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Spielend (be-)werben: Gamification für den Traumjob

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock.com / Tarchyshnik Andrei

Gerade in der IT klagen Personaler und leitende Angestellte immer wieder über die Schwierigkeit, die richtigen Kandidaten für die richtige Stelle zu finden. Zwischen Bewerbung, Vorstellungsgespräch und praktischer Arbeit liegen viele Unbekannte, ist es also vielleicht Zeit, ganz neue Wege zu gehen? Unter dem Schlagwort Gamification versuchen immer mehr Unternehmen, die Eignung potentieller Bewerber schon im Vorfeld spielerisch zu erkunden.

Gamification meint zunächst nichts anderes als eine Strategie zur Optimierung von Geschäftsprozessen, bei der spielerische Elemente in einem ernsthaften, realen Kontext eingesetzt werden. Spiele sollen Spaß machen und ermöglichen einen vermittelten Zugriff auf die Gefühlswelt potentieller Käufer. Für die Kundenbindung und die betriebsinterne Motivation der Angestellten wird Gamification immer wichtiger. Da liegt der Gedanke nahe, die Methode auch im Problemfeld Recruitment anzuwenden.

Zumindest bei Oracle kann man sich das vorstellen, so legt es zumindest ein Blogbeitrag von Joachim Skura, HCM im Sales Development bei Oracle, nahe. Die Idee ist freilich nicht ganz neu. Das bekannteste Beispiel dürften die Streitkräfte der USA sein, für deren Videospiel America’s Army sich bereits über 13 Millionen Gamer angemeldet haben und mit dem schon erfolgreich nach geeignetem Nachwuchs gesucht wird. Auch die NSA bietet eine Spieleseite an, mit deren Hilfe potentielle Agenten für morgen identifiziert werden sollen.

In dieser Woche veröffentlichte das private Taxi-Unternehmen Uber nun ein Spiel, mit dem man virtuelle Gäste auf dem Smartphone auf einer originalgetreuen Karte von San Francisco von A nach B bringen muss. Als Nebenprojekt gestartet, will Uber das Spiel UberDrive nicht nur zu Trainingszwecken einsetzen, sondern den erfolgreichsten Spielern den Vorschlag unterbreiten, sich als Fahrer zu bewerben.

Auch die Boston Consulting Group kann als Beispiel genannt werden. In einem Business-Game für das iPad mit dem vielversprechenden Namen Your Strategy Needs a Strategy müssen die Spieler einen Limonadenstand zum Geschäftserfolg führen.

Im besten Fall bietet die neue Methode Vorteile für beide Seiten. Bewerber können sich spielerisch mit den Aufgaben und Abläufen eines Unternehmens beschäftigen, sich ausprobieren, besser werden und herausfinden, worauf es bei der entsprechenden Tätigkeit wirklich ankommt. Unternehmen können sich in Zeiten des Fachkräftemangels einen eigenen Pool an potentiellen Bewerbern schaffen und bei Bedarf die Spieler mit den besten Fähigkeiten einladen.

Joachim Skura sieht im Gamification-Ansatz eine Möglichkeit gegeben, vor allem das Problem der Ansprache zu lösen. Auch wenn es sich bei den genannten Beispielen um erste Versuche handelt und nicht jeder sein gern genutztes Spiel auch gleich zum Beruf machen wird, warnt Skura davor, den neuen Trend im Human-Ressources-Bereich zu verschlafen:  „Spielt man nicht mit, wird man schnell abgehängt.“

Ob und wie Oracle den Ansatz des Gamification Recruitments wirklich weiterverfolgt, wird auch von den Erfahrungen der genannten Pionier-Projekte abhängen.

Aufmacherbild: Flat joystick icon.Gaming background von Shutterstock.com
Urheberrecht: Tarchyshnik Andrei 

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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1 Kommentar auf "Spielend (be-)werben: Gamification für den Traumjob"

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Holger Helmold
Gast

Leider wird in dem Artikel – wie leider so oft – Gamification mit „Serious Games“ verwechselt. Wie der erste Satz richtig sagt, bedeutet Gamification den Einsatz von spielerischen Elementen in ernsthaftem Kontext. Der Artikel beschreibt aber den Einsatz von speziellen Spielen, die zu einem „ernsten Zweck“ entwickelt und eingesetzt werden.