SOA Governance –Technologie reicht nicht aus

Nicolai Josuttis

Glaubt man den IT-Analysten, so kommt man um SOA nicht herum. Laut Gartner werden 2008 etwa 80 Prozent aller IT-Projekte SOA-basiert sein. Also höchste Zeit, eine SOA-Landschaft aufzusetzen, bevor man hinterherhinkt.

VERTEILTE GESCHÄFTSPROZESSE BRAUCHEN ZUSAMMENARBEIT

Der erste Prozess, der bei SOA eine entscheidende Rolle spielt, ist die Geschäftsprozessmodellierung. Dieser Prozess führt überhaupt erst dazu, dass Services ins Spiel kommen. Bei SOA kommt nun die Besonderheit hinzu, dass die Geschäftsprozesse auf unterschiedliche Systeme verteilt sind und zudem unterschiedliche Eigentümer haben (verschiedene Abteilungen, Subunternehmen oder Unternehmen).

Schon aus historischen Gründen sind diese Systeme hochgradig heterogen, weshalb es erst einmal die technische Herausforderung gibt, Interoperabilität zu schaffen. Wie auch schon bei EAI (Enterprise Application Integration) ist es das Ziel, nicht jede Verbindung zwischen zwei Systemen individuell herzustellen, sondern durch Kopplung an den Enterprise Service Bus (ESB) jedes System nur einmal mit allen anderen technisch zu integrieren.

Das ist jedoch nur die Grundlage für die eigentliche Herausforderung verteilter Systeme: verteilte Entwicklung. Die Tatsache, dass mehrere Systeme mit unterschiedlichen Eigentümern im Spiel sind, zieht sich durch sämtliche Phasen der Systementwicklung. Doch darauf sind Unternehmen nicht unbedingt vorbereitet. In vielen Unternehmen dominiert häufig noch ein „Abteilungsdenken“. Jede neue Funktionalität und Innovation wurde in der Vergangenheit bei spezifischen Abteilungen in Auftrag gegeben und durchgeführt. Diese Abteilungen haben dann – mit Hilfe von spezifischen Schnittstellen zu anderen Systemen – eine eher monolithische Lösung geschaffen (siehe Abb.1). Die Abteilungen hatten die Federführung (also Macht und Kontrolle). Und das war auch gut so, denn keine Abteilung wollte sich von anderen Abteilungen abhängig machen, die zum Beispiel entscheidende Teilfunktionalitäten liefern.

Bei wirklich verteilten Geschäftsprozessen tritt das Problem auf, dass es nicht mehr die zuständige Abteilung gibt. Wer verteilte Geschäftsprozesse lebt, der muss jedoch wirklich verteilt planen, verteilt designen, verteilt realisieren und verteilt betreiben. Das bedeutet in Konsequenz die Etablierung einer Projektkultur. Neue Funktionalitäten werden nicht in einzelnen Abteilungen sondern mit Hilfe vieler Systeme geschaffen. Entsprechend braucht man übergeordnete Prozesse und Rollen.

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Nicolai Josuttis
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