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Vom Mikromanager zum Partner des Teams

Software-Projekte richtig managen

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / Rawpixel

Ob ein Projekt gelingt oder nicht, hängt häufig auch vom Management ab. Ein Entwickler-Team kann nämlich noch so gut sein; verliert es sich in unklaren Anforderungen und schlechter Kommunikation, wird das Ergebnis hinter den Möglichkeiten zurückbleiben. Die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Projektmanagern ist allerdings oft gar nicht so einfach.

Jeder kennt wohl den Begriff des Mikromanagers und kann sich in etwa vorstellen, warum dieser Führungsstil zu Problemen führt. Das ständige Kontrollieren und Nachfragen seitens des Managers engt die Mitarbeiter ein, nimmt ihnen die Möglichkeit zur Entfaltung und Entwicklung eigener Ideen. Dabei ist gerade das in der Softwareentwicklung so wichtig – Entwickler brauchen genug Freiheiten, um Probleme auf ihre eigene Art und Weise anzugehen.

5 Faktoren für gutes Projektmanagement

In diesem Fall ist die Lösung des Problems aber noch relativ einfach – ein bisschen weniger Kontrolle und schon läuft es besser. Kein Team ist aber wie das andere. Insofern sind auch die Problemquellen vielfältig. So könnten sich Entwickler beispielsweise durch jede Art von Management eingeengt fühlen, sodass sie den Projektmanager als Gegner wahrnehmen. An dieser Stelle ist ein gänzlich anderes Vorgehen notwendig, als in Situationen, in denen ein Mikromanager am Werk ist. Federico Tomassetti hat im Laufe seiner Karriere 5 grundlegende Faktoren kennengelernt, die darüber entscheiden,  ob ein Projektmanager ein Entwicklerteam behindert oder unterstützt.

1. Prioritäten kommunizieren

Entwickler wissen, welches Feature eines Produkts aus technischer Sicht als nächstes umgesetzt werden sollte. Die wirtschaftlichen Interessen hinter dem Produkt können allerdings ganz anders aussehen. Diese Ebene findet seitens der Entwickler aber häufig wenig Beachtung. Hier kann ein guter Projektmanager zum Vermittler werden: Er kennt beide Seiten und kann sie gegeneinander abwägen, um am Ende die beste Lösung für alle Beteiligten zu finden.

2. Deadlines rechtzeitig ankündigen

Deadlines bedeuten Stress für Entwickler. Natürlich müssen bestimmte Funktionen zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen, das ist jedem klar. Ein Adventskalender-Feature hilft beispielsweise im Januar keinem mehr. Gerade darum ist es aber wichtig, dass diese Termine früh und deutlich genug kommuniziert werden – und zwar ohne fiese Tricks. Wird die Deadline auf einen bestimmten Tag gelegt, sollte es auch dabei bleiben. Vorgezogene Deadlines, um noch einen Zeitpuffer zu haben, führen nämlich nur zu Frust. Wer sich Wochenlang verausgabt, um am Tag vor der Abgabe zu hören, dass eigentlich noch viel Zeit über ist, verliert das Vertrauen in den Manager. Hier ist eine klare Linie gefragt: Nur wer selbst fair handelt, kann auf eine gute Zusammenarbeit hoffen.

3. Die Kommunikation mit dem Kunden

Entwickler sind oft keine „Kommunikationsgenies“. Untereinander ist das auch in Ordnung; klare Ansagen und ein rauer Ton sind kein Problem, wenn das Team insgesamt so miteinander spricht. Im Umgang mit dem Kunden ist aber eine andere Linie gefragt. Hier sollte der Projektmanager eingreifen und den Kundenkontakt in die Hand nehmen. Der Informationsfluss zwischen Kunden und Entwicklern fällt in sein Aufgabengebiet. Macht er seinen Job gut, kann das Team sich darauf verlassen, dass es immer alle relevanten Informationen erhält und muss sich nicht auf eine gänzlich andere Art der Kommunikation einstellen.

4. Stress von den Entwicklern fernhalten

Stress gibt es immer und überall. Muss aber das Entwicklerteam von jeder Unstimmigkeit rund um das Produkt herum wissen? Nein. Am Ende müssen Entwickler wissen, was sie zu tun haben und nicht, ob vor einer Entscheidung vier andere Ideen im Raum standen oder ob der Kunde ein Problem mit dem Marketing hat. Diese und weitere Probleme fallen in den Bereich des Projektmanagers. Eine gute Filterung ist auch hier gefragt. Nur so kann das Entwickler-Team sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren: das Entwickeln guter Software.

5. Auf Relevanz achten

Projekte verändern sich; gerade im agilen Projektmanagement ist das keine Seltenheit. Nicht immer lässt sich das vorhersehen – ärgerlich ist es aber für alle Beteiligten, wenn Entwickler ihre Zeit in unnötige Projektbestandteile investieren. Es macht sich nicht gut im Lebenslauf, wenn der Projektbestandteil, an dem ein Entwickler gearbeitet hat, schlussendlich nie implementiert wird. Aber auch den Kunden wird es ärgern, dort Geld hinein gesteckt zu haben. Noch schlimmer ist es, wenn ganze Projekte nach der Fertigstellung verworfen werden. Das zu vermeiden und unnötig gewordene Projektteile rechtzeitig zu beenden, ist Aufgabe des Projektmanagers.

Ein offenes Ohr

Weiterhin ist aber auch im Projektmanagement wichtig, was für alle anderen Unternehmensbereiche auch gilt. Eine in beide Richtungen offene Kommunikation hilft sehr dabei, ein gutes Verhältnis zwischen Team und Manager aufzubauen. Der Projektmanager muss ein offenes Ohr für die Anliegen und Sorgen seiner Teammitglieder haben. Gerade in der agilen Arbeitsweise sollte das selbstverständlich sein, in der Realität hapert es aber doch oft daran. Kommt Kritik am Management aus dem Team, lohnt es sich immer, auch diese Perspektive einmal zu betrachten.

Dabei kann es helfen, regelmäßig in Kontakt mit dem Entwickler-Team zu stehen. Wer nur in Erscheinung tritt, wenn es etwas zu entscheiden gibt, gehört nie wirklich zum Team und wird als eine Art Eindringling wahrgenommen werden. Wer allerdings regelmäßig gemeinsame Meetings ansetzt, bekommt mit der Zeit ein Gespür für die Arbeitsweise eines Teams.

Das Team unterstützen, nicht managen

Darauf basierend kann es dann auch besser gelingen, die richtigen Entscheidungen für ein Team zu treffen. Kann ein Team etwas nicht leisten, darf ihm diese Aufgabe gar nicht erst zugewiesen werden. Kennt der Manager sein Team gut genug, kann er das abschätzen und somit zu Gunsten des Teams entscheiden.

Wer diese Punkte im Projektmanagement beachtet, wird zum Partner der Entwickler. Er hält dem Team den Rücken frei und ermöglicht einen reibungsloseren Arbeitsablauf als zuvor. Davon profitieren am Ende alle Projektbeteiligten.

Aufmacherbild: Diverse People in a Meeting and Teamwork Concept von Shutterstock / Urheberrecht: Rawpixel

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Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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