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Recht auf Vergessenwerden: Google entfernt Links für Suchen aus Europa

Gabriela Motroc

© Shutterstock / nito

Ab sofort wird Google die Suchresultate über alle seine Domains hinweg blockieren, sofern die Suchanfrage aus Europa kommt. Der Konzern reagiert damit auf Forderungen europäischer Gesetzgeber. Das Recht auf Vergessenwerden gibt EU-Bürgern die Möglichkeit, bestimmte Links aus den Ergebnissen einer Online-Suche nach ihrem Namen entfernen zu lassen.

Google hat via Blogpost angekündigt, seine Praxis für das Entfernen von Suchergebnissen hinsichtlich des Rechts auf Vergessenwerden (eher das Recht auf Von-der-Liste-genommen-Werden) in Europa anzupassen. Seit Anfang der Woche wird der Konzern außerdem Geolokalisation (z.B. IP-Adressen) nutzen, um den Zugang auf „vergessene“ URLs auf allen Domains der Google Suche, inklusive google.com, zu verhindern. Dies geschieht, wenn die Suchanfrage aus dem Land kommt, in dem auch die Linkentfernung beantragt wurde.

Bisher ist der Ablauf so, dass die Nutzer per Webformular einen Löschantrag aufgeben müssen. Google entscheidet daraufhin, ob die Anfrage den Kriterien entspricht, die der Gerichtshof vor einigen Jahren aufgestellt hat: die zu löschenden Informationen müssen irrelevant, unangemessen, überhöht oder nicht mehr aktuell sein. Erfüllt das Gesuch die Anforderungen, wird die URL gleichzeitig aus allen europäischen Google Suchen entfernt.

Googles „Recht auf Vergessenwerden“: Das Rad dreht sich

Für das neue Verfahren gibt Google folgendes Beispiel: Wenn das Unternehmen eine URL auf Anfrage von John Smith aus Großbritannien nicht mehr führt, wird den Usern des gleichen Landes die betroffene URL nicht mehr angezeigt, wenn sie nach der betroffenen Person suchen – das gilt nun auch für google.com. Allerdings wird den Nutzern außerhalb des Vereinigten Königreichs die URL weiterhin als Suchergebnis angezeigt, wenn sie ihre Anfrage über eine nicht-europäische Google-Domainsuche tätigen.

Wie der Konzern erklärt, erfolgt die Kursänderung aufgrund spezifischer Gespräche, die das Unternehmen in den letzten Monaten mit den europäischen Datenschutzbehörden geführt hat. Peter Fleischer, globaler Datenschutzbeauftragter von Google, sagt in einem Blogpost: „Wir denken, dass dieser zusätzliche Schritt uns in die Lage versetzt, die gesteigerten Schutzmaßnahmen der europäischen Behörden einzuhalten, ohne dabei das Recht der Bürger anderer Länder auf einen Zugang zu rechtmäßig veröffentlichten Informationen einzuschränken.“

Was ist eigentlich mit Microsoft und Yahoo?

In 2014 trafen sich Google, Microsoft und Yahoo mit den europäischen Datenschutzbehörden, um die Entscheidungen des Gerichtshofs der EU zu diskutieren. Im Anschluss an das Treffen begann Microsoft damit, Anfragen europäischer User zu akzeptieren, die ihre Suchtreffer auf Bing löschen lassen wollten. Zwar wurde die Löschung nicht garantiert, allerdings wurden die ersten Einträge bereits wenige Monate später nach Einrichtung der Option entfernt.

Ein Sprecher von Yahoo sagte Ende 2014 dem Wall Street Journal, dass das Unternehmen „jede Anfrage sorgfältig überprüfe und hierbei das individuelle Recht auf Privatsphäre mit dem öffentlichen Recht auf Informationen abwäge“.

Nur zwei Monate nach der Diskussion mit den EU-Behörden schrieb David C. Drummond, Googles Senior Vice President der Unternehmensentwicklung und Chief Legal Officer, in einem Gastkommentar im Guardian, dass „bei der Entscheidung, welche Inhalte aus den Suchmaschinen entfernt werden sollen, auch das öffentliche Interesse berücksichtigt werden muss. Das sind, natürlich, sehr vage und subjektive Tests“. Google hat nun bestätigt, dass sie „trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten einen durchweg kollaborativen Dialog mit den Datenschutzbehörden pflegen.“ Fleischer weiter: „Wir fühlen uns verpflichtet, die Arbeit auf diese Weise fortzusetzen.“

Aufmacherbild: Google Web Search via Shutterstock / Urheberrecht: nito

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Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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