"Ich will ja Scrum machen, aber mein Chef nicht!" – Was tun?

Judith Lungstraß

Schaut man sich die Scrum-Grundprinzipien einmal genauer an, erhält man schnell den Eindruck eines streng durchreglementierten Regelwerkes. Mit Product Owner, ScrumMaster und Entwicklungsteam gibt es vorgefertigte Rollen, die in regelmäßigen Abständen Ergebnisse präsentieren und Fortschritte dokumentieren müssen. Ohne Zweifel beeinflusst die Umsetzung des Scrum-Prinzips ein Unternehmen in extremer Weise: die komplette Arbeitsroutine muss verändert und auf Scrum angepasst werden.

Doch was tun, wenn sich nur ein Teil des Teams in Sachen Scrum engagieren will, der andere Teil demgegenüber jedoch vollkommen gleichgültig ist? Umso schlimmer, wenn es sich bei besagtem Scrum-Muffel auch noch um den Chef oder die Unternehmensleitung handelt. Von solch einem Fall berichtet Christian Schäfer auf test.ical.ly. Sein Chef lege nicht Wert auf Scrum, wohl aber darauf, dass er in der Lage sein soll, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Das bedeutet: Zeitdruck und Ablenkung allenthalben – kein guter Ausgangspunkt für einen Scrum Prouduc Owner!

Seinen Arbeitsprozess selbst Scrum-konform zu gestalten, ist Schäfer also nicht in der Lage – immerhin wäre das die Aufgabe seines Chefs. Aus der Not heraus wagt er ein Experiment: Um wenigstens etwas agil zu arbeiten, verlässt er den orthodoxen Scrum-Weg zu einem gewissen Maße. Er hält sich nicht vollkommen an die Ideologie Scrum, sondern verwirklicht nur die Aspekte darunter, die er ohne große Umstrukturierung in seinen bisherigen Arbeitsrhythmus einbringen kann.

Schäfer stellt sich die Frage: Darf man das? Heißt es in Sachen Scrum entweder ganz oder gar nicht oder ist ein wenig Scrum besser als gar keins? Dürfte man beispielsweise aus dem Daily Scrum ein Weekly Scrum machen, vielleicht auch ein 2-Tages-Scrum oder ein alle-2-Wochen-Scrum? Muss ein Produktbereich eventuell auch nicht innerhalb eines Sprints fertig gestellt werden, sondern darf man dafür zwei Sprints in Anspruch nehmen? Wäre es vielleicht sogar möglich, die Dauer eines Sprints über den dafür vorgesehenen Zeitraum hinaus auszudehnen, ja sogar außerplanmäßig zu verlängern?

Kurz: Muss sich das Team der Methode anpassen oder die Methode dem Team?

Haben Sie mit der Anpassung des Scrum-Regelwerkes an die Anforderungen eines Entwicklerteams bereits Erfahrungen gemacht? Egal ob positiv oder negativ, teilen Sie Ihre Geschichten mit uns!

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Judith Lungstraß
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