Geschichte und Vorteile einer agilen Methode

SCRUM – The Art of Possible

Oliver-Arne Hammerstein

Unternehmen streben bei der Initiierung und Durchführung von Projekten nicht nur kurze Laufzeiten zur Erzielung der Ergebnisse an, sondern wünschen sich auch ein Höchstmaß an Flexibilität, um schnell auf neue technische Anforderungen, Marktbedingungen oder Kundenwünsche reagieren zu können. Änderungsfreundliche und anpassungsfähige Projektmanagement-Ansätze nehmen deshalb in vielen Schlüsselbranchen einen wachsenden Stellenwert ein.

Als Vorreiter dieser Entwicklung gilt der Bereich der Softwareentwicklung, der aufgrund seiner diversifizierten Aufgabenstellungen hinsichtlich Projektgrößen, -beteiligten und -anzahl als empirischer Indikator des Trends hin zu einem agilen Projektmanagement fungiert.

Die Kernidee des agilen Projektmanagements besteht darin, den Auftraggeber von Beginn an aktiv in das Projekt einzubeziehen und ebenso frühzeitig wie regelmäßig funktionsfähige Anteile der Projektliefergegenstände bereitzustellen. Diese werden dann in regelmäßigen Abständen und in enger Abstimmung durch den Auftraggeber überprüft und im Bedarfsfall modifiziert und weiterentwickelt. Vorteil dieses Vorgehens: Der Auftraggeber kann bereits kurz nach Projektstart erste Ergebnisse nutzen, mit seinen Anforderungen abgleichen und neue Ideen und Erkenntnisse zeitnah in die nächste Teilumsetzung einbringen. Die Folge: Nicht nur der Entwicklungsprozess wird flexibler und schneller – auch die Kundenzufriedenheit steigt.

Agile Methoden

Umgesetzt wird agiles Projektmanagement in der Softwareentwicklung durch den Einsatz so genannter agiler Methoden. Die bedeutendsten Vertreter unter ihnen sind Scrum, Extreme Programming (XP) Feature Driven Development (FDD), Adaptive Software Development (ASD), Crystal oder das Lean Software Development. Kennzeichnend für diese „beweglichen“ Verfahrensweisen ist, dass sie im Vergleich zu traditionellen Ansätzen mit statischen und phasenorientierten Planungsvorhersagen den Fokus auf eine inkrementelle Annäherung der Liefergegenstände legen. Gestaffelt nach Priorität wird Inkrement für Inkrement der Leistungsumfang der Projektergebnisse gesteigert. Dieses „First things first“ gestattet dem Auftraggeber, die Kern-Funktionalitäten zu einem frühen Zeitpunkt nutzen zu können. Der sukzessive und priorisierte Aufbau des Leistungsumfangs in Form von Inkrementen findet in so genannten Iterationen statt. Iterativ-inkrementelle Vorgehensweisen bilden das Fundament agiler Methoden.

Agile Methoden haben eine lange Tradition und reichen zurück bis in die späten 1980er-Jahre. Ihre Wurzeln finden sich zugleich in der Industrieproduktion (TPS – Toyota Production System) und in der Management-Praxis (Lean Management). Ziele dieser Verfahren sind:

  • Qualitätsverbesserung – Verbindung der Produktivität der Massenproduktion mit der Qualität der Werkstattfertigung
  • Kostenreduktion durch Serienoptimierung

Als Softwarexperten verstärkt damit begannen, neue Vorgehensweisen für eine schnellere und effektive Durchführung von Entwicklungsprojekten zu erarbeiten, wurden sie dabei wesentlich von den Leitlinien und Zielen von TPS sowie dem daraus hervorgegangenen Lean Management („lean“, engl. schlank) inspiriert und beeinflusst.

Geschrieben von
Oliver-Arne Hammerstein
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.