Case Story: Softwareentwicklung à la industrieller Fertigungsprozess

Softwarefabrik und JAVA-Werkbank

Detlev Klage

2001 entstand aus der Fusion von drei IT-Dienstleistern der größte IT-Dienstleister der deutschen Sparkassen, die Sparkassen Informatik. Von ihren Vorgängerunternehmen erbte sie eine heterogene Anwendungslandschaft mit vier verschiedenen Basisanwendungen. Zwischen 2002 und 2005 löste sie diese Altsysteme vollständig durch die Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) ab, die über eine offene Anwendungsarchitektur mit standardisierten Schnittstellen verfügt. Die prozessorientierte, durchgängige und integrative Standardsoftware ist konsequent in Komponentenbauweise entwickelt. Bei dem von dem IT-Dienstleister vollzogenen Paradigmenwechsel in der Softwareentwicklung hat die Industrie Pate gestanden.

Ende September 2005 wurde eines der größten Migrationsprojekte in der europäischen Banken-IT abgeschlossen. Seitdem nutzt rund die Hälfte der deutschen Sparkassen die prozessorientierte Gesamtbanklösung OSPlus. Dies entspricht einem Viertel des gesamten deutschen Marktes für Retail-Banking, dem klassischen Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen. Damit arbeiten 125.000 Nutzer in 229 Sparkassen mit 8.000 Geschäftsstellen mit dem neuen System. Die zentralen Anwendungen laufen im Rechenzentrum der Sparkassen Informatik auf einer klassischen IBM-Mainframe-Umgebung mit einer Prozessorleistung von 93.000 MIPS. Die Plattenkapazität beträgt 375 Terabyte auf dem Host. Hinzu kommen 1.500 zentrale Unix- und Windows NT-Server, die es zusammen auf weitere 275 Terabyte Plattenkapazität bringen. Das Datenvolumen im Rechenzentrum wächst pro Jahr um etwa 20 bis 25 Prozent. Über 60 Mil­lionen Konten werden auf den Systemen der Sparkassen Informatik verwaltet. Dabei werden im Jahr rund 30 Milliarden Transaktionen abgewickelt.

Flexibilität ist angesagt

Schon die Vorgängerunternehmen der Sparkassen Informatik hatten erkannt, dass ihre Cobol-basierten Kernbanksys­teme einer grundlegenden Erneuerung bedurften. Mit der Fusion zur Sparkassen Informatik wurde die Erneuerung der gesamten IT-Architektur vorangetrieben. Dabei ging es um weit mehr als ein Facelifting. Denn anstatt die alten Legacy-Anwendungen etwa nur mit neuen grafischen Oberflächen aufzufrischen, begann der IT-Dienstleister die Sanierung bei den Backend-Systemen, sozusagen im Keller. Erst nach dieser grundlegenden Erneuerung der Kernbanksysteme ging es an die Modernisierung der grafischen Oberflächen. Die damit verbundene Umstellung auf Portal-Technologie war dabei das letzte Glied in einer langen Abfolge strukturiert durchgeführter und aufeinander aufbauender Maßnahmen.

Die Entwicklung von OSPlus brachte für die Sparkassen Informatik einen Paradigmenwechsel. Anstelle monolithischer Anwendungsblöcke, die bis heute die IT-Landschaften der Banken in weiten Teilen dominieren, zielte sie auf eine offene, in Komponentenbauweise entwickelte Anwendungsarchitektur, die über standardisierte Schnittstellen in der Lage ist, integrierte, ganzheitliche IT-Lösungen verfügbar zu machen. Flexible, durch gängige Prozesse sowohl in den internen Systemen als auch in Kooperation mit Partnern im Verbund der Sparkassen-Finanzgruppe waren dabei das erklärte Ziel.

Eckpfeiler Dynamische Schnittstelle
Die Gesamtbanklösung in ihrer heutigen Form besteht aus drei elementaren Schichten. Die Datenhaltung auf der operativen Ebene ist Backend-zentriert und wird in relationalen Datenbank-Strukturen abgebildet. Die Business-Logik wird durch die gekapselte Zugriffsschicht der von der Sparkassen Informatik selbst entwickelten, auf Standards basierenden so genannten Dynamischen Schnittstelle transaktionssicher abgebildet. Die früher dominierenden 3270-Oberflächen werden sukzessive Web-orientiert innerhalb eines einheitlichen Komponentenmodells dargestellt und abgelöst.

Die Dynamische Schnittstelle ist der Eckpfeiler der Anwendungsentwicklung der Sparkassen Informatik. Als zentrale Integrationsplattform bietet sie sowohl den eigenen Entwicklern als auch Marktpartnern die Möglichkeit, an die tausend bankfachliche Funktionen als standardisierte Komponenten aufzurufen und in neue Applikationen einzubinden. Da die Entwicklung der Dynamischen Schnittstelle und der Komponenten über Jahre hinweg sehr strukturiert verfolgt wurde, war die Sparkassen Informatik bereits 2002 in der Lage, die bankfachlichen Funktionen durchgängig auch als Web Services bereitzustellen.

Die Prozessintegration am Frontend Layer von OSPlus erfolgt über eine serviceorientierte Architektur. Die ebenfalls auf Standards basierende und von der Sparkassen Informatik selbst entwickelte Inter-Kommunikations-Komponente (IKK) fungiert dabei als Enterprise Service Bus (ESB), der das erforderliche Integrations- und Kommunikationswissen transportiert. Auf diesem Weg lassen sich Applikationen von Partnern im Verbund der Sparkassen-Finanzgruppe wie Versicherungen, Bausparkassen oder Wertpapier-Abwicklern dynamisch mit dem Vertriebs-Frontend der Sparkassen verknüpfen. Dies ermöglicht die Gestaltung vollständiger und durchgängiger Geschäftsprozesse zwischen den autonomen IT-Landschaften der Partner.

Dokumentation ist Pflicht
Der Paradigmenwechsel erforderte von den Entwicklungsabteilungen der Sparkassen Informatik völlig neue Formen der Zusammenarbeit. Oberstes Gebot bei der Entwicklung dieser flexi­blen und offenen Architekturen ist eine hochgradige Standardisierung, verbunden mit einer lü­ckenlosen, stets aktuell verfügbaren Dokumentation. Denn nur so ließen sich nicht nur die interne Anwendungsentwicklung effektiv steuern, sondern auch die Interaktion mit dem Markt bewerkstelligen. Schließlich setzt die Wiederverwendung von Komponenten voraus, dass diese auch wieder auffindbar sind. Redundanzen in der Entwicklung von Funktionen lassen sich ebenfalls nur durch entsprechende Dokumentation ausschließen. Des Weiteren müssen nicht nur die Neu-, sondern auch die Weiterentwicklung mit den gegebenenfalls damit verbundenen Änderungen an Schnittstellen zu Marktpartnern und deren Kybernetik frühzeitig erkannt und gemanagt werden.

Die klare Definition von Schnittstellen ist ein weiterer entscheidender Faktor bei diesem Architekturansatz. Denn die Komplexität der Interfaces wächst in dem Maße, in dem selbst entwickelte Anwendungssilos aufgelöst werden und eine prozessorientierte Gesamtarchitektur entsteht, die neben Eigenentwicklungen auch am Markt verfügbare Komponenten integriert. Eine sorgfältige Betrachtung beider Seiten einer Schnittstelle ist in solchen komplexen Entwicklungsprozessen dringend geboten.

Zur Dokumentation von Komponenten und Schnittstellen nutzt die Sparkassen Informatik ein zentrales Repository. Dieses wurde zunächst bei der Entwicklung von Backend-Komponenten eingesetzt. Es erwies sich als verlässliche Basis zur Bereitstellung und Nutzung bankfachlicher Funktionen, unter anderem der bereits erwähnten Web Services. Nachdem die entsprechenden Entwicklungsverfahren und -methoden bei der Backend-Entwicklung etabliert waren, begann die Sparkassen Informatik, diese auch auf die Frontend-Entwicklung zu übertragen. So wurde ein Entwicklungsprozess geschaffen, der bereits in der Designphase eine präzise Beschreibung von Entwicklungsprojekten erlaubt. Dazu bedient sich die Sparkassen Informatik der so genannten JAVA-Werkbank.

Die JAVA-Werkbank

Den Fachverantwortlichen und Entwicklern steht mit der JAVA-Werkbank eine standardisierte Arbeitsumgebung zur Verfügung. Sie enthält die Entwicklungsumgebung, einen Application Server für den Entwicklerarbeitsplatz, ein Build-Management zur Durchführung von Daily Builds analog der Produktionsumgebung und Ant-Skripte, die mit projektspezifischen Anpassungen flächende­ckend in den Projekten eingesetzt werden können, das Konfigurationsmanagement, die Testwerkzeuge für Unit-Tests und Regressionstest; Werkzeuge für statische Codeanalysen sind ebenso integriert wie das Profiling. Neben den entwicklungsspezifischen Werkzeugen sind für die Fachverantwortlichen die entsprechenden Modellierungswerkzeuge gleichfalls enthalten. Mit diesen Tools werden die Architektur, die Analyse und das Design auf Basis des Repository unterstützt.

Die JAVA-Werkbank ermöglicht in der Verbindung mit dem Repository eine fundiertere Aufwandsschätzung für jeden Entwicklungsauftrag, der von einem Kunden angefragt wird. Dabei wird die Spezifikation des Oberflächenprototyps ermittelt, visualisiert und ein direktes Abbild der künftigen Anwendungsoberfläche vorgeneriert und customized. Darauf folgt die strukturierte Ablage der Informationen in dem Repository. Auf dieser Basis kann bereits eine Produktspezifikation erstellt werden, die automatisiert in Form eines PDF-Dokuments bereitgestellt wird.

Der gesamte Prozess wird durch die Produktspezifikation systemtechnisch durchgängig und transparent abgebildet. Beispielsweise wird darin dokumentiert, welche Geschäftsprozesse mit einzelnen Geschäftsvorfällen in wechselseitiger Beziehung stehen. Für den einzelnen Geschäftsprozess ist dabei wiederum ersichtlich, auf welche wieder verwendbaren Oberflächenkomponenten dieser zugreift. Daraus lässt sich schließlich ableiten, welche DV-technischen Funktionen im Prozess angesprochen werden und wo die von ihnen benötigten Daten abgelegt sind.

Auch die Auswirkungen von Modifikationen, die an Anwendungen vorgenommen werden sollen, lassen sich mithilfe der JAVA-Werkbank und vorgefertigter Auswertungen auf das Repository leicht erkennen. Dabei ist eine mehrdimensionale Sicht auf die zu erwartenden Effekte möglich. Ein Blick von der Datenseite, etwa bei der Änderung eines Adressenfeldes, lässt erkennen, in welchen Oberflächen dieses verwendet wird. Dadurch ist transparent nachvollziehbar, wo Programme modifiziert, welche Masken und Oberflächenkomponenten gegebenenfalls angepasst werden müssen und welche Modulnamen und Kopierstrecken durch die Änderung tangiert werden. Ebenso ist eine Betrachtung vom Frontend möglich. So lassen sich vorab die Auswirkungen einer Veränderung an der Oberfläche darstellen, etwa auf eingebettete oder ausgeblendete Datenfelder. Auch die von der Modifikation einer Komponente betroffenen Geschäftsprozesse sowie die darin vorkommenden Geschäftsvorfälle gehen aus der Darstellung hervor.

Durch ihre Systematik und Methodik in Verbindung mit den richtigen Entwicklungs-Tools wird die Softwareentwicklung für die Sparkassen Informatik selbst angesichts ihrer komplexen System- und Anwendungsumgebung zu einem beherrschbaren und planbaren Prozess. Dadurch lässt sich eine Aufwandsschätzung auch für komplexe Entwicklungsprojekte vornehmen und die damit verbundenen Kosten vorab kalkulieren. Insgesamt ermöglicht die Repository-gestützte Entwicklung eine schnelle und kostengünstige Bereitstellung der Anwendungen. Allerdings erfordern die Wiederverwendung und die damit gestiegene Komplexität auch ein systematisches Qualitätsmanagement.

Testen, Testen, Testen
Während die Anwendungsentwicklung durch die Umstellung auf die Komponentenbauweise zum Teil erheblich beschleunigt wird, steigt auch die Komplexität der Gesamtarchitektur. Somit wird ein wesentlicher Teil der gewonnenen Zeit vorerst wieder durch gestiegene Testaufwände kompensiert. Dabei sind nicht nur die Masse der Testfälle, sondern eher deren Klasse entscheidend, um einen hohen und automatisierten Testabdeckungsgrad zu erreichen.

Es bedarf daher intelligenter Testkonzepte, die sämtliche Geschäftsprozesse berücksichtigen, in denen eine zu testende Komponente vorkommt. Da einmal entwickelte Funktionen vielfach wieder verwendet werden, steigt der Testaufwand für jede einzelne Komponente deutlich. Insgesamt nimmt bei komplexen, komponentenbasierenden Systemen die Fehleranfälligkeit erst einmal deutlich zu, denn jede einzelne Disfunktionalität kann sich auf eine Vielzahl von Komponenten auswirken und Seiteneffekte, die sich nicht direkt und eindeutig zuordnen lassen, hervorrufen.

Eine systematische Automatisierung des Software-Testings ist daher unvermeidlich, wenn es darum geht, komplexe Anwendungen qualitätsgesichert und zeitoptimiert in Komponentenbauweise zu entwickeln. Die Praxis der Sparkassen Informatik hat gezeigt, dass durch eine systematische Testautomatisierung im Endeffekt nicht nur der Zeitaufwand kompensiert werden kann, welcher der gestiegenen Komplexität geschuldet ist. Vielmehr hat sich bereits nach relativ kurzer Zeit herausgestellt, dass der Testaufwand durch eine intelligente Automatisierung sogar im Vergleich zu klassischen Entwicklungsverfahren reduziert werden kann.

Mittlerweile verbindet die Sparkassen Informatik klassische Testverfahren mit dem zentralen Repository, das dabei als Report-Umgebung fungiert. Dadurch können parallele Schichten einer Anwendung abgebildet und zeitgleich getestet werden. Der Zeitgewinn ist enorm. Dies lässt sich am Beispiel des Vertriebssys­tems OSPlus-Vertrieb verdeutlichen. Der Zeitbedarf für den Test des gesamten Produktverkaufes liegt heute bei lediglich drei Stunden. Das Testverfahren ist jedoch nicht nur schneller und kostengünstiger. Vielmehr konnte auch die Softwarequalität weiter verbessert werden, da beispielsweise die automatisieren Verfahren auch bei kleineren Modifikationen an einer Anwendung oder Komponente ausgiebige Tests ohne größeren Aufwand ermöglichen.

Testkonzept und Testumgebung werden bei der Sparkassen Informatik kontinuierlich weiter entwickelt. Dadurch werden Testabläufe zunehmend schneller, flexibler und effizienter. Die Entwicklungsarchitektur enthält basislegende Elemente, die ein proaktives und vorausschauendes Fehler-Handling ermöglichen sollen. So werden beispielsweise Nutzungsdaten – im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten – konsequent aufgezeichnet und Return-Code kontinuierlich analysiert. Dadurch lassen sich auch kleinere Fehler oder Schwächen im Design frühzeitig identifizieren. Auch wenn diese nicht unmittelbar die Stabilität oder Funktionalität der Software beeinträchtigen, so können sie indirekt den Bedienerkomfort einschränken und von den Nutzern in der täglichen Praxis als Ärgernis empfunden werden. Dieses vorausschauende Fehler-Handling bietet daher weit reichende Möglichkeiten, das Feintuning von Prozessen und Anwendungen nachhaltig zu optimieren.

Industrie als Vorbild
Der beschriebene Entwicklungsprozess ist charakteristisch für den radikalen Wandel, den die Softwareentwicklung derzeit durchläuft. Dieser ist vergleichbar mit dem der industriellen Fertigung Anfang des 20. Jahrhunderts. Allerdings ist die noch junge Softwareindustrie mit ihren kurzen Innovationszyklen dafür bekannt, dass auch ein noch so radikaler Wandel innerhalb weniger Jahre vollzogen wird.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Henry Ford die Vision eines kostengünstigen Autos in hervorragender Qualität. Er setzte sie um, indem er die Arbeitsschritte im Fertigungsprozess analysierte, in kleinste Einheiten herunterbrach und parallelisierte. Er standardisierte Komponenten und beauftragte in zunehmendem Maße Zulieferer mit der Fertigung. In letzter Konsequenz wurden in den Ford-Fabriken in großen Teilen Komponenten zusammengefügt, die an verschiedenen Standorten ressourcenoptimiert gefertigt wurden.

Heute liegt die Fertigungstiefe in der Industrie bei 30 Prozent, nicht selten noch niedriger. Die Arbeitsteilung hat dazu geführt, dass die Kosten für die Fertigung drastisch reduziert werden konnten. In der modernen Ingenieurskunst hat sie ihren festen Platz. Der Airbus A 380 beispielsweise, die Ikone der europäischen Luftfahrtindustrie, besteht aus Komponenten, die an zahlreichen europäischen Standorten hergestellt werden. Diese wiederum sind ebenfalls nicht vollständig selbst gefertigt, sondern integrieren eine Vielzahl von Standardbauteilen, die einem hoch komplexen Bauplan folgend, alle einen bestimmten Platz im Gesamtgefüge einnehmen. Schließlich werden sämtliche Komponenten in einem zentralen Werk zusammengefügt.

Das Flugzeug, das am Ende Hunderte von Menschen über Ozeane und Kontinente transportiert, ist das Ergebnis absoluter Präzisionsarbeit. Der gesamte Fertigungsprozess muss höchst strukturiert und koordiniert ablaufen. Sämtliche Teile müssen sich passgenau in das Ganze einfügen, jede Schraube muss auf den Millimeter sitzen. Ein systematisches, ausgeklügeltes Qualitätsmanagement sorgt dafür, dass die Qualität des Gesamtsystems ebenso stimmt wie die jeder einzelnen Komponente. Es gilt, eine Vielzahl komplexer Prozesse zu koordinieren und zu beherrschen – sonst bleibt die Maschine am Boden.

Die Parallelen zum modernen Software-Engineering liegen auf der Hand: So werden bei der Sparkassen Informatik Komponenten in verschiedenen Einheiten oder von externen Marktpartnern entwickelt. Zahlreiche Entwicklerteams liefern Softwarebauteile zu, die an der JAVA-Werkbank zu vollständigen Geschäftsprozessen zusammengefügt werden. Dazu bedarf es hochgradig standardisierter bankfachlicher Funktionen, die konsequent wieder verwendet werden. Wieder andere Komponenten werden vom Markt hinzugekauft und in das Gesamtsystem integriert. So wird auch hier die Fertigungstiefe weiter reduziert.

Damit wird die Softwareentwicklung zu einem industriellen Prozess. Die Vorteile sind dieselben wie in der modernen Fertigung: Schnelligkeit, Flexibilität, Kostenreduktion und Top-Qualität. Lediglich in einem unterscheiden sich Softwarefabrik und Industrieproduktion: Software kann mit den entsprechenden Tools in jeder beliebigen Einheit zusammengefügt ­werden.

Konsequente Umsetzung
Wenn die Sparkassen Informatik heute in der Lage ist, Software nach dem Vorbild der Industrie zu entwickeln, so ist dies das Ergebnis strukturierter Vorarbeiten, die über Jahre konsequent vorangetrieben wurden. Auch hier stand am Anfang die Vision. Ihre Realität findet Ausdruck in der serviceorientierten Architektur, über die der IT-Dienstleister heute Geschäftsprozesse intern und unternehmensübergreifend durchgängig und effizient gestalten kann.

Die Kunden profitieren in vieler Hinsicht, etwa von der transparenten Planung. Wer heute beispielsweise beim Autohändler ein Fahrzeug bestellt, weiß genau, was ihn erwartet. Die Spezifikation auf Basis seiner Bestellung ist so präzise, dass er genau weiß, wie das Auto beschaffen ist, das ihm innerhalb eines klar definierten Zeitraums in einwandfreier Qualität zum vereinbarten Preis ausgeliefert wird. Software aus „industrieller Fertigung“ verhält sich nicht anders: Die Sparkassen Informatik bietet ihren Kunden dieselbe Transparenz von der Planungsphase an. Die Kosten sind klar kalkulierbar und ein systematisches Qualitätsmangement sorgt für ein einwandfreies Produkt.

Neben den Kunden sind es die Entwickler selbst, die von der Industrialisierung profitieren: Die standardisierten Fea­tures der JAVA-Werkbank erleichtern die Arbeit, indem sie redundante Entwicklungen vermeiden helfen und lästige, zeitraubende Fehlerquellen von vornherein eliminieren. Hinzu kommt eine Vielzahl von Tools, welche die Software-Inge­nieure bei der täglichen Arbeit unterstützen und mit der aktuellen Version zur Verfügung gestellt werden.

Das Repository ist nicht nur für das Software-Engineering von Bedeutung, sondern übernimmt auch wichtige Funktionen im Anwendungsbetrieb. Dadurch kann für jeden aufgerufenen Prozess individuell der Preis ermittelt und ausgewiesen werden. Die abgerufenen Leistungen können dem Kunden somit nutzungsabhängig und automatisiert in Rechnung gestellt werden. Dadurch herrscht auch Transparenz bei den regelmäßig im Rechenzentrumsbetrieb erbrachten Leistungen. Ebenso lassen sich wichtige Daten, wie zum Beispiel zu hohe Ressourcenverbräuche einzelner Services, im Anwendungsbetrieb automatisiert erkennen und beheben.

Die JAVA-Werkbank unterstützt die Entwicklung von Java- und Java EE-Anwendungen. Sie besteht aus folgenden Komponenten:

  • Eclipse 3.1-basierte IDEs (Eclipse 3.1.1 für Fat-Client-Entwicklung, MyEclipse Enterprise Workbench 4.0.3 und IBM Rational Application Developer for WebSphere Software 6.0.1 zur Entwicklung von Java EE-Anwendungen).
  • Application Server auf dem Entwicklerarbeitsplatz: JBoss 4.0.3 oder IBM WAS 6.0.2.
  • Build Management mit Ant 1.6.5 als Build-Werkzeug und CruiseControl 2.1.6 zur Durchführung eines Daily Build unter produktionsähnlichen Bedingungen (zentraler Unix-Server mit WAS als Application Server). Mit der JAVA-Werkbank werden Standard-Ant-Skripte zur Durchführung des Builds der Anwendungen bereitgestellt, die – mit projektspezifischen Anpassungen – flächendeckend in den Projekten eingesetzt werden können.
  • Konfigurationsmanagement mit einem zentral bereitgestellten CVS-Server (CVS 1.11.5 unter Unix).
  • JUnit 3.8.1 (durch das Testmanagement werden weitere Testwerkzeuge wie z.B. WinRunner zum Oberflächentest bereitgestellt).
  • Statische Codeanalyse mit PMD 1.8 und SI-eigenem Prüfregelwerk (automatisiert auf dem CruiseControl-Server und mithilfe eines PMD-Eclipse-Plug-ins auf dem Entwicklerarbeitsplatz möglich). FindBugs 0.9.3 zur Unterstützung von Code-Reviews.
  • Profiling mit der Quest JProbe Suite 6.0.0.
  • Modellierung (Analyse, Architektur, Design) mit den UML-Modellierungswerkzeugen Gen­tleware Poseidon for UML Professional Edition 3.2 und MyEclipse UML (UML-Plug-in der MyEclipse Enterprise Workbench).
  • Java EE-Anwendungen werden gemäß J2EE 1.3 (OSPlus 4.0) bzw. demnächst 1.4 (ab OSPlus 4.1, wenn die Produktion auf WAS 6.0.2 umgestellt wurde) entwickelt. Zielplattform ist dann IBM WAS 6.0.2 mit dem JDK 1.4.2_08 (dieses JDK wird mit der Werkbank als Compiler ausgeliefert).
  • Mit den Werkzeugen der JAVA-Werkbank werden detaillierte Benutzerinformationen (Leitfäden) bereitgestellt, die die Nutzung der Werkzeuge im Rahmen der Entwicklung beschreiben.
  • Die Werkzeuge der Werkbank unterstützen den Entwicklungsprozess für Java- und Java EE-Anwendungen der SI. Mit dem Entwicklungsprozess werden Entwicklungsrichtlinien festgelegt (z.B. Implementierungsrichtlinie, Namenskonventionen, Projektablagestruktur-Richtlinie), deren Einhaltung durch Werkzeuge der Werkbank automatisiert geprüft werden (wo möglich).
  • Die Bereitstellung der Werkbank auf den Entwicklerarbeitsplätzen erfolgt bedarfsorientiert anhand eines Bestell- und Installations-Workflows.
  • Das Werkzeugportfolio wird ca. zweimal jährlich aufgrund von Anforderungen der Entwicklungsprojekte anhand von Marktanalysen und Werkzeugevaluierungen aktualisiert und erweitert.
Detlev Klage zeichnet als Geschäftsbereichsleiter Multikanal-Vertrieb der Sparkassen Informatik verantwortlich für die Web-basierte Weiterentwicklung der Vertriebssysteme innerhalb der Gesamtbanklösung OSPlus (One System Plus) und Integration der Markt- und Verbundpartner. Als Leiter des Architektur-Boards ist er zudem maßgeblich an der Ausgestaltung der OSPlus-Architektur beteiligt.
Geschrieben von
Detlev Klage
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