SAPs OpenJDK-Beitritt: Gewinn für Java oder Blockade-Taktik?

Hartmut Schlosser

SAP tritt dem OpenJDK-Projekt bei – eine Nachricht, die am vergangenen Donnerstag mit großem Interesse aufgenommen und überwiegend positiv kommentiert wurde. Über die Beweggründe hat sich nun Claus Riegen, Open-Source-Technologie Programm-Direktor bei SAP, in seinem Blog geäußert.

Seit geraumer Zeit komme Java in einer Vielzahl von SAP-Technologien zum Einsatz, angefangen beim NetWeaver Web Application Server bis hin zu integrierten Drittparteiprodukten. Dabei seien Java-Technologien an vielen Stellen überarbeitet worden, auch Patches und Verbesserungen seien von SAP in das JDK eingeflossen.

Grundsätzlich habe man bei SAP erkannt, dass es sinnvoll ist, mit Open Source Communities zusammenzuarbeiten, um die eigenen Anforderungen mit den Open-Source-Standards abzugleichen. Aus diesem Grund trete man nun dem OpenJDK-Projekt bei, um zusammen mir Oracle, IBM, Apple, Red Hat und anderen Entwicklern an der nächsten Generation des Open Source JDK zu arbeiten.

As with many other technologies we are utilizing in our products, it makes a lot of sense to work with the open source community behind these technologies to align our requirements with the open source standard. Which is why we recently decided to join the OpenJDK project in order to work with many other developers from Oracle, IBM, Apple, Red Hat and elsewhere on the next set of Java innovations as part of the „standard“ open source JDK. Claus Riegen

John Rymer vom Analystenhaus Forrester sieht in SAPs Beitritt eine logische Konsequenz der letzten Entwicklungen. Auf Computerworld bescheinigt Rymer SAP eine konstruktive Haltung, es gebe keine Anzeichen für die Absicht, sich in Blockade-Spiele verstricken zu wollen.

It strikes me that SAP had to join OpenJDK to support its Java work. SAP has some people doing deep Java development. Better to be involved in OpenJDK than not. I’ve heard nothing to indicate the relationship is anything but amicable and devoid of ‚vendor drama.‘ John Rymer

In der Tat kann man den Beitritt SAPs als marktgegebene Notwendigkeit betrachten, nachdem IBM im Oktober 2010, Apple im folgenden November ihre Mitarbeit am OpenJDK zugesagt hatten. Trotz der teilweise offen ausgestellten Opposition zu Oracles Java-Kurs hat man bei SAP wohl kaum tatenlos zusehen können, dass die Konkurrenz die Zukunft Javas „unter sich“ ausmacht.

Claus Riegen erklärt, dass für SAP jetzt ein guter Zeitpunkt für den OpenJDK-Beitritt gekommen sei, da die Arbeiten an JDK 8 gerade beginnen. Riegen spricht von einer Win-Win-Situation für SAP und die OpenJDK-Community:

This is good for the OpenJDK open source community. And it is good for SAP. Claus Riegen

Bleibt zu hoffen, dass den guten Absichtsbekundungen bald auch entsprechende Taten folgen werden. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein JSR an den widerstrebenden Interessen der Unternehmen scheitert.

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Hartmut Schlosser
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