten, wird wirklich spannend werden.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

David Blevins ist Mitbegründer des Apache OpenEJB-Projektes, Gründer von Apache Geronimo und seit zehn Jahren Mitglied vieler anderer Java EE-bezogener Open-Source-Projekte. David war ein aktives Mitglied der Expertengruppen für EJB 3.0 (JSR 220), EJB 3.1 (JSR 318) und Java EE 6 (JSR 316). Er ist einer der Autoren des Buches „Component-Based Software Engineering: Putting the Pieces Together“ (Addison Wesley) und Sprecher auf internationalen Konferenzen wie JavaOne, ApacheCon, JAX und O’Reilly Open Source Convention.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.