Retrospektiven – wider die Macht der Verdrängung!

Rezept Nr. 6: Erkenntnisse festhalten

Unter dem ironischen Motto „schön, dass wir drüber geredet haben“, könnten viele Retrospektiven stehen. Wenn das das Gefühl ist, mit dem Beteiligte aus dem Treffen herausgehen, dann ist eine Retrospektive wertlos. Es gilt, die Erkenntnisse auch in die Zukunft mit hineinzunehmen. Das ist sicherlich der schwierigste Punkt. Um das zu erreichen, gibt es mehrere Wege: Zum einen ist es nützlich, die Erkenntnisse aus einem Sprint aufzuschreiben. Ich bin ein großer Anhänger davon, dass jede Person ihre Punkte auf je ein Post-It schreibt und alle Zettel gemeinsam auf ein vorbereitetes Plakat gehängt werden, das dann den kommenden Sprint über als Erinnerung an der Wand des Teamraums hängt. Doch meistens ist das nicht genug. Es ist hilfreich, wenn die Teammitglieder sich zum Beispiel per „Dot-Voting“ (Markierung durch Klebepunkte) auf die hervorstechendsten positiven und negativen Punkte einigen und daraus konkrete Maßnahmen für den kommenden Sprint ableiten. Das können Impediments sein, die der Scrum Master beseitigen muss, aber auch konkrete Stories für das Product Backlog. Eine weitere Hilfe kann es sein, wenn aus dem prägnantesten Punkt ein Motto für den kommenden Sprint formuliert wird, auf das sich das Team einigt, ergänzend zum Sprint-Ziel. Zum Beispiel: „Wir wollen uns in diesem Sprint auf keinen Fall über-committen“, wenn regelmäßiges Over-Commitment das Problem des Teams ist. Oder auch ein positives Beispiel: „Wir wollen jede Story in engster inhaltlicher und räumlicher Abstimmung zwischen Team und Product Owner umsetzen, ähnlich wie im vergangenen Sprint, da dies unsere Produktivität stark anhebt“. Der Scrum Master sollte ein Auge darauf haben, ob die vielen guten Vorsätze auch wirklich beachtet wurden – und vor allem auch in der kommenden Retrospektive wieder ansprechen.

Rezept Nr. 7: Abwechslung bieten

Jede Rückschau wird irgendwann langweilig und auch der motivierteste Teilnehmer betriebsblind, wenn immer dasselbe geschieht. Deshalb ist es nützlich, ein paar Varianten in der Tasche zu haben. Einige davon habe ich vor einigen Wochen selbst bei einer Session über Retrospektiven erfahren [F1]:

  • Umkehrung der Fragestellung: Was könnten wir tun, um Dinge schlechter machen?
  • Die Teammitglieder bringen Fotos und Bilder mit, die den Sprint symbolisieren und erläutern ihre Punkte anhand des Bilds
  • Eine Metapher für das Team wird benutzt, z. B. ein Speed Boat. Die Fragen könnten lauten: Was sind die störenden Anker? Was ist der Treibstoff?
  • „Wool wide web“ – Eine spielerische Ausgestaltung der Retrospektive ist eine willkommene Abwechslung: Die Teilnehmer stellen sich im Kreis auf, ein sich abwickelndes Wollknäuel wird herumgeworfen, während sich das werfende Teammitglied äußert. Der Fänger behält den Faden in der Hand und wirft das Wollknäuel dem Nächsten zu. So entsteht ein Spinnennetz zwischen den Anwesenden
  • Eine für Team und Scrum Master gleichermaßen belebende Erfahrung ist es, sich einen anderen Scrum Master als Gast einzuladen, der die eigene Retrospektive moderiert
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