Kommentar zur Verschiebung von Java 8

Samba mit Lambda

Sebastian Meyen

Gute Software zu bauen, ist bekanntlich nicht einfach. Gute Software *pünktlich* zu releasen, ist eine Herausforderung. Java 8 zu releasen – eine Kunst, die kaum einer beherrscht?

Als vor zwei Jahren Java 7 erschien, war dies ein gutes Zeichen, signalisierte es doch, dass es wieder voran geht in der Java-Welt. Gewiss, einige wichtige Elemente, die eigentlich für dieses Release geplant waren, mussten verschoben werden auf Java 8, das aber nur ein Jahr später folgen sollte.

Die Frage, die Mark Reinhold seinerzeit an die Community stellte, signalisierte eine unerwartete Offenheit, gekoppelt mit einer wohltuenden pragmatischen Denke. Das Ergebnis ist bekannt, Java 7 kam zwar nach Plan, aber als eine Art reduzierte Version. Wichtige Features wie Lambda oder Jigsaw wurden verschoben.

Aber Java 8 kam nicht wie angekündigt ein Jahr später, und auch eine weitere Verschiebung um ein halbes Jahr konnte nicht eingehalten werden, sodass schließlich der Sommer 2013 anvisiert worden war.

Daraus wird nun abermals nichts, wie wir jetzt wissen. Reinhold hat sich wieder an die Öffentlichkeit gewandt und in lobenswerter Offenheit bekannt gegeben, dass die Features, die so wichtig für die Modernisierung der Plattform gewesen wären, nicht pünktlich fertig gestellt werden können.

Gewiss, niemand wäre daran interessiert, ein unvollständiges Release nur um des Termins willen zu verfolgen, und alle begrüßen gewiss Oracles Wille, Substanz zu liefern. Doch fragen wir uns schon, warum es immer wieder nicht gelingt, so wichtige Releases einer Plattform, auf die sich eine so große Industrie verlässt, auf den Weg zu bringen.

Sind da die richtigen Leute am Werk? Werden die richtigen Prioritäten gesetzt? Sind die Entscheidungsprozesse geschliffen genug, um eine vernünftige Balance zwischen Community-Beteiligung und Effizienz herzustellen?

In seinem Blog vom 18. April schreibt Reinhold, dass es vor allem an den Security-Problemen von Java liege, dass andere Arbeiten liegen geblieben seien. Diese Sicherheitsschwachstellen haben man zuerst fixen müssen. Der ganze Text suggeriert diesen Zusammenhang. Allerdings schreibt er, wenn man genauer hinsieht: „It’s one of the reasons .“

Offenbar fehlen dem Team genügend oder ausreichend kompetente Mitarbeiter, was zur Folge hat, dass so wichtige Themen wie „Security“ und „Modernisierung der Plattform“ nicht parallel abgearbeitet werden können. Das kommt in den besten Familien vor. Zugleich arbeiten z.B. über 100 Entwickler an JavaFX, und dies mit hoher Schlagzahl und Effizienz; hat da einer die Community gefragt, ob sie dieser Prioritätensetzung überhaupt zustimmt?

Andere Kommentatoren merken an, dass die in der Öffentlichkeit so imageschädigenden Security-Probleme von Java einzig auf die Applets sowie auf Java Web Start – also Java im Browser – basieren; da stellt sich die Frage, ob wir diese Konzepte aus den 1990er bzw. den frühen 2000er Jahren wirklich noch brauchen, oder ob wir sie nicht vielmehr vom allgemeinen JDK in irgendeiner Weise abkoppeln sollten? Denn: basiert Ihr Geschäft etwa noch auf Java-Applets? Oder benötigen Sie vielmehr eine Plattform, die modern, modular und hochproduktiv sein sollte?

Generell besteht kein Grund zur Panik, und wenn es der beste Weg ist, Java 8 zu verschieben, um ein Release mit Qualität und Substanz zu schaffen, dann soll uns das recht sein. Aber ein Anlass, um weiter über Transparenz und Effizienz bei der Weiterentwicklung und Pflege der Plattform nachzudenken, sollte die neuerliche Verschiebung schon sein. Halten wir’s einstweilen aber mit dem ewigen Oracle-Kritiker Stephen Colebourne, der auf Twitter nur lapidar kommentierte:

It’ll be a while yet before we can samba with project lambda. Stephen Colebourne

Sebastian Meyen (Twitter: @smeyen) ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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