Auf der Uberholspur

Ridesharing-Dienst Uber öffnet API für Entwickler und Firmenpartner

Redaktion JAXenter
© shutterstock.com/Denys Prykhodov

Der Ridesharing-Dienst Uber bereitet mit seinem neuen, offenen API den Boden für eine breite Palette an Firmenpartnerschaften. Auch könnte das kalifornische Unternehmen dank „Uber API“ bald eine große Entwicklercommunity um sich scharen. Eine IT-Strategie auf der Höhe der Zeit, die zeigt: Uber ist längst auf der Überholspur – auch wenn Taxifahrer hierzulande noch immer gegen den innovativen Konkurrenten Sturm laufen. 

„Immer mehr geschlossene APIs werden sich öffnen“prognostizierte Fred Simon, Mitbegründer von JFrog, Ende 2013 in unserer Serie „Kaffeesatz lesen: Best of Java 2013“. Dass er mit dieser Vorhersage Recht haben könnte, zeigt ein Schachzug, den der Fahrdienst Uber vor zwei Tagen bekannt gegeben hat: Der Ridesharing-Dienst, bei dem sich private Fahrer und Fahrgäste über eine Online-Plattform miteinander verabreden, präsentierte eine offene Programmierschnittstelle: das Uber API. Diese soll es Entwicklern von Apps und Webservices anderer Dienstleister ermöglichen, Uber in ihre Lösungen zu integrieren. Damit bereitet der Fahrdienst den Boden für eine Vielzahl an Unternehmenspartnerschaften. Elf Firmen, darunter TripAdvisor, United Airlines und Starbucks, sind bereits an Bord. Mit einer Rabattaktion wird auf den Start des Uber-API-Partnerprogramms aufmerksam gemacht: Alle Partner bieten Erstnutzern des Fahrdienstes eine Ermäßigung von 30 US-Dollar auf ihre erste Fahrt.

Softwareentwickler im Visier 

Das Ziel dieser Strategie ist offensichtlich: Uber möchte ein großes Ökosystem aufbauen, um in möglichst vielen verschiedenen Märkten und Branchen Fuß zu fassen. Dabei werden Softwareentwickler, die „neuen Königsmacher“, frühzeitig ins Boot geholt. Im ebenfalls gerade lancierten „Affiliate Program“ werden Programmierer mit Fahrguthaben belohnt, wenn sie Apps mit Uber-Integration entwickeln. „We believe that any app with a map is a potential Uber API partner“, heißt es in der Ankündigung.

Offene APIs

„Anyone who doesn’t use APIs will be fired“ – diese Warnung des Amazon-Gründers Jeff Bezos gegenüber seinen Mitarbeitern ist fast schon ein geflügeltes Wort. Seit einigen Jahren stellen immer mehr Unternehmen stellen offene APIs bereit, auch Anbieter von Produkten, die mit der digitalen Welt auf den ersten Blick nichts am Hut haben. Starbucks, Coca Cola oder Kodak sind solche Beispiele. IT-Analysten betonen unisono: Offene APIs, die sich leicht mit anderen Technologien und Services verknüpfen lassen, sind wichtige Schnittstellen zu Partnern und Kunden. Kein Unternehmen, das in Sachen Innovation die Nase vorn behalten möchte, werde in Zukunft darauf verzichten können.

Deutschland vs. Uber

Dass Innovation gegenüber Tradition hierzulande indes oft den Kürzeren zieht, zeigt der Gegenwind, den Uber in vielen deutschen Städten erfährt. So verhängte das Land Berlin erst kürzlich ein Uber-Verbot im Stadtgebiet Berlin. Die offizielle Begründung in der Pressemitteilung des zuständigen Landesamtes für Bürger und Ordnungsangelegenheiten (LABO) ist mehr als fadenscheinig: Der Schutz des Fahrgastes habe Priorität, heißt es darin. Wenige Zeilen darunter ist der vermutlich wahre Hintergrund des Verbots zu lesen: „Der Grundgedanke des Schutzes des Taxigewerbes findet ebenfalls Anwendung.“ Bekanntlich waren zahlreiche Berliner Taxifahrer zuvor gegen den Konkurrenten aus den USA auf die Barrikaden gegangen.

Innovation > Tradition 

Ob im Versandhandel, im Medienbetrieb, im Automobilsektor oder im Personentransport: Dort, wo etablierte und neue, experimentelle Geschäftsmodelle in einem scheinbaren Gegensatz zueinander stehen und in der Öffentlichkeit zu Kontrahenten stilisiert werden, beobachtet man immer wieder dasselbe Verhaltensmuster: Die einen lamentieren lautstark, die anderen revolutionieren heimlich, still und leise. Die einen führen öffentlichkeitswirksame, erbitterte Kämpfe – man könnte auch sagen: Rückzugsgefechte. Die anderen begeben sich in ihre Werkstatt – schließlich gibt der Klügere meistens nach – um unaufhörlich zu tüfteln und zu feilen. Rückwärtsgewandtheit prallt auf Zukunftsoptimismus.

Die Verbitterung der einen speist sich aus der unterdrückten Ahnung, dass die Tage ihres Geschäftsmodells gezählt sind – ein verdrängtes Innovator’s Dilemma. Dazu passt, dass die disruptive Erneuerung des Wettbewerbers als Skrupellosigkeit deklariert und zum Feindbild aufgebauscht wird.

Die Souveränität der anderen speist sich indes aus der Gewissheit, dass ihr Ansatz der zukunftsfähigere ist und über kurz oder lang so manchen konservativen Wettbewerber vom Markt drängen wird. Denn: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Innovation mag sich kurzfristig zurückdämmen lassen. Langfristig aufzuhalten ist sie nicht. Mit seiner neuen IT-Strategie holt Uber nun zum Rundumschlag gegen das traditionelle Taxigewerbe aus. Spätestens damit hat die schöpferische Zerstörung begonnen.  

Aufmacherbild: businesswoman hand holding a phone with interface taxi against the background of the table in the office von shutterstock.com / Urheberreccht: Denys Prykhodov  

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