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R.I.P. Apache Harmony

Hartmut Schlosser

Das Apache-Harmony-Projekt steht vor dem endgültigen Aus. Nachdem Oracle der JDK-Open-Source-Implementierung nach der Sun-Übernahme die offizielle Lizensierung verweigert hatte und kurz darauf IBM sich von der Partizipation an Harmony verabschiedete, war im Harmony-Lager endgültig Stille eingetreten. Im März 2011 trat der bisherige PMC-Leiter Tim Ellison zurück. Den Todesstoß hat Harmony nun aber das Apache PMC selbst versetzt. In einer internen Abstimmung wurde mit 18 gegen 2 Stimmen entschieden, das Projekt in den sogenannten Apache Attic zu verfrachten – den Ort für ausrangierte Apache-Projekte.

Das Harmony-Projekt wurde 2005 von IBM und anderen Entwicklern ins Leben gerufen, um eine frei lizensierte Java-Version zur Verfügung zu stellen. Sun hatte dieses Vorhaben von Beginn an torpediert und dem Harmony-Projekt das Technology Compatibility Kit (TCK) verweigert, das für die Tests notwendig ist, nach denen man sich offiziell als Java-Implementierung bezeichnen darf. Apache-Vertreter hatten mehrfach angemahnt, dass diese Verweigerung ein Bruch mit den JSPA-Regelungen darstelle. Dieser Streit führte schließlich dazu, dass die Apache Foundation Ende 2010 den JCP verlassen hat.

Der Quellcode des Harmony-Projektes soll nun im Attic in einer Read-Only-Version der Nachwelt erhalten bleiben. Alle Weiterentwicklungen werden eingestellt. Harmony lebt derzeit allerdings noch teilweise in der Android-Plattform weiter, welche Google mit zahlreichen Klassenbibliotheken aus Harmony bestückt hat – inwiefern dieser Vorgang rechtens war, wird derzeit zwischen Oracle und Google vor Gericht geklärt.

Die Frage nach dem Aus von Harmony auch auf der Android-Plattform wird sich spätestens nochmals neu stellen, sollte Google den aktuellen Patent- und Copyright-Rechtsstreit verlieren. Denn wie einige Kommentatoren meinen, liegt mit Goolges neuer Sprachkreation Dart bereits der Nachfolger für die Harmony-Java-Implementierung auf Android in Wartestellung.

Apache Harmony – Requiescat in pace.

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Hartmut Schlosser
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