"RIM wird sich 2012 stark zurückmelden" – Interview mit Ekkehard Gentz

Lukasz Konieczny

Die MobileTechCon 2011 in Mainz rückt näher und widmet sich in diesem Jahr neben Android auch noch einer weiteren mobilen Plattform, die für Java-Entwickler interessant sein könnte: BlackBerry OS. Wir sprachen mit Ekkehard Gentz, einem langjährigem Softwarearchitekten aus dem Eclipse-Umfeld über Entwicklung für BlackBerry.

JAX: Sie gehören als langjähriger Entwickler zum Java- und Eclipse-Umfeld. Warum ist BlackBerry für Sie als Plattform so interessant?

Ekkehard Gentz: Meine Schwerpunkte im Eclipse-Umfeld sind Businessanwendungen basierend auf EclipseRT (OSGi – Equinox, Riena, EclipseLink, …) Außerdem bin ich seit Jahren engagiert in modellgetriebener Entwicklung (Xtend, Xtext). Moderne Businessanwendungen beinhalten immer mehr mobile Komponenten, die integriert werden müssen und so hat es sich in den letzten zwei Jahren ergeben, dass ich mehr und mehr mit der Entwicklung mobiler Anwendungen beschäftigt bin. Basierend auf Anforderungen in Kundenprojekten hat es sich mehrfach ergeben, dass als zu integrierende mobile Lösung BlackBerry gewählt wurde. Ich möchte stellvertretend nur zwei Punkte nennen: Push Services mit Zustellgarantie gewährleistet nur BlackBerry und wer ein robustes Smartphone mit Tastatur für Baustelleneinsatz sucht, der landet ebenfalls bei BlackBerry. Wer übrigens mehr wissen möchte über die Push Services der verschiedenen Hersteller: ich habe auf der MobileTechCon 2011, sowie auf dem Mobile Day der W-JAX dazu eine plattformübergreifende Session.

Ich bin ja ein überzeugter Nutzer und Unterstützer von Open Source Projekten – und wer es noch nicht mitbekommen hat: RIM kauft nicht nur innovative junge Firmen auf, sondern veröffentlicht mehr und mehr als Open Source auf GitHub. Ein weiterer Punkt, sich mit BlackBerry zu beschäftigen.

JAX: Bei all dem Hype rund um Android, warum kann BlackBerry auch für Java-Entwickler weiter relevant sein?

Ekkehard Gentz: BlackBerry ist ja schon sehr lange im Markt und hat erst spät auf die Herausforderungen durch iOS und Android reagiert. Schaut man allerdings genauer hin, dann erkennt man, dass mit RIM durchaus zu rechnen ist in den nächsten Jahren. Da ist als wichtigste Entscheidung das neue OS zu nennen: QNX. QNX wurde von RIM vor einem Jahr übernommen und ist ein robustes Betriebssystem, das seit Jahren in kritischen Umgebungen zuverlässig seine Dienste tut. QNX ist bereits die Basis des TabletOS von RIMs PlayBook und wird im nächsten Jahr auch in Smartphones zum Einsatz kommen. Für QNX gibt es jetzt schon SDKs für Webentwicklung (WebWorks), Adobe Air und native (C). Über einen Player (eine Art VM) werden in Kürze sowohl Java-Anwendungen für Android als auch BlackBerry unter QNX lauffähig sein. Außerdem wird es auch ein neues Java SDK geben. BlackBerry bietet derzeit schon eine umfangreiche Java API, um das anspruchsvolle Security-Modell umzusetzen, aber auch um Super Apps zu ermöglichen. Für diese Anforderungen wird es auch in Zukunft APIs geben und es ist als Java-Entwickler sicher eine gute Idee, sich rechtzeitig damit zu beschäftigen. Wer nur auf den Hype schaut, der verpasst manchmal Entwicklungen und ich wage zu behaupten, dass RIM sich 2012 stark zurückmelden wird

JAX: Im Rahmen der MobileTechCon 2011 in Mainz werden Sie gemeinsam mit Florian Pirchner einen Workshop über BlackBerry-Super-Apps für Businessanwendungen anbieten. Was können Teilnehmer bei diesem Workshop alles mitnehmen?

Ekkehard Gentz: Dieser Power Workshop bietet die Möglichkeit, eine mobile Businessanwendung von Grund auf zu entwickeln. Wir werden dabei Tipps und Tricks verraten, die ganz allgemein Gültigkeit haben für die Entwicklung mobiler Businessanwendungen. Die Umsetzung erfolgt dann mit BlackBerry OS 6 und 7 und ich bin sicher, dass die Teilnehmer erstaunt sein werden, was für Programme für BlackBerry entwickelt werden können. Das bezieht sich sowohl auf die UI, als auch die Anwendung der Entwicklungs-Tools, die natürlich auf Eclipse basieren.

Businessanwendungen unterscheiden sich ja auch dadurch von vielen anderen mobilen Anwendungen, dass es immer auch eine Serverkomponente gibt – und da kommt natürlich wieder EclipseRT ins Spiel: basierend auf OSGi (Equinox) zeigen wir auch die Einbindung eines Open Source verfügbaren Servers für Datenkommunikation, Push Services und ortsbasierte Anwendungen (KML Services).

Es wird also sicher ein spannender Tag – und zum Abschluss gibt es dann noch für einen Teilnehmer die Chance, ein neues BlackBerry Smartphone mitzunehmen.

JAX: Wo liegen die Vorteile von BlackBerry Super Apps im Vergleich zu Applikationen anderer Anbieter?

Ekkehard Gentz: Bei BlackBerry Super Apps weiß der Benutzer oft gar nicht, dass er grad mit dieser App arbeitet, da sich diese nahtlos in die nativen Anwendungen integriert. Beispielsweise beim Anlegen eines Kontakts werden die Felder der CRM-Anwendung gleich mit ausgefüllt ohne diese App starten zu müssen. Und in der allgemeinen Nachrichtenliste stehen neben eingegangen Mails auch Pushnachrichten, die beim Öffnen sofort die Super App mit einem bestimmten Fenster öffnen. Super Apps sind auch „always-on“ – der Anwender muss sich nicht um den Abruf von Informationen kümmern, sondern bekommt diese auf das Gerät gepushed, wobei die Möglichkeiten bei BlackBerry über die der anderen Plattformen weit herausgehen.

In Businessanwendungen hat man es oft mit geschlossenen Benutzergruppen (z.B. Vertriebsmitarbeiter, LKW Fahrer) zu tun und kann dann den beliebten BlackBerry Messenger (BBM) so einbinden, dass er integrativer Bestandteil der eigenen Anwendung wird. In London konnte man dieser Tage sehen, dass der BBM von jugendlichen Nutzern eingesetzt wurde von einer Zielgruppe, bei der man normalerweise kein BlackBerry vermuten würde.

JAX: Wir danken für das Gespräch. 

Ekkehard Gentz ist freiberuflicher Softwarearchitekt und seit 30 Jahren im Umfeld von Businessanwendungen (ERP) tätig. Seine Schwerpunkte sind modellgetriebene Entwicklung, OSGi-Server-Anwendungen und mobile Java-Anwendungen. Ekkehard ist Committer im Eclipse-Riena-Projekt und Project Lead der Open-Source-Projekte redView und red-open. Ekkehard berichtet regelmäßig über seine Erfahrungen im Blog ekkes-corner und in Twitter: @ekkescorner.

Geschrieben von
Lukasz Konieczny
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.