Interview mit Sebastian Schmidt

„Stateful Microservices bieten keine Vorteile, sie machen die Architektur der Plattform nur komplexer“

Redaktion JAXenter
Sebastian Schmidt

Wie schafft man es, eine Public Cloud mit eigenen Infrastrukturressourcen zu integrieren? Welche Platform-as-a-Service ist die beste für meinen Anwendungsfall? Und wie geht man mit dem State in Microservice-Architekturen um? Antworten gibt Sebastian Schmidt (EMC), mit dem wir uns im Rahmen der DevOpsCon 2016 über den effektiven Einsatz von PaaS-Lösungen unterhalten haben.

JAXenter: Hallo Sebastian! Du hast gerade in deinem Vortrag verschiedene Aspekte von Platform-as-a-Service diskutiert, die wichtig sind, um einen produktiven Betrieb der darauf entwickelten Applikationen zu ermöglichen. Kannst du einmal ein Beispiel nennen?

Sebastian Schmidt: Am wichtigsten ist die Wahl der richtigen Plattform. Heute wird häufig das neueste und modernste Open-Source-Projekt eingesetzt – dabei sind etablierte Lösungen oft stabiler und passen eventuell sogar besser auf die Anforderungen. Essentiell ist zu unterschieden, ob man wirklich eine echte 12-Factor App hat oder doch noch eher mit einem klassischen Design arbeitet.

JAXenter: Wie schafft man es, eine Public Cloud mit eigenen Infrastrukturressourcen sinnvoll zu integrieren?

Sebastian Schmidt: Da sind viele Faktoren relevant, zu den wichtigsten gehören Automatisierung und einheitliche Schnittstellen. Zwar bietet mittlerweile fast jede Public-Cloud-Lösung ein API, das zu dem einen oder anderen Standard konform ist; jedoch zeigt sich nur zu oft, dass die Details den Unterschied machen. Erfolgreich ist daher meist nur eine Lösung, bei der die eigenen Ressourcen und die Public-Cloud-Ressourcen auf einer niedrigen Ebene (IaaS) von einem übergreifenden Layer (PaaS) konsumiert werden.

JAXenter: Du hast in deinem Talk auch die Anforderungen durch Stateful Microservices behandelt. Welche Herausforderungen gilt es zu meistern, wenn man eine Microservice-Architektur in der Cloud betreiben will?

Sebastian Schmidt: Die Herausforderungen mit Stateful Microservices sind in der Private und Public Cloud identisch: Die drei wichtigsten: PaaS-Frameworks, die State einfach nicht unterstützen; Automatisierung und Tools, die State und Persistenz viel zu wenig beachten sowie das Fehlen einer (einheitlichen) Lösung, um mit zentraler Persistenz umzugehen. Eine zentrale, also nicht in den einzelnen Compute Nodes vorgehaltene Persistenz ist aber für hohe Kapazitäten die einzig ökonomisch sinnvolle Lösung.

JAXenter: Wo liegen aus deiner Sicht die Vorteile von Stateful Microservices?

Sebastian Schmidt: Ehrlich gesagt gibt es keine echten Vorteile, es macht die Architektur der Plattform erstmal nur komplexer. Leider sind aber Persistenz und State in vielen Applikationen noch eng in die Applikationsarchitektur gekoppelt und können nicht einfach aus den Microservices herausgelöst werden. Daher brauchen wir Lösungen, wie man State in Microservices verwalten kann – und zwar mit der gleichen Automatisierung, die Container und Plattformen bereits heute für Stateless Microservices bieten.

JAXenter: Was ist die Kernbotschaft deiner DevOpsCon-Session, die jeder Teilnehmer mit nach Hause genommen haben sollte?

Sebastian Schmidt: Der Aufbau von Platform as a Service und insbesondere der stabile Betrieb einer solchen Umgebung sind keine einfachen Aufgaben, aber es gibt Lösungen und Beispiele, die sehr gut funktionieren. Bei korrekter Analyse der eigenen Anforderungen kann man häufig auf eine bereits voll integrierte Plattform setzen und muss nicht die Architektur sowie den Bau der Plattform zur eigenen Kompetenz machen.

Sebastian Schmidt

Sebastian Schmidt

Sebastian is Specialist Systems Engineer for Software Defined Solutions at EMC. He has over fifteen years of experience in the IT industry with many different engineering and management positions from software developer, cloud architect, product manager and consultant to his current position as a systems engineer. In the last years he focused on designing and building private cloud environments and enabling next generation software development with DevOps and agile methodologies. 

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