Interview mit Sacha Labourey, CEO und Gründer von CloudBees

„DevOps ist der neue Normalfall, Cloud ist die neue Infrastruktur und Kubernetes ist das neue Betriebssystem“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / faithie

Vor zehn Jahren begann die „DevOps-Revolution“. Was damals noch absolutes Neuland und mehr ein Gedankenexperiment war, ist heute bereits zum Normalfall geworden. Ein wichtiges Tool in dem Zusammenhang ist das Continous-Integration-Werkzeug Jenkins. Sacha Labourey, CEO von CloudBees, spricht im Interview über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Jenkins, blickt gemeinsam mit uns auf das vergangene Jahrzehnt von DevOps zurück und gibt einen Ausblick auf die Zukunft des CI-Tools Jenkins und der DevOps-Kultur.

JAXenter: Hallo Sacha und vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. In San Francisco fand vor Kurzem die DevOps World statt. Demnächst folgt die europäische Variante in Nizza. Was sind aus technischer Sicht die Highlights? Welche spannenden Neuentwicklungen wurden vorgestellt und was ist in Nizza zu erwarten?

Sacha Labourey: Bei Jenkins passiert derzeit richtig viel! Da ist zum einen die Modernisierung von Jenkins selbst, die mit großen Schritten voranschreitet. Dazu gehören beispielsweise die Bemühungen bei Jenkins Evergreen. Damit ist Jenkins immer auf dem neuesten Stand, ähnlich wie ein SaaS. Ein zweites Thema ist Konfiguration als Code. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Jenkins-Konfiguration in einfachen Dateien vollständig zu externalisieren. Diese Dateien können dann wiederum sehr einfach versioniert, gesichert, wiederhergestellt und zurückgesetzt werden. Und schließlich Cloud Native Jenkins, die native Cloud-Services für zentrale Jenkins-Funktionen nutzen. Sobald man diese verschiedenen parallelen Initiativen zusammenführt – einige von ihnen sind ziemlich weit fortgeschritten und bereits verfügbar –, erhält man eine ganz andere, ganz neue Jenkins-Engine. Diese liegt sehr nah an einer „One-Shot-Umgebung“, die bei Bedarf gestartet werden kann. Wir helfen im Wesentlichen dabei, Jenkins in die Cloud zu heben, und zwar schrittweise, was faszinierend zu beobachten ist. Die an diesen Initiativen beteiligten Teams werden also ausführlich diese Bemühungen vorstellen und zeigen, wie sie genutzt werden können.

Wir werden auch viel über Jenkins X sprechen, dessen Team von James Strachan geführt wird. Jenkins X kann man als einen Layer über Jenkins ansehen, der sich auf die tiefgehende Integration mit Kubernetes-Umgebungen konzentriert und eine kontinuierliche Bereitstellung von Kubernetes-nativen Anwendungen ermöglicht. Es bietet auch einige erweiterte Funktionen, um bestehende klassische Applikationen in Kubernetes-native Anwendungen zu verschieben. Dabei kommt nur eine Bibliothek von Vorlagen für verschiedene Quellanwendungen zum Einsatz. Die Perfektionierung bei Jenkins X ist wirklich beeindruckend. Wenn man sich ernsthaft damit beschäftigt, muss man unbedingt einen Blick darauf werfen.

Jenkins X kann man als einen Layer über Jenkins ansehen, der sich auf die tiefgehende Integration mit Kubernetes-Umgebungen konzentriert.

Aber auch bei CloudBees gibt es sehr viel Neues. Wir werden darüber sprechen, was wir schon jetzt erreicht haben, was heute verfügbar ist, aber auch unsere Vision für die Zukunft teilen. Dazu gehört beispielsweise, wie wir die Softwarebereitstellung weiter beschleunigen werden. Wir entwickeln uns im Wesentlichen zum „CRM der Software Delivery“.

Darüber hinaus ist die DevOps World | Jenkins World auch eine gute Gelegenheit, an Workshops, Schulungen, Zertifizierungen, Präsentationen von Organisationen und Personen mit viel Erfahrung im Bereich CI/CD teilzunehmen. Und es ist selbstverständlich eine perfekte Gelegenheit fürs Netzwerken. Die Energie und Leidenschaft, die wir in San Francisco spüren konnten, war wirklich außergewöhnlich. Ich freue mich schon sehr auf Nizza!

JAXenter: Jenkins ist eines der am häufigsten verwendeten Tools für Continuous Integration. Warum ist Jenkins so beliebt?

Sacha Labourey: Ein wichtiger Grund ist folgender: Hat man ein Problem im Bereich CI? Dann kann man wirklich darauf vertrauen, dass Jenkins in der Lage sein wird, das Problem zu lösen. Schon jetzt gibt es mehr als 1.400 Plug-ins und Integrationen für Jenkins. Und die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt: Es ermöglicht die Ausführung von AIX/HP-UX-Workloads bis hin zur Bereitstellung von Serverless- und Kubernetes-Anwendungen. Der Grund für diese Vielfalt ist, dass die Community hinter dem Projekt einfach riesig ist. Jedes der 1.400 Plug-ins hat seine eigene kleine (oder große) Community hinter sich, seinen eigenen Fokus, seine eigene Leidenschaft. Die Innovationskraft dahinter ist unglaublich. Wenn man sich nur die Jenkins-Instanzen ansieht, die ihre Statistiken an das Projekt senden, sprechen wir hier von der Spitze des Eisbergs. Es sind mehr als 800.000 Jenkins-Server, die zu jedem beliebigen Zeitpunkt an entsprechenden Aufgaben arbeiten, das ist eine unglaubliche Zahl!

Zusätzlich werden mit den aktuellen Bemühungen zur Modernisierung des Jenkins-Kerns sowie zur Vereinfachung seiner Verwendung für „Standard-Anwendungsfälle“ viele neue Benutzer Jenkins deutlich einfacher als bisher übernehmen können. Wir bei CloudBees investieren sehr viel in das Projekt. Das trägt mit Sicherheit dazu bei, dass das Projekt noch besser und robuster wird. Software Engineers und Unternehmen, die es übernehmen, können daher ruhig schlafen. Denn sie wissen, dass sie Hilfe von den Experten erhalten können, wenn es ernst wird.

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JAXenter: Welche Features fehlen Jenkins jetzt?

Wenn es etwas an Jenkins kritisieren kann, dann vielleicht, dass das Tooling zu umfangreich ist.

Sacha Labourey: Interessanterweise glaube ich nicht, dass zwischen Jenkins und Jenkins X etwas fehlt. Wenn es überhaupt in dieser Richtung Kritik gibt, dann vielleicht, dass es zu viel, zu umfangreich ist. So kann der erste Eindruck für neue Benutzer überwältigend sein. Aus diesem Grund zielen eine Reihe von Initiativen darauf ab, den Einstieg zu vereinfachen und den gesamten Management- und Aktualisierungsprozess mithilfe der Evergreen-Initiative zu steuern. Die Idee hierbei ist nicht, mehr zu zeigen oder zu tun, sondern tatsächlich zu vereinfachen und weniger Optionen aufzuzeigen.

Ein weiterer Aspekt ist die Kernarchitektur von Jenkins, die gegenwärtig eine wichtige Transformation durchläuft, um vollständig Cloud-native zu sein. Dies ist großartig und eine häufig geforderte Änderung. Aber es ist wichtig, die Mehrheit der Benutzer nicht zu vergessen, die Jenkins noch auf traditionellen Plattformen verwenden. Jenkins kann sich von dieser breiten Basis nicht selbst verabschieden.

JAXenter: DevOps wird in diesem Jahr 10 Jahre alt. 2008 begann es als Andrew Shafers‘ und Patrick Debois‘ Agile Infrastruktur. Eine kleine Zusammenfassung: Wie hat sich DevOps entwickelt?

Sacha Labourey: Vor 10 Jahren waren Unternehmen, die DevOps einsetzten, „originell“. Die Idee, diese Idee auf das Unternehmen zu skalieren, wurde als ein niedlicher, aber unrealistischer Ansatz wahrgenommen. Heutzutage werden CIOs gefeuert, weil sie die digitale Transformation verpassen. DevOps ist der neue Normalfall, Cloud ist die neue Infrastruktur und Kubernetes ist das neue Betriebssystem. Das ist schon eine interessante Entwicklung!

JAXenter: Wie würdest du den Status Quo von DevOps beschreiben? In welche Richtung entwickelt sich der DevOps-Ansatz derzeit?

Sacha Labourey: Wir neigen dazu, uns in der ersten Phase der Einführung darauf zu konzentrieren, die Entwickler zunächst in die Lage zu versetzen, mit neuer Technologie umzugehen und dann mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten. Sie möchten von Big-Batch-Updates zu einer Vielzahl parallel ablaufender Änderungen und Aktualisierungen übergehen und zwar so schnell wie möglich. Dies ist eine beeindruckende Veränderung, die schwer zu erreichen ist, aber es gibt keine Alternative.

Aber kurz nachdem du dies erreicht hast, wird dir klar, dass du ein Opfer deines eigenen Erfolgs sein könntest: dass all diese Geschwindigkeit großartig ist, aber du nicht das Gefühl hast, dein System steuere diese extreme Geschwindigkeit permanenter Veränderungen. Die richtige Balance zwischen den mit den notwendigen Kompetenzen ausgestatteten Teams und organisatorischer Sicherheit zu finden, ist der Schlüssel zum Erfolg. Daran arbeiten wir mit CloudBees Core v3, das wir in Nizza vorstellen werden.

JAXenter: Entwickler werden immer häufiger mit operativen Aufgaben konfrontiert und umgekehrt. Hat die Unterscheidung zwischen Entwicklern und Operations eine Zukunft, oder werden die Grenzen bald ganz verschwimmen?

Neue Plattformen wie Kubernetes und Serverless-Infrastrukturen leisten einen wirklich großen Beitrag zur Schaffung faszinierender Abstraktionen.

Sacha Labourey: Man wird immer Engineers haben, die sich ganz auf die Infrastruktur konzentrieren, aber was diese Infrastruktur ausmacht, wird sich ändern. Sie kümmern sich um die allgemeinen Metadaten und die „Service-Landkarte“ des Unternehmens, also Identität und Sicherheit, SaaS-Integration, etc. Aber wenn „Operations“ die Verwaltung von Speicherplätzen und Netzwerk-Switches bedeutet, sollte man vielleicht über einen Karrierewechsel nachdenken.

Wenn es um Entwickler geht, müssen sie, wenn überhaupt, ihr Bewusstsein für operative Notwendigkeiten erhöhen, da viele dieser Best Practices in die Architektur ihres Produkts integriert werden müssen. Ich denke aber auch, dass die neuen Plattformen, die wir sehen, wie Kubernetes und serverlose Infrastrukturen, wirklich einen großen Beitrag zur Schaffung faszinierender Abstraktionen leisten. In den meisten Fällen muss man die Bedenken der Teams vor Ort verstehen und sie in dem, was sie tun, überzeugen. Aber die Entwickler sollten nicht grundsätzlich die Aufgaben von Operations übernehmen.

JAXenter: Gibt es Best Practices, die jedes Team/Unternehmen, das DevOps implementieren möchte, befolgen sollte?

Sacha Labourey: Ja, das ist ein wichtiger Teil dessen, was wir im Rahmen unserer Professional Services anbieten, wir nennen das „CD Acceleration“. Das ist sehr erfolgreich.

JAXenter: Was sind deiner Meinung nach immer noch die größten Hürden, um DevOps heute erfolgreich einzusetzen?

Sacha Labourey: Heute geht es um Menschen. Veränderung ist hart, Veränderung ist unangenehm und große Veränderungen erzeugen große Reibung. Deshalb ist es so wichtig, den richtigen Leiter für die Transformation bzw. den Wandel zu finden, der sowohl die DNA der Teams und der Organisation respektiert als auch unerbittlich Veränderungen erzwingt, Tag für Tag.

Darüber hinaus denke ich, dass die Vergütung an der Spitze von Unternehmen ein Schlüsselthema ist, das angegangen werden muss. Viele Unternehmen bieten Anreize, die sich auf die Optimierung von Margen und Zeitrahmen von 12 bis 24 Monaten konzentrieren. Diese Art von Anreiz ist einfach unpassend bei Initiativen der digitalen Transformation, die unweigerlich zu vorübergehenden Störungen führen werden. Warum sollten Top-Executives in jedem Unternehmen ein solches Risiko eingehen, wenn ihre Boni nicht mit diesem Ziel übereinstimmen? Einfach weil „es das Richtige ist“? Das scheint kurzsichtig zu sein. Hier sind starke Aufsichtsräte und Vorstände gefragt, um den echten Bedarf an digitaler Transformation rechtzeitig zu erkennen und die Anreize entsprechend auszurichten.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Sacha Labourey was born in Neuchâtel, Switzerland and graduated in 1999 from EPFL. It was during Sacha’s studies at EPFL that he started his first consulting business – Cogito Informatique. In 2001, he joined Marc Fleury’s JBoss project as a core contributor and implemented JBoss’ original clustering features. In 2003, Sacha founded the European headquarters for JBoss and, as GM for Europe, led the strategy and partnerships that helped fuel the company’s growth in that region. While in this position, he led the recruitment of some of JBoss’ key talent and acquisition of key technology. In 2005, he was appointed CTO of JBoss, Inc. and oversaw all of JBoss engineering. In June 2006, JBoss, Inc. was acquired by Red Hat (NYSE:RHT). After the acquisition, Sacha remained JBoss CTO and played a crucial role in integrating and productizing JBoss software with Red Hat offerings. In 2007, Sacha became co-General Manager of Red Hat’s middleware division. He ultimately left Red Hat and founded CloudBees in April 2010.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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