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Simon Wardley und Russ Miles diskutieren Microservice-Strategien

Technologie oder Methode – Wie man Microservices (nicht) entwickelt

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock / Daniel Domanski

Der Informatiker Simon Wardley hat im Juni 2015 unter dem provokativen Titel „Why Agile, Lean and Six Sigma must die“ eine Empfehlung abgegeben, wie große Systeme mit vielen Komponenten strategisch zu entwickeln sind. Mit seiner Map-Methode machte er deutlich, dass sich nicht für alle Komponenten zu jeder Zeit die gleiche Methode gewinnbringend einsetzen lässt. Was aber bedeutet das für Microservices und anti-fragile Architekturen?

Ein Software-Projekt, so Wardley, ist stetig den Produktionsphasen der einzelnen Bestandteile anzupassen. Zu Beginn eines Projektes, dann also, wenn niemand so wirklich weiß, wohin die Reise gehen soll und jederzeit schnelle Richtungswechsel möglich sein müssen, seien meist agile Methoden erfolgsversprechend.

In der nächsten Phase ist möglicherweise die Befreiung von unnötigem Ballast , ein belastbares Minimal-Produkt und die Entwicklung geeigneter Messverfahren gefragt. Diese Konsolidierungsphase sei also ein klarer Fall für Lean. Geht es um die letzten Stabilisierungsmaßnahmen auf dem Weg zur Massenproduktion empfiehlt er Six Sigma als Methode der Wahl.

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„There is no one size fits all method“

Ohne Mapping und eine Übersicht der erforderten Projektumgebung aber ist eine Einschätzung der jeweils benötigten Methoden nur schwer möglich. Für Wardley ist das der Grund, warum viele Unternehmen auf eine One-Size-fits-all-Lösung setzen und damit zumindest ineffizient bleiben. Seine Konsequenz:

Personally, I’d learn to map and use all the methods. Personally, I think the idea of being ALL agile, ALL lean or ALL six sigma should die.

Antifragile Architekturen mit Microservices

Das klingt doch erstaunlich nach Antifragilität, dachte sich nun ein weiterer IT-Experte und führt den strategischen Ansatz von Wardley in diese Richtung weiter. Russ Miles, CTO bei Simplicity Itself und von Berufswegen mit der Bereitstellung von Microservices betraut, rät dabei von der Phasen-orientierten Strategie der Entwicklungsmethode ab. Zwar würde sich eine durch Microservices ermöglichte antifragile Architektur gerade in der ersten Phase des Lebenszyklus einer Komponente bzw. eines Microservice gut machen. Doch, so gibt Russ zu bedenken:

in my experience it turns out that what fits best is the architectural style that buys the most appropriate options for the full gamut of a component/service’s life.

Wie weiter mit Microservices?

Russ plädiert stattdessen für einen Projektstart mit einem modularen Monolithen, der sich leicht in Microservices zerlegen lässt; dies mache nicht nur den Start schneller, sondern auch den Overhead kleiner. Über die daraus folgende Konsequenz ist sich Russ im Klaren:

I’m not getting the real benefits of the agility of microservices early on in a component/service’s life when it needs it most!

Um aus beiden Ideen das Beste herauszuholen, kündigt er an, die Wardley-Maps auf die bestehenden Microservice-Technologien anzuwenden, um so an einer besseren Microservice-UX zu arbeiten. Auf die Berichte dieser „interesting journey“ dürfen wir jetzt schon gespannt sein.

Aufmacherbild: Wooden blocks tower and block spread around von Shutterstock.com
Urheberrecht: Daniel Domanski 

Geschrieben von
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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