Samsung kauft SmartThings, BlackBerry gründet Abteilung für IoT, DIY-Handys im Aufwind [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Samsung kauft Smart-Home-Startup | BlackBerry Technology Solutions kümmert sich künftig um IoT-Technologien | Kilobots: 1024 schwarmintelligente Roboter | DIY-Handys finden immer mehr Anklang | Crowdfunding der Woche: PIEP, Prozessor-unabhängige Hardware

Samsung kauft SmartThings

Samsung übernimmt das US-amerikanische Smart-Home-Startup SmartThings, die, so Samsung, „führende Plattform für Heimautomatisierung und das Internet der Dinge für Verbraucher“. Der Kaufpreis wurde offiziell nicht bekannt gegeben. Mehreren Medienberichten zufolge soll er aber bei 200 Millionen US-Dollar liegen.

SmartThings ging 2012 aus einer Kickstarter-Kampagne hervor (s. Video), die das Ziel verfolgte, beliebige Alltagsgegenstände miteinander zu vernetzen und über eine App steuerbar zu machen. Damit gehörten Alex Hawkinson, jetzt CEO bei SmartThings, und sein Team zweifelsohne zu den Pionieren im Smart-Home-Bereich. Laut Pressemitteilung soll das Startup weiterhin Hawkinson unterstellt sein und unabhängig agieren. Der Unternehmenssitz soll allerdings von Washington, D.C. nach Palo Alto, Kalifornien, verlegt werden.

Erst neulich ist Samsung dem Industrieverband „Thread Group“ beigetreten, um gemeinsam mit Nest Labs, ARM und weiteren Partnern ein neues Netzwerkprotokoll für das IoT zu entwickeln. Mit Atmel, Broadcom, Dell, Intel und Wind River gründeten die Koreaner außerdem kürzlich das „Open Interconnect Consortium“, einen weiteren Verband, der für offene Standards im Internet der Dinge eintritt. 

BlackBerry gründet eigenen Geschäftsbereich für das IoT

BlackBerry gründet den Geschäftsbereich BlackBerry Technology Solutions, kurz BTS. Dieser soll sich schwerpunktmäßig mit der Embedded-Software QNX und Projekt Ion beschäftigen, sprich: mit IoT-Technologien. Auch die innovative Antennen-Technologie Paratek, die beispielsweise im Smartphone Z30 zum Einsatz kommt, sowie die Kryptographie-Lösung Certicom sollen in BTS integriert werden. Den Bereich verantworten wird Sandeep Chennakeshu, der in seiner 25-jährigen Karriere unter anderem als Vorstand der Ericsson-Mobile-Plattformen und CTO von Sony Ericsson agierte.

Im Mai hatte BlackBerry Projekt Ion auf der IoT-Konferenz O’Reilly Solid vorgestellt. Das Projekt umfasst drei Initiativen: eine Cloud-Lösung der BlackBerry-Tochter QNX, den Aufbau eines IoT-Ökosystems und neue Mitgliedschaften im Industrial Internet Consortium sowie in der Application Developer Alliance.

Kilobots: Schwarmintelligente Roboter

1024 winzige Roboter – das erinnert natürlich an 1024 Byte – ein Kilobyte. Für Mike Rubenstein, Roboter-Spezialist der Harvard University, war es also nur naheliegend, seine kleinen Schützlinge „Kilobots“ zu nennen. Nicht ganz so niedlich ist allerdings die klangliche Ähnlichkeit mit „Killerbots“. Doch „wir beabsichtigen nicht, damit jemanden zu töten“, versichert der Akademiker dem US-amerikanischen Hörfunknetzwerk NPR. Na was ein Trost.

Zugegeben: Man würde den niedlichen Kerlen, die etwa den Durchmesser einer 2-Euro-Münze aufweisen und auf drei dünnen Beinen stehen, auch gar nicht zutrauen, handgreiflich zu werden. Verblüffend ist indes ihr Kooperationsvermögen. Die Roboterarmee findet sich selbständig zu jeder beliebigen Formation zusammen – Stichwort Selbstassemblierung (s. auch das MIT-Projekt „M-Blocks“). Dank einem Sensor weiß jeder Roboter, wo er sich, relativ zu seinen Artgenossen, befindet. Die nötige Bewegungsenergie liefert eine in jedem Exemplar verbaute Batterie, und dank der drei Beinchen, die vibrieren können, ist jede Einheit mobil. Alle Kilobots lassen sich gleichzeitig ein- und ausschalten, was den Wissenschaftlern viel Zeit erspart.

Jeder einzelne Roboter wurde in mühsamer Handarbeit zusammengebastelt und gelötet. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von 1024 Zwergen versagt oder komplett ausfällt, ist also hoch. Allerdings: Je fragiler der einzelne Roboter, desto besser dürfte sich beweisen lassen, wie gut der Schwarm die Schwächen Einzelner kompensieren kann.

Bei den Kilobots handelt sich um eines der größten Roboter-Kollektive, die je entstanden sind. Laut Rubenstein könnten sich solcherlei Technologien beispielsweise in der Raumfahrt als nützliche Helferlein erweisen.

DIY-Handys im Aufwind

Open-Source-DIY-Handys gibt es mittlerweile einige, etwa das im Mai bei uns vorgestellte „PiPhone“, das, wie der Name vermuten lässt, einen Raspberry Pi verwendet. Einen Arduino-basierten Ansatz veröffentlichte David Mellis vom MIT Media Lab. Mellis ist einer der Begründer der Arduino-Plattform. Auf Grundlage seiner Baupläne plant das Hamburger Fab Lab Fabulous St. Pauli nun eine Handyfabrik, wie Golem diese Woche berichtete.

Eine weitere Alternative ist das Ardufonino des Italieners Davide Aloisi. Auch hier steckt das Herzstück des Handys Marke Eigenbau im Namen: Ein Arduino Uno dient als Grundlage. Erweitert wird er durch ein Arduino GSM Shield, das für die nötige Konnektivität sorgt, und einer Nutzerschnittstelle, bestehend aus einem LCD-Display, einem Mikrophon, einem Lautsprecher, einem Trimmer und 13 Widerständen. Die Nutzerineraktion orientiert sich an der herkömmlichen Telefontastatur-Display-Anordnung. Peu à peu erweitert Aloisi das Telefon um weitere Funktionen. So ordnet er den Tasten bestimmte Befehle zu – auch hierbei stehen traditionelle Telefontastaturen Pate – und implementierte bereits eine Batteriestatusanzeige im Display. Eine beeindruckende Dokumentation seiner Arbeit befindet sich auf seiner Webpräsenz

PIEP: Prozessor-unabhängige Hardware

Wer für sein IoT-Projekt eine geeignete Open-Source-Hardwareplattform braucht, kann mittlerweile aus dem Vollen schöpfen, so groß ist die Vielfalt auf diesem jungen Markt – und so vielfältig die Kombinationsmöglichkeiten: Geradezu beliebig lassen sich Hardware-Komponenten zusammenstecken und miteinander verkabeln, auch ohne den Lötkolben schwingen zu müssen. Wer sich für eine Plattform entscheidet, legt sich allerdings auch meist auf einen Prozessor fest. Hier entwickelt sich die ARM-Architektur, auf der beispielsweise der Raspberry Pi basiert, zunehmend zum Platzhirsch. Unser Crowdfunding-Projekt der Woche, das man noch 34 Tage auf Kickstarter unterstützen kann, läutet diesbezüglich einen kleinen Paradigmenwechsel ein: Hinter der Processor Independent Embedded Platform, kurz PIEP, verbirgt sich eine Sammlung von Hardwarekomponenten, die mehrere Prozessortypen unterstützt – aktuell FreeScale, PIC und ARM. Das Prinzip der Hardware-Modularität wurde hier also ein Stück weitergedacht. Die Prozessoren lassen sich an den dafür vorgesehenen Steckplätzen am Motherboard anbringen. Letzteres bietet Platz für bis zu 36 Erweiterungen, „Peripherals“ genannt. 20 verschiedene solcher Erweiterungen gibt es bereits. Alle PIEP-Komponenten sind mit dem Arduino Uno kompatibel.

Für PIEP, ein Produkt der US-amerikanischen Firma E3 Embedded Systems, wurde ein Patent angemeldet. Ein Basic Kit mit einem Motherboard, einem Prozessorboard und drei Peripherals bekommt man bei einer Spende von 240 US-Dollar, als einer der 20 ersten Unterstützer bereits bei einer Spende von 200 Dollar.

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