Skandalenthüllung: Entwickler sind Stümper!

Hartmut Schlosser

Allen besserwisserischen Berichten darüber, was denn möglicherweise einen guten Programmierer vom Otto-Normal-Informatiker unterscheidet, schneidet Jared Richardson mit seiner schockierenden Skandalenthüllung „You’re a Bad Programmer. Embrace It.“ eine fiese Grimasse und wirft ein:

Seien wir doch mal ehrlich: Im Grunde sind wir Entwickler doch alle Stümper! Gute Programmierer gibt es nicht!

In seiner Madigmachung einer ganzen Software-Industrie zieht Richardson denn auch alle Register:

  • Da wir unfähig sind, uns unsere eigenen im Programmcode verwendeten Methoden zu merken, nutzen wir IDEs mit Autocompletion!
  • Unsere Gedächtnislücken bzgl. korrekter Syntax lassen wir vom Compiler korrigieren!
  • Wir schreiben ständig Code, der in anderen Programmteilen Fehler erzeugt!
  • Wir fügen ständig Features hinzu, die das Projekt nicht mehr skalieren lassen!
  • Wir implementieren ständig Features, die keiner will und keiner braucht!
  • Von logischer Korrektheit im Quellcode ganz zu schweigen: Statistisch belegt ist, dass bei kleineren Projekten (1 Jahr, 8 Entwickler) nur in 46% der Fälle ein funktionierendes Produkt herausspringt. Bei groß angelegten Projekten, die oft Millionen von Dollar kosten, sinkt diese Rate gar auf 2 %!

Richardsons Fazit:

In short, as an industry, we all stink. Jared Richardson

So zeigt Richardson herzhaft lachend auf der Entwicklerzunft neue Kleider und entlarvt die schwülstigen Worthülsen der Gurus, die Softwareentwicklung zur Kunst erheben wollen, als Scheingebilde, die von der tristen Wahrheit ablenken, dass Entwickler eigentlich alle nackt sind – einfach unfähig, den hohen Anforderungen der Maschinenprogrammierung gerecht zu werden!

Admit it… humans aren’t good at programming. It’s a task that requires extraordinary complexity and detail from brains that don’t work that way. It’s not how we tick. Jared Richardson

Statt den verletzten Stolz nun aber in lautstarkem Protestgeschrei wiederherstellen zu wollen – oder gar in lethargische Todesstarre angesichts der eigenen Unfähigkeit zu verfallen – rät Richardson, die traurige Wahrheit anzunehmen und als Startpunkt zu begreifen, von dem aus bewusst gegen die veranlagungsbedingte Programmier-Legasthenie angegangen werden kann:

Hör auf zu behaupten, dass du ein guter Programmierer bist, und suche stattdessen nach den bestmöglichen Krücken – sprich Tools -, die dich schlauer aussehen lassen, als du in Wahrheit bist!

  • Da wir eh immer alles kaputt machen, wenn wir den Code verändern, brauchen wir ein gutes Continuous-Integration-System und eine automatisierte Testumgebung.
  • Da wir ständig nur schlechten und fehlerhaften Code produzieren, brauchen wir Tools zur statischen Code-Analyse wie FindBugs.
  • Da wir ohne ständiges Testen nicht auskommen, brauchen wir ein Code Coverage Tool wie Cobertura.
  • Da wir es nicht hinbekommen, in großen Architekturlinien zu denken, brauchen wir Prozesse und ein Tooling, die uns zu kleineren Arbeitseinheiten zwingen. Fehler, die bei wöchentlichen Iterationen auffallen, sind nicht so gravierend wie ein Fehler, der erst nach einem halben Jahr bekannt wird.
  • Da auch System-Admins nichts als Fehler produzieren, brauchen wir Skripting-Tools wie rake oder capistrano für die Deployments.
  • Da wir in unserem Entwicklerlatein schlicht und ergreifend nicht verstehen, was unsere Kunden wollen, brauchen wir als Bindeglied DSLs, die eine präzise aber auch für den Kunden verständliche Sprache etablieren.

Unerhörte Behauptungen eines Nestbeschmutzers, oder?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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