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Scala und die "Trittbrettfahrer": Kotlin, Ceylon, Gosu

Hartmut Schlosser

Kotlin, Ceylon, Gosu – das sind drei neue JVM-Sprachen, die erst vor kurzem von JetBrains, RedHat und Guidewire angekündigt wurden. Unterhaltsame Trittbrettfahrer – mehr nicht, urteilt Simon Ochsenreither in seinem Blogeintrag „Scala, Kotlin, Ceylon… let’s start by being honest„.

Dem Java-Ökosystem fügen diese neuen Sprachkreationen keine Mehrwerte hinzu, meint Ochsenreither, – im Gegenteil: Sie halten andere davon ab, sich mit wirklich Innovativem zu beschäftigen. Und für Ochsenreither ist das beispielsweise: Scala.

Ochsenreither fühlt sich offenbar von den ständigen Kommentaren provoziert, Scala sei zu akademisch, zu funktional – oder auch nicht funktional genug. Derartige Argumente würden ohne weitere Begründung in die Welt gesetzt und dienten allzu oft nur zur Legitimierung der eigenen neuen Sprachkreation, die dann alles besser machen soll.

Ochsenreither spielt den Ball zurück und gibt sich seinerseits als Provokateur: Dem vielen Dampf, den die Schaffer von Kotlin, Ceylon und Gosu verbal hinterließen, stehe wenig technologische Substanz gegenüber:

  • Kotlin: Basically Scala, but no compiler, no libraries, no tooling and no documentation.
  • Ceylon: Vaporware until now. No compiler, no libraries, no tooling, no documentation, no ecosystem.
  • Gosu: Some nice syntax and language add-on for Java, but will most likely be obsolete when Java 8 arrives.

Ochsenreither geht soweit, den Befürwortern dieser Sprachen intellektuelle Unredlichkeit vorzuwerfen. Im Grunde gehe es ihnen darum, ihr Wissenskapital als Java-Experten bis ins Rentenalter zu sichern und wahre Innovation zu blockieren.

Während man diese Aussage getrost als bewusste Hyperbole abtun kann, sind die anschließenden Fragen doch ernsthafter Natur:

Hinkt Java den aktuellen Sprachentwicklungen nicht immer mehr hinterher? Closures wurden über 10 Jahre lang diskutiert – und sollen erst in Java 8 kommen. Java-Entwickler beklagen sich über die funktionalen Konstrukte in Scala, während C#-Entwickler offensichtlich keine Probleme damit haben. Ochsenreither meint: Keine andere Entwickler-Community hat soviele Probleme damit, etwas Neues zu lernen.

Sein Resümee:

Lets face it: Kotlin/Ceylon are dead on arrival (if they will ever arrive), while Gosu is at least interesting from an academical point of view (Open Type System). This triumvirate hardly adds any value to the JVM ecosystem over what we have today already with Java, Clojure and Scala.

Kein Wunder, dass der Blogpost Reaktionen hervorgerufen hat. RedHats Gavin King, der Mann hinter Ceylon, sieht in dem Posting ein Paradebeispiel dafür, wie man nicht über technische Dinge diskutieren sollte. Ochsenreither habe keine haltbaren technologischen Argumente auf den Tisch gelegt. Stattdessen strotze sein Text nur so von Beleidigungen, die sich auf die ganze Java Community bezögen. Auch die persönlichen Angriffe gegen die Sprachimplementierer seien unverständlich.

To the best of my knowledge none of the teams advocating alternative JVM languages have ever claimed that Scala is too academic or too functional or not functional enough. Gavin King

Doch Ochsenreither meint es ernst mit seiner Frage:

Bringen neue Sprachen wie Kotlin, Ceylon, Gosu das Java-Ökosystem weiter, oder dienen sie nur den Eigeninteressen der jeweiligen Firmen, die hinter den Sprachen stehen?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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